Netzwerk-Party-Nachhilfe: Politiker spielen Counterstrike

Netzwerk-Party-Nachhilfe : Politiker spielen Counterstrike

Berlin (RPO). Gleich am Eingang zur Fraktionsebene fliegen die ersten Kugeln. "Dominik für lang und die Granate nach. Hilf ihm! - Nice." An einem langen Tisch sitzen sich zehn Computerspiel-Profis gegenüber und spielen lautstark "Counterstrike", das Spiel an dem die Debatte um Gewalt in Computerspielen immer wieder aufgehängt wird.

Ein paar Meter weiter lässt eine junge Frau vor einem Flachbildschirm die Arme kreisen, immer in dem Takt, den der virtuelle Fitnesstrainer vorgibt. Nebenan heulen Formel-1-Motoren. Insgesamt herrschte auf der ersten Politiker-LAN am Mittwochabend eher die Atmosphäre einer Computerspiel-Messe als die Stimmung einer Netzwerk-Party.

Rund 100 Abgeordnete aller Parteien hörten zunächst Vorträge und besuchten verschiedene Workshops. Einige wenige blieben auch noch, als die Presse Zugang bekam. Die drei Initiatoren der Veranstaltung wollten in erster Linie informieren: "Unsere Kollegen sollen die Chance bekommen, zu erfahren, wie die Faszination für Computerspiele aussehen kann", fasste der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz den Sinn der Veranstaltung zusammen. Und während Dorothee Bär (CSU) den Charakter von Computerspielen als Kulturgut hervorhob, betonte ihr Abgeordnetenkollege Manuel Höferlin (FDP) die körperlichen und kommunikativen Fähigkeiten, das Spielen erfordere.

Dem gemeinsamen Statement folgte ein Rundgang durch die Lobby, bei dem die Organisatoren auch selbst den Spiele-Controller in die Hand nahmen. Nachdem sich die sichtlich schwangere Dorothee Bär mit etwas Mühe hinter das Steuer des Formel-1-Simulators gesetzt hatte, spielten Schulz und Höferlin Fußball. Deutschland in schwarzen Trikots gegen Schweden in Gelb. Die Partie der Mannschaften in den Farben der Regierungskoalition verlief schleppend. Halbzeitanalyse des digitalen Moderators: "Schlimmer geht's nimmer." Das Spiel endete torlos.

Begleitet von einem großen Kameraaufgebot setzten sich unterdessen auch die ersten Parlamentarier an den Tisch der "Counterstrike"-Spieler. Burkhardt Müller-Sönksen und Serkan Tören (beide FDP) versuchten sich gegen die Ego-Shooter-Profis. Tören, der in seiner Fraktion für Waffenrecht zuständig ist, machte dabei keine schlechte Figur. Der bekennende Rallyespiele-Fan Müller-Sönksen hingegen, durfte nach eigenen Angaben nur treffen, "weil die Gegner stillgehalten haben". Und auch wenn er Gewalt in Computerspielen skeptisch gegenübersteht, hatte er sich das Spiel blutiger vorgestellt: "Wenn man erschossen wurde, drehte sich nur das Bild. Ich war nach dem Spiel auch nicht aggressiver als sonst."

Auch Serkan Tören lehnt die sogenannten Killerspiele nicht grundsätzlich ab: "Videospiele allein produzieren keine Amokläufer", sagte der Abgeordnete. "Trotzdem muss das Umfeld gerade bei Kindern genau hinschauen und begleiten." Die Botschaft war unter den meisten Teilnehmern an diesem Abend konsensfähig.

(apd/felt)
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