"Starcraft II: Wings of Liberty" erscheint: Nach zwölf Jahren hat das Warten ein Ende

"Starcraft II: Wings of Liberty" erscheint : Nach zwölf Jahren hat das Warten ein Ende

Düsseldorf (RPO). Es hat lange gedauert. So lange, dass Fans schon fast die Hoffnung aufgegeben hatten. Jetzt ist es endlich soweit. Am Dienstag kommt nach zwölf Jahren endlich die Fortsetzung des legendären und mit mehr als 9,5 Millionen meistverkauften Echtzeit-Strategiespiel-Klassikers Starcraft in den Handel.

Was haben wir damals gezittert und gefiebert. Nicht vor Angst, sondern vor Adrenalin, vor Anspannung und vor Konzentration. Mit einem Tunnelblick nur den Monitor im Auge. Die eine Hand die Maus fest im Griff, den Zeigefinger nervös zuckend und jederzeit bereit ein Kommando zu geben. Die andere Hand über der Tastatur schwebend, den Zeigefinger wie ein Raubvogel über Ihr kreisend, um sofort die in der Situation richtige Taste zu drücken.

Bis heute hat sich dadurch eine für einige Kollegen unglaubliche Geschwindigkeit im Umgang mit Computern gehalten. Der Grund ist Starcraft. Im Jahr 2499 angesiedelt, als die Menschheit die schlechtesten und verdorbensten Subjekte auskolonisiert hatte in die Weiten des Universums — die sich dort sich selbst überlassen wurden.

Sie hatten sich dort irgendwie arrangiert, neue Machtbünde aufgebaut und rangelten um die Vorherrschaft. Doch plötzlich werden sie von den Protoss, einer technologisch weit fortgeschritten außerirdischen Zivilisation angegriffen. Scheinbar. Tatsächlich geht es den Protoss nur darum, das aggressive und expansive insektoide Volk der Zerg zu vernichten.

Und dazwischen findet sich der Spieler wieder — der in Echtzeit auf den Schlachtfeldern der Zukunft die richtigen taktischen und strategischen Entscheidungen treffen muss. Zuerst für die Terraner, dann für die der Zerg und letztendlich in der Rolle der Protoss. Das Neue an Starcraft war, das die Missionsziele durchaus variierten — und sich nicht von Mission zu Mission ununterscheidbar wiederholten. Zudem warfen skriptgesteuerte Ereignisse jede Strategie über den Haufen, mischte die Karten und die Ziele neu.

Alles immer in Echtzeit

Das Spiel forderte den Spieler heraus. Bis an seine Grenzen. Und mit den variablen Einheiten war es ihm überlassen, wie er sein Ziel erreichte: Mit vielen, schwachen, aber schnell produzierten Einheiten den Gegner überrennen? Oder aber lieber auf wenige, dafür sehr starke Einheiten setzen? Sich einbunkern und aus einer starken Defensive heraus, den offensiven Gegner zermürben? Oder ihm eine Falle stellen? Während man die eigenen Ressourcen immer im Blick haben musste.

Alles immer in Echtzeit, so dass kaum Zeit blieb, sich mal zurückzulehnen und in Ruhe nachdenken zu können. Entscheidungen mussten schnell getroffen werden. Und taktische Fehler wurden sofort bestraft. Das alles eingebettet in eine epische Geschichte zwischen Verrat und Selbstaufopferung. Mit Szenen, die wie bei einem guten Film im Gedächtnis bleiben: Wenn Sarah Kerrigan von Arcturus Mengsk zurück- und den Zerg überlassen wird, weil er so hofft, die Macht über die verbliebenen Terraner an sich reißen zu können. Oder wenn der Protoss Tassadar sich opfert, um die Zerg zu vernichten.

Bis heute gilt Starcraft nicht als ein Meilenstein der Echtzeit-Strategie-Spiele, sondern als DAS Echtzeit-Strategiespiel überhaupt. Weltweit gibt es Nationalmannschaften, die gegeneinander antreten und sich in Turnieren messen. Und beispielsweise in Südkorea haben sich Fernsehsender auf die Übertragungen der Starcraft-Duelle spezialisiert. Elite-Spieler werden dort fast wie Fußball-Stars gefeiert.

Die dritte Dimension

Doch nach 1998 kam bis auf die Erweiterung "Brood War" nichts mehr. Entwickler Blizzard konzentrierte sich anscheinend nur noch auf "World of Warcraft" oder das leider viel zu eintönige Diablo. Starcraft-Anhänger weltweit konnten sich dagegen nur in Duellen oder Meisterschaften miteinander messen. Doch die Geschichte selbst ging nicht weiter. 12 lange Jahre nicht.

Doch nun hat das Warten ein Ende, geht es endlich weiter. Und der erste Eindruck weckt die Lust auf mehr: Die Terraner befinden sich im Bürgerkrieg. Die Protoss sind nach der Vernichtung ihrer Heimatwelt ein verlorenes Volk geworden. Und die Zerg, nun, sie sind immer noch da. Und immer noch ist da Sarah Kerrigan, die als Zerg/Terraner-Hybrid ihre eigenen Ziele verfolgt.

Das Spielprinzip ist dabei weitgehend gleich geblieben. Indes kommt jetzt die dritte Dimension hinzu. Das heißt, Einheiten auf Hügeln beispielsweise können nun herunterschießen. Das gibt ganz neue strategische Möglichkeiten. Zudem kann man Forschungspunkte sammeln, die man in verschiedene Upgrades für die eigenen Einheiten investieren kann. Nur leider reichen die Forschungspunkte nicht für alle Verbesserungen. Man muss abwägen, welche technologische Fortschritte der eigenen Spielweise am besten entgegenkommen.

Teil eins einer Trilogie

Freiheitsgrade und Möglichkeiten bieten nun auch viele Gebäude. Über den gesamtem Spielverlauf gesehen hat man mehr taktische Möglichkeiten und Optionen als beim Vorgänger. Und das macht es nicht einfacher. Dafür können "alte" Veteranen herausfinden, ob ihre Zeigefinger steif geworden oder genauso flink wie früher sind — ohne dass Langeweile aufkommt.

Denn Starcraft II fordert eine ganz neue Herangehensweise, auch wenn das grundlegende Prinzip geblieben ist. Und sie können sich mit neuen Fans messen. Das Multiplayer-System wurde verändert. Ganz wichtig: die Replay-Funktion. Selbst wenn man online gegen einen Herausforderer verloren hat, kann man sich die Schlacht noch einmal anschauen und detailliert analysieren, wo die eigene Strategie versagt hat.

Und das Beste von allem: Wieder ist das Echtzeit-Schlachtengetümmel eingebettet in eine packende Geschichte, die lose Enden des ersten Teils aufgreift, sie weiterentwickelt und vielleicht zu einer ganz besonderen Herausforderung führt: den Kamp mit den Xel'Naga, die in der Vergangenheit sowohl die Protoss als auch die Zerg erschaffen haben.

Seitdem aber existieren nur Relikte von ihnen. Vielleicht kommen sie ja wieder. Aber das wird man erst am Ende von Starcraft II wissen. Und das wird noch etwas auf sich warten lassen. Denn "Starcraft II: Wings of Liberty" spielt nur auf der terranischen Seite. Es ist der erste Teil einer Trilogie. In Teil Zwei taktiert man für die Zerg, im dritten finalen Teil führt man die Armeen der Protoss.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erste Eindrücke aus Starcraft II