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"Star Trek - das Videospiel" im Test: Mit Warp 9 in die Belanglosigkeit

"Star Trek - das Videospiel" im Test : Mit Warp 9 in die Belanglosigkeit

Das neue Star-Trek-Spiel will vieles besser machen als die anderen Vertreter des Enterprise-Game-Universums und scheitert damit. Am Ende steht ein belangloses Erlebnis – wenn man bis zum Finale durchhält.

Das neue Star-Trek-Spiel will vieles besser machen als die anderen Vertreter des Enterprise-Game-Universums und scheitert damit. Am Ende steht ein belangloses Erlebnis — wenn man bis zum Finale durchhält.

Seit J. J. Abrams Star Trek in die Finger bekam, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Zeitlinie wurde geändert, die bedeutungsschweren Diskussionen zwischen Kirk, Spock und McCoy mussten trockenen Kommentaren und Actionsequenzen weichen.

Eigentlich ideale Voraussetzungen für ein rasantes Spiel im Star-Trek-Universum. Bislang tat sich die Science-Fiction-Reihe mit ihrer Botschaft von Toleranz und Menschlichkeit allerdings eher schwer mit Actionspielen. Eigentlich tat sie sich überhaupt schwer damit, gute Spiele hervorzubringen. Deren Zahl ist trotz der Masse an Titeln recht überschaubar.

Das erfahrene Entwicklerstudio Digital Extremes (Darkness II) wollte nun alles besser machen. Und tatsächlich kommt mit der Original-Filmmusik sofort die neue Star-Trek-Stimmung auf. Sie endet allerdings in dem Moment, in dem man die digitalen Äquivalente der echten Schauspieler sieht. Ja, sie sehen ihnen sehr ähnlich.

Das ist aber noch das Beste, was man über sie sagen kann. Sie bewegen sich etwas unnatürlich. Die Gesichter wirken seltsam steif oder verziehen sich bisweilen fast grimassenhaft. Aber dann zeigen sie wenigstens überhaupt einen Ausdruck.

Gesichtssteife Animationen, lustlose Schauspieler

Da hilft es auch nicht, dass die Originalschauspieler ihre Charaktere sprechen. Meist wirken ihre Sätze unambitioniert vorgetragen: Es scheint fast so, als ob sie nur die Dialogzeile erhalten haben — aber keine Ahnung von der Szene hatten oder in welchen Zusammenhang die Worte fallen.

Davon abgesehen, dass manche der Dialoge recht seltsam klingen. Kirk: "Warum müssen immer alle Türen verschlossen sein." Antwort Spock: "Das ist die logische Maßnahme bei einem Angriff." Aha!? Bei solchen Sätzen sitzt man mit offenem Mund vor dem Fernseher. Nicht voller Ergriffenheit, sondern voller Staunen, wer in der Lage ist, so etwas zu schreiben.

Leider zieht sich das durch das gesamte Spiel, und es ist vielleicht auch ein Grund für die etwas lustlose Arbeit der Schauspieler. Nur Karl Urban (Dr. McCoy) und Simon Pegg (Scotty) schaffen es, ihren virtuellen Alter Egos Leben tatsächlich einzuhauchen. Allerdings haben sie auch die besten Zeilen.

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Doch es ist nicht alles schlecht: Die Planetenoberflächen, die außerirdischen Raumschiffe, das Interieur der Enterprise und einer Raumstation sehen beeindruckend aus. Da macht es Spaß, durch die Schiffe oder über die Planeten zu streifen.

Die Story ist passabel und nicht langweilig erzählt, auch wenn sie kaum Überraschungen bietet und mit einigen überflüssigen Star-Trek-Klischees aufwartet wie dem ignoranten, rücksichtslosen Sternenflotten-Offizier: Die Enterprise folgt dem Notruf einer vulkanischen Forschungsstation. Dort ist ein Experiment aus dem Ruder gelaufen, mit dem man Neo-Vulkan möglichst schnell als neue Heimat der Vulkanier entwickeln wollte.

Das wiederum hat die echsenhaften Gorn auf den Plan gerufen, die das Experimental-Gerät, die Helios-Maschine, stehlen — weil sie als Nebenwirkung Wurmlöcher quasi als Abkürzung für Sternenreisende öffnen kann. Und das erscheint den Gorn als ideales Mittel, um ihren Expansionsdrang freien Lauf zu lassen. Den Rest des Spiels jagt man dieser ominösen Helios-Maschine hinterher.

Sehr repetitiv und in die Länge gezogen

Und das heißt: Entweder als Kirk oder Spock zieht man in der Third-Person-Perspektive los. Wen man wählt, spielt aber keine Rolle. Das Gameplay unterscheidet sich trotz der anderslautenden Hinweise des Spiels nur marginal — und der jeweils andere ist der Teampartner. Der wird wahlweise von der KI oder einem realen Freund gesteuert.

Und das ist in jedem Fall besser. Denn die künstliche Intelligenz bewegt sich irgendwo zwischen Stubenfliege und Regenwurm. Im Test musste mehrmals ein Level neu gestartet werden, weil sich das Teammitglied fest gerannt hatte. Es ist zwar komisch anzusehen, wenn er ständig gegen einen Widerstand läuft. Doch ohne Chance, ihn davon zu überzeugen, das lieber zu unterlassen, bleibt nur der Neustart des Spiels.

Macht aber nichts: Man kommt recht schnell weiter. Denn die Gegner-KI bewegt sich auf dem gleichen Niveau. Anfangs nickt man noch anerkennend mit dem Kopf, wenn die Feinde Deckung suchen. Wenn sie dann aber dort dumm stehen bleiben und man ihnen einfach in den Rücken fallen kann, schüttelt man mit dem Kopf. Irgendetwas ist da in der Entwicklung stecken geblieben. Am Zeitdruck kann es nicht gelegen haben: Das Spiel wurde bereits vor knapp zwei Jahren angekündigt.

So aber eilt man vom Deckung zu Deckung und schießt mit unterschiedlichen Waffen, die man aus anderen Spielen kennt (Schrotflinte, Maschinen- und Scharfschützengewehr). Nicht mehr als Standard. Dafür sieht man, wie manche Gegner bei einem Treffer komisch in die Luft hüpfen.

Nebenbei scannt man mit dem Tricorder die Umgebung. Wenn man etwas Interessantes entdeckt, gibt es dafür meist belanglose Zusatzinformationen und Erfahrungspunkte. Die kann man in Verbesserungen für den Tricorder und den Captain's Phaser (Kirk) oder den Vulcan-Phaser (Spock) investieren. Das bringt aber bei den meisten Optionen nicht wirklich etwas, weil man ohnehin oft andere Waffen benutzt.

Wenn man nicht gerade um sich schießt, löst man eine Reihe von uninspirierten, auf Dauer nervigen Mini-Spielchen, um eine Tür zu öffnen oder auf einen Computer zuzugreifen. In anderen Passagen klettert man herum oder muss mit dem Tricorder bestimmte Knotenpunkte aktivieren.

Sieht man von der schlechten KI ab, könnte das alles irgendwie Spaß machen. Doch gerade in den ersten drei Viertel des Spiels stimmt der Spielfluss nicht. Alles scheint in die Länge gezogen, und der größte Gegner ist die teilweise miserable Steuerung.

An einer Stelle muss Spock den verletzen Kirk zu einer Krankenstation schleppen, eckt dabei an fast jeder Ecke des Raumes an und lässt sich daraus nur mit Geduld befreien. Zudem leidet Star Trek auch noch unter einigen Bugs wie unsichtbaren Wänden an einer Stelle, wo es eigentlich weiter gehen müsste. Tut es aber nicht. Man muss sich erst am Rand des Stegs nach vorne rollen, um weiterzukommen — warum auch immer.

Durchschnittliche Story, passabel erzählt

Erst im letzten Viertel des Spiels nimmt das Spiel Fahrt auf, stimmen Rhythmus und Spielfluss. Wenn man bis dahin durchhält, ist Star Trek stellenweise sogar unterhaltsam und hat seine Momente.

Was bleibt, ist eine überzeugende Star-Trek-Atmosphäre mit einer durchschnittlichen, annehmbar erzählten Geschichte, die unter schlechten Dialogen leidet — und unter einem repetitiven Gameplay.

Ohne das letzte Viertel wäre das Spiel ein weiterer Star-Trek-Ausfall. So aber versinkt es in der Belanglosigkeit. Schade, denn man hätte mehr daraus machen können.


Einzelwertung

Grafik 6,5 von 10

+ Star-Trek-Setting gelungen umgesetzt

- schlechte, gesichtssteife Charakter-Animationen

Sound 6,5 von 10

+ Original-Filmmusik

+ Original-Soundeffekte

+ kehlige Gorn-Sprache überzeugend

+ Originalsprecher an Bord

- Originalsprecher wirken meist lustlos

Gameplay 2,0 von 10

+ Teammitglied heilt einen selbstständig

- grandios schlechte Gegner- und Team-KI

- nervige, uninspirierte Mini-Spiele

- schlechte Steuerung

- Deckungswechsel kompliziert

- sehr repetitiv und in die Länge gezogen

Story 6,5 von 10

+ annehmbar erzählte, durchschnittliche Star-Trek-Geschichte

+ Einblick in die Gorn-Kultur

- oft miserable Dialoge


Gesamtwertung: 5,5 von 10

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Star Trek - das Videospiel": durchschnittliche Story, passabel erzählt

(csr)