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Throug the Darkest of Times im Test: Widerstand gegen Adolf Hitler

Review Through the Darkest of Times : Bedrückend, bewegend, mahnend: Im Widerstand gegen die Nazis

Das kleine deutsche Studio Paintbucket Games hat Jahre lang an „Through the Darkest of Times“ gearbeitet. In dem Strategie-Spiel kämpft man im Verborgenen zwischen 1933 und 1945 gegen die Nazi-Diktatur in Berlin.

Es ist der 30. Januar 1933 in Berlin, und Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Damit beginnt „Through the Darkest of Times“ (Durch die dunkelste aller Zeiten). Und der Spieler muss sich entscheiden, ob er manuell speichern und laden möchte. Oder aber er kann den Schwierigkeitsgrad direkt erhöhen: Mit der automatischen Sicherung lassen sich Entscheidungen in dem rundenbasierten Strategiespiel nicht rückgängig machen. Das trägt indes sehr zur Atmosphäre bei und ist darum unsere Empfehlung. Wer die Immersion noch erhöhen will, schaltet die historische Symbolik ein. Dann tragen Nazis tatsächlich Hakenkreuz-Armbinden.

Der Grafikstil bleibt in jedem Fall gewöhnungsbedürftig. Schwarz und Weiß dominieren. Farben – und das ist dann vor allem das Rot – werden dezent und gezielt eingesetzt. Menschen wirken nicht realistisch, sondern sie sind stilisiert. Animationen werden sparsam eingesetzt. Alles wirkt sehr zurückgenommen und gibt dem Spiel etwas von einem interaktiven Comic. Die Musik ist passend ausgewählt und untermalt dezent die Ereignisse, die man sich zum größten Teil erlesen muss.

Anfangs weiß man darum nicht so recht, was man von „Through the Darkest of Times“ halten soll. Zumal der Spieler recht unvermittelt in eine Figur gedrängt wird. Das Zufallsprinzip entscheidet über Beruf, politische Einstellung, Geschlecht. Und man klickt so lange weiter, bis einem eine Kombination gefällt. Das Aussehen lässt sich zwar noch ein wenig anpassen. Aber erst im Verlauf des Spiels wird dann klar, wie wichtig die Wahl der Figur ist: Arbeiter lassen sich nur schwer von Angestellten oder Akademikern überzeugen. Kommunisten dagegen haben keinen Draht zu National-Konservativen. Am Anfang muss die Gruppe zudem die Wahl treffen, was sie erreichen möchte. Will man Verfolgten helfen? Möchte man das Volk über die wahren Vorgänge aufklären? Oder soll man gegen die Nazis aktiv vorgehen? Dahinter steckt die Wahl des Schwierigkeitsgrades. Denn je öffentlichkeitswirksamer und auffälliger die Ziele werden, desto schwieriger wird es.

Das Spiel ist in vier Kapitel aufgeteilt, die sich von 1933 bis 1945 erstrecken. Und in jedem Kapitel hat man 20 Wochen – sprich Spielzüge – Zeit, um seine Ziele zu erreichen. Jede Woche beginnt dabei mit drei Tageszeitungen, die indes nicht reale Schlagzeilen aus jenen Jahren liefern. Vielmehr bieten sie den historischen Hintergrund. Innerhalb der jeweiligen Woche kann man dann gegebenenfalls neue Mitglieder rekrutieren. Die Gruppe besteht dabei aus maximal fünf Widerständlern oder Widerständlerinnen. Man kann auch versuchen, Unterstützer zu gewinnen. Die schalten dann neue Optionen frei und spenden wöchentlich etwas Geld.

Aber da gibt es auch noch die großen Aktionen. Das können je nach Kapitel und Ziele der Gruppe das Verteilen von kritischen Flugblättern oder Sprengstoff-Anschläge sein. Doch um da erfolgreich zu sein, muss man geschickt planen und strategisch vorgehen. Denn 20 Wochen wirken zwar wie eine lange Zeit. Doch die Vorbereitung der großen Aktion erfolgt in vielen keinen Schritten. Und um an bestimmte Dinge zu kommen, müssen die Optionen über die richtigen Kontakte freigeschaltet werden. Doch je riskanter oder auffälliger die Handlungen werden, desto mehr rückt man in den Fokus der Polizei, der Gestapo oder einiger regimetreuer Nachbarn.

Das ist der strategische Teil des Spiels. Der ist aber nicht so komplex, wie es scheint. „Through the Darkest of Times“ lebt nicht vom Gameplay. Es lebt von der Inszenierung, von der Innigkeit der Texte und von den geschilderten Ereignissen. Die eigene Figur wächst einem dabei in ihrer Hilflosigkeit und mit ihrem langsam ans Herz. Ebenso wie die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe, die mit kleinen Erzählungen an Kontur gewinnen. Bei dem einen hat die Frau ein Verhältnis mit einem Nazi und verlässt ihren Mann. Der andere wird arbeitslos. Ein anderer verliert seinen Sohn im Krieg. Recht früh stirbt in unserem Playthrough sogar ein Mitglied, nachdem er verhaftet und gefoltert worden ist.

Das Spiel verzichtet dabei auf Show-Effekte oder drastische Darstellung. Aber es sorgt durch Musik und den sehr eigenen Grafik-Stil für eine beklemmende und bedrückende Atmosphäre. Man hört Geschichten oder sieht selbst, wie Nazi-Rassenlehre und Führerkult um sich greifen – und welche Opfer das fordert. Dennoch versucht unsere kleine Gruppe, sich ein wenig Menschlichkeit zu bewahren, zu helfen und Widerstand zu leisten.

Auf dieser Karte trifft man die Entscheidungen und geht die Missionen an. Foto: dpa-tmn/Paintbucket Games

Für einen Durchgang benötigt man etwa acht bis zwölf Stunden. Und wenn man das „Through the Darkest of Times“ ohne Pause durchspielt, ist das Ende tatsächlich eine Befreiung. Die Katharsis, bei der man erschüttert, ergriffen und zu Tränen gerührt ist. Die Anspannung lässt nach, die man während der Spielzeit gar nicht gemerkt hat. Und wenn sich die Gruppe im Epilog 1946 dann noch einmal trifft, stehen zwei Fragen im Raum: War es das alles wert? Und hätten wir nicht mehr tun? Da kommen einem dann die aktuellen Ereignisse in den Sinn: das Erstarken rechter Gruppierungen in ganz Europa und vor allem auch wieder in Deutschland. Und es läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Man kann den blutigen, menschenverachtenden Wahnsinn erahnen, der zwischen 1933 und 1945 brutale Realität war. Und beim Gedanken, dass manche Menschen jene Zeit verklären und die Verbrechen klein reden, schüttelt man nur fassungslos mit dem Kopf – und es kommen einem fast wieder die Tränen.

Das Spiel erzielt seine beabsichtigte Wirkung. Es hallt nach und bleibt noch lange Zeit im Kopf. Und es ist eine innige Mahnung. Doch leider gibt es auch einige Mängel: Nicht alle historischen Fakten sind korrekt. Es handelt sich zwar nur um Kleinigkeiten, aber einer Stelle wird Thyssen-Krupp erwähnt. Der Konzern ist aber erst 1999 entstanden. Und leider es gibt mehrere solcher kleineren Ungenauigkeiten. Dazu kommt etwas, bei dem man als schreibender Journalist vorsichtig sein muss – weil man sich selbst davon nicht freisprechen kann. Aber es gibt auch einige Rechtschreibfehler.

Nichts davon stellt aber „Through the Darkest of Times“ an sich infrage oder nimmt ihm etwas von seiner Wirkung. Paintbucket Games ist nicht das beste Spiel des Jahres gelungen, aber eins der bewegendsten und wichtigsten. Gerade in unseren Zeiten.

Das Spiel ist für knapp 15 Euro auf der Plattform Steam erhältlich.

Anmerkung von Paintbucket Games zu dem Thyssen-Krupp-Fehler: Der hat sich in die deutsche Version gemogelt. Im "Original" (wir haben auf Englisch entwickelt) steht da korrekt "Thyssen, Krupp" - es geht nämlich um die beiden Herren und nicht um den Konzern.