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The Last of Us Part II für die Playstation im Test

Review The Last of Us Part II : Der düstere Pfad der Rache

Vor sieben Jahren begeisterte der Playstation-Exklusivtitel „The Last of Us“ viele Spieler. Am 19. Juni geht die Geschichte um Ellie und Joel weiter. Wir konnten „Part II“ bereits testen. Und der zweite Teil ist wunderschön inszeniert, das Gameplay ist gelungen und die Geschichte wird überragend erzählt. Aber die düstere Story wird nicht jedem gefallen. Die Review enthält kleinere Spoiler.

Diese Review beginnt mit dem Ende des Spiels und dem Gefühl, das der Tester hatte, als der Abspann vorbeizog. Nachdenklich sitzt er nach mehr als 33 Stunden in der Welt von „Last of Us“ auf dem Sofa, melancholisch und immer noch ergriffen. Das Bedürfnis nach einem Eis oder Schokolade wächst, etwas Süßen und Positivem – während die Anspannung langsam nachlässt. Denn das Spiel ist intensiv, und die Geschichte wird kompromisslos erzählt.

Die Story

„The Last of Us Part II“ knüpft zunächst direkt an den Vorgänger an. Joel erzählt seinem Bruder Tommy was passiert ist. Vor allem die Dinge, die der nicht wissen kann. Achtung, es folgen Spoiler zum ersten Teil aus dem Jahr 2013: Joel erzählt, dass er fast alle im Krankenhaus der Widerstandsbewegung „Fireflies“ umgebracht hat – um Ellie zu retten. Die ist immun gegen die apokalyptische Pilz-Infektion. Aber um einen Impfstoff zu entwickeln, hätten die Fireflies den mutierten Pilz aus ihrem Gehirn operieren müssen. Ellie wäre dabei gestorben. Das Opfer hätte sie selbst gerne gebracht. Aber eben Joel nicht, der in ihr längst eine Tochter sieht – nachdem seine eigene vor Jahren gestorben ist.

Danach setzt „Part II“ vier Jahre später fort. Wir spielen vor allem als Ellie. Und nach einem tragischen Ereignis wird sie getrieben von Rachsucht, Wut und Hass. Unfähig, ihre Gefühle auszudrücken oder einfach rauszulassen, frisst sie ihre Trauer immer tiefer in sich hinein. Ein Teil von ihr ist mit dem Tod eines geliebten Menschen gestorben. Und sie leidet. Der Schmerz sitzt so verdammt tief. Fast noch schlimmer sind die Schuldgefühle: All die Dinge, die sie hätte tun und sagen sollen – und nicht getan und gesagt hat. Nun ist es zu spät. Aber anstatt sich das einzugestehen, sich selbst zu vergeben und zu lernen, mit dem Verlust umzugehen, will sie Vergeltung. In einem blutigen Kreuzzug jagt sie in Seattle alle, die sie verantwortlich macht. Ja, das Spiel ist brutal und sehr explizit in seiner Darstellung. Es gibt sogar einige Momente, bei denen man eine Pause machen muss – weil Ellie viel zu weit geht. Und wir gehen langsam auf Distanz zu ihr.

Sie ist keine strahlende Heldin. Sie ist ein verzweifelter Mensch. Und Rückblenden liefern langsam die fehlenden Puzzle-Stücke. Es wird zwar nicht jedem gefallen, wie sich die Story und Ellie entwickeln. Aber es ist nachvollziehbar und charaktergetrieben. Und eine besondere Tragik bekommt die Geschichte dadurch, dass „The Last of Us Part II“ Sympathien für den Antagonisten weckt. Da stehen sich zwei Menschen gegenüber, die gefangen sind in ihrem Schmerz – und in der Illusion, dass Vergeltung das Loch in ihrem Herzen füllen würde. Durch das Spiel zieht sich eine Cover-Version des Stücks „Future Days“ von Pearl Jam: „Wenn ich dich jemals verlieren würde, dann würde ich mich wahrhaftig selbst verlieren.“ Und das fast die Stimmung des Spiels zusammen.

Zumal sich in Ellies Geschichte auch die Ereignisse in der Welt um sie herum spiegeln: In Seattle regiert die „Washington Liberation Front“, die sich im Krieg mit einer religiösen Sekte befindet. Getrieben von Hass und Furcht. Und dazwischen bewegen sich noch die Infizierten, die dagegen unschuldig scheinen: Sie folgen nur ihrem vom Pilz getrieben Instinkt, was sie indes nicht weniger tödlich macht.

Es ist kein optimistisches Bild, das Entwickler Naughty Dog von unserer Welt nach der Apokalypse zeichnet: überzeugte Sektierer auf der einen und faschistoide Milizen auf der anderen Seite. Und doch geht es nicht um Schwarz und Weiß. Es gibt immer wieder Begegnungen, Szenen oder auch Briefe, in denen beide Seiten nicht nur als gewalttätig oder fanatisch gezeigt werden. Sie haben Familien, sie bauen beide eine neue Welt auf, sie spenden beide Trost und bieten Sicherheit. Es könnte alles so friedlich sein. Zumal beide Gruppen aus dem Versagen der Regierung in der Quarantäne entstanden sind. Dass „The Last of Us Part II“ gerade in Zeiten einer Corona-Pandemie rauskommt, war so nicht geplant und ist nur Zufall. Aber man findet in beiden Gruppen etwas wieder, das man mittlerweile auch aus der realen Welt kennt.

Gameplay und Technik

Und wie spielt sich „Last of Us Part II“? Die Grafik sieht umwerfend gut aus. Der Vorgänger war der Abgesang auf die Playstation 3. Und auch dieses Spiel zeigt, wozu die aktuelle Konsolengeneration in der Lage ist – bevor sie nun bald ersetzt wird. Naughty Dog hat alles aus der Konsole rausgeholt, was man holen kann. Selbst unsere PS4 Pro mit 2 Terabyte SSHD wurde da manchmal etwas lauter. Ebenso großartig ist das Sounddesign. Am besten spielt man mit Kopfhörern. Dann hört man die leisen Dialoge von Wachleuten aus der Entfernung. Oder man erkennt die verschiedenen Arten von Infizierten, die in der Dunkelheit lauern – nur anhand ihrer typischen Laute.

Ansonsten hat sich das Gameplay gegenüber dem Vorgänger zwar weiterentwickelt, es ist aber kein völlig anderes Spiel. Die Echo-Ortung ist immer noch da, um Gegner durch Wände zu erkennen. Es gibt nun mehr Waffen. Und es werden mehr Möglichkeiten angeboten, Munition, Bomben, Messer, Pfeile selbst herzustellen. Mit der Hilfe von Büchern gewinnt man zusätzliche Fähigkeitenbäume. Aber immer noch benötigt man „Pillen“, um diese Skills dann auch freizuschalten.

In der Theorie bedeutet das sehr viel mehr Freiheit. In der Praxis aber entscheidet man sich für einen Spielstil, der einem zusagt. Dann reduziert sich alles auf ein paar wenige Waffen und Skills. Wir haben beispielsweise Schockbomben im Inventar gehabt, die wir nicht einmal eingesetzt haben. Und dem Gewehr haben wir viel zu früh und zu voreilig an einer Werkbank ein Zielfernrohr spendiert. Tatsächlich haben wir das dann kaum eingesetzt. Da hätten wir warten sollen, bis klar ist, welche Waffen wir auch nutzen. Denn: Wir sind vor allem als „tödlicher Schatten“ durch die Areale geschlichen und haben viele Gegner hinterrücks im Verborgenen ausgeschaltet. Das spart Munition und Ressourcen, die im Spiel selbst bei mittlerem Schwierigkeitsgrad gerade so ausreichen. Jede Sprengfalle, jeder Molotowcocktail und jeder Schuss will darum gut überlegt sein.

Manchmal haben wir Fehler gemacht, waren zu ungeduldig oder zu wagemutig. Wir wurden entdeckt und konnten Feuergefechte nicht mehr vermeiden. Die KI macht es einem dann nicht ganz so leicht. Gegner gehen sofort in Deckung und wollen uns mit Schüssen festnageln, während ihre Kameraden uns flankieren. Wenn man nicht aufpasst, steht plötzlich jemand mit einem Hammer oder einer Axt hinter einem und schlägt zu. Wenn man getroffen wird, fällt man dann noch oft auf den Rücken und muss erneut, den Gegner anvisieren – der aber recht schnell selbst angreift. Das kann dann schon ziemlich brenzlig werden.

Manchmal hilft nur eins: die rasante Flucht und ein erneutes Versteck, um ein Medikit anzuwenden – oder schnell herzustellen. Schnell ist dabei relativ. Es benötigt ein paar Sekunden. Und das Spiel läuft in der Zeit weiter. Gegner können einen entdecken und wieder angreifen. Man findet zwar Hilfsmittel oder schaltet Skills frei, die vieles beschleunigen. Dennoch: Zusammen mit dem erstklassigen, stimmungsvollen Sounddesign steigt die Anspannung schnell. Man hört geradezu, wie das Adrenalin durch die Adern pumpt. Vor allem in den dunklen Bereichen mit limitierter Sicht voller Infizierter mit ihrem durchdringenden Lauten. Wenn die Munition dann knapp wird, hilft oft nur durchschlagende Gewalt: Der Nahkampfangriff mit einem Rohr oder dem Springmesser ist sehr brutal in Szene gesetzt. Und es fühlt und hört sich auch so an. Dafür ist er nicht gerade unauffällig. Nur in wenigen anderen Spielen bislang waren wir so oft so angespannt und haben danach die wohltuende Entspannung erlebt, wenn man es doch irgendwie geschafft hat. Schon bei mittlerem Schwierigkeitsgrad. Wenn man den nach oben schraubt, wird das noch heftiger.

„The Last of Us Part II“ ist ein Exklusivtitel für die Playstation. Und das Spiel sieht auf der Konsole überragend aus. Foto: Playstation

Jetzt kommt das große Aber: Nach einiger Zeit stellt sich Routine ein. Das hat auch Naughty Dog erkannt und unterbricht das Spiel mit ruhigen Passagen, um Ressourcen zu sammeln. Das kennen wir aus dem Vorgänger. Nun gibt es aber eine Reihe von Safes, bei denen man die Kombination finden muss. Manche entdeckt man recht simpel auf einem Stück Papier. Bei anderen muss man etwas um die Ecke denken und auf Hinweise achten. Wirklich schwer ist das nicht, aber es macht Spaß. Ebenso wie die kleinen Physikrätsel: Wie komme in einem Bürogebäude in den Konferenzsaal voller Ressourcen, wenn die Tür sich nicht öffnen lässt? Solche Rätsel hätte es indes noch häufiger geben können. Und der Schwierigkeitsgrad ist nicht so hoch, dass man nicht innerhalb von zwei Minuten auf die Lösung kommt. Das hätte herausfordernder sein können.

Auch an anderen Stellen wird das Spielprinzip aufgehoben: Einmal muss man ohne Ausrüstung durch einen finsteren Wald voller Infizierter rennen. Das stellt indes die Geduld auf die Probe. Nicht, weil es so lange dauert, sondern weil diese Passage etwas nervig ist. In einem anderen Moment muss man sich einer Art Bosskampf stellen. Auch da gilt: Es hätte ein paar mehr solcher Momente geben können, bei denen das gewohnte Gameplay ausgehebelt wird. Was tatsächlich eine Enttäuschung ist: die Spürhunde, die Ellies Witterung aufnehmen können. Das ist uns nur einmal passiert. Vielleicht hätten wir die Hunde auch nicht so schnell ausschalten sollen.

Insgesamt benötigt man für einen Durchgang ca. 30 Stunden. Man kann es auch in 25 Stunden schaffen. Oder wie wir in mehr als 33 Stunden. Das hängt davon ab, wie viel Zeit man investiert, um sich umzuschauen und Ressourcen zu finden. Wir haben fast jede Ecke abgesucht. So entdeckt man dann aber auch einige Easter Eggs. Wenig überraschend gibt es eine Hommage an die Uncharted-Reihe von Naughty Dog. Oder eine Gitarren-Version von Ahas „Take on me“ – gespielt von Ellie. Das ist ein sehr inniger Moment. Und nur einer von vielen kleinen Begebenheiten und Dialogen, über die Charaktere entwickelt werden.

Zudem stoßen wir auf eine Reihe von Notizen und Briefen, die Verstorbene hinterlassen haben. Man erfährt so eine Menge über die Welt, in der man sich bewegt und ihre Historie. Aber es verbergen sich auch anrührende Geschichten dahinter. Da schreibt eine Frau, wie sehr sie ihren Mann vermisst, der Medikamente besorgen wollte. Gut eine halbe Stunde später treffen wir auf eine Leiche. Das war ihr Gatte, der noch eine Nachricht für seine Frau verfasst hat. Und einmal haben wir die Notiz eines Soldaten gelesen, der sich um seine kranke Mutter sorgt. Vermutlich haben wir ihn auf dem Gewissen, als wir uns zuvor durch ein Areal gekämpft haben. Das fühlt sich dann nicht nach Triumph an.

Überhaupt hat sich Naughty Dog Mühe gegeben, aus unseren menschlichen Gegnern mehr zu machen als nur digitales Fallobst: Finden die einen toten Kameraden, ruft jemand: „Sie haben Karen umgebracht.“ Oder: „Wer tut so etwas!?“ Da fühlt man sich für einen Moment schlecht – und macht trotzdem weiter. Ellie wird von Rachsucht getrieben, wir von dem Ziel, das Spiel zu beenden. Wenn wir indes ehrlich sind: Man kann oft auch durch die Areale kommen, ohne jemanden zu töten. Ellie ist kleiner, agiler und schneller als Joel im ersten Teil. Es erfordert nur Geduld und das richtige Timing.

Fazit

Game Director Neil Druckmann hat sich mit der Fortsetzung von „Last of Us“ Zeit gelassen und dann tatsächlich Mut bewiesen. Es wäre leicht gewesen, einfach nur den ersten Teil zu kopieren. Es wäre einfach gewesen, Ellie als Heldin zu inszenieren. Stattdessen haben Druckmann und sein Team sich für ihre eigene Vision entschieden. Ohne Gut und Böse, aber in ihrer Kompromisslosigkeit eher an das südkoreanische Kino angelehnt als an Hollywood. Bis in die Nebenfiguren ist die Geschichte gut geschrieben. Sie reißt mit, lässt einen nicht los und dann doch manchmal mit Ellie verzweifeln. Das wird nicht jeder mögen, manche werden es sogar ablehnen. Schon nach den Leaks, die nur zum Teil der Wahrheit entsprechen, ging der Aufschrei von leicht erregbaren Youtubern los. Tatsächlich ist die Story um Ellie aber eine zutiefst menschliche, bewegende Geschichte.

Technisch erlaubt man sich dabei kaum eine Schwäche. Selbst in unserer Test-Version ist uns kaum ein Bug aufgefallen. Das Gameplay hat sich weiterentwickelt. Ellie hat mehr Möglichkeiten als Joel im Vorgänger. Und die Areale sind so abwechslungsreich gestaltet, dass man sich jedes Mal erst einmal zurechtfinden und eine Taktik überlegen muss. Vor allem in Passagen, in denen man ohne einen virtuellen Begleiter spielt und auf sich allein gestellt ist. Doch trotz aller Bemühungen von Naughty Dog wird es zum Ende hin dann doch ein wenig repetitiv. Dieser Vorwurf gilt rückblickend indes auch für den ersten Teil.

Unser Urteil: „Last of Us Part II“ spielt sich sehr gut, es sieht fantastisch aus, es klingt gut, die deutsche Synchro ist gelungen – und Storytelling samt Inszenierung sind tatsächlich überragend.