1. Digital
  2. Games
  3. Kritiken

Spiele-Test: "Sleeping Dogs" — Action in Hong Kong

Spiele-Test : "Sleeping Dogs" — Action in Hong Kong

Wie oft haben wir bereits eine solche Karriere im Spiel hinter uns? In unzähligen Open-World-Titeln wie "Grand Theft Auto" oder "Saints Row" mussten wir uns vom Kleinganoven an die Spitze eines Kartells arbeiten – so auch in "Sleeping Dogs". Ob wir dabei in Hongkong genau so viel Spaß haben, verraten wir im Test.

Wie oft haben wir bereits eine solche Karriere im Spiel hinter uns? In unzähligen Open-World-Titeln wie "Grand Theft Auto" oder "Saints Row" mussten wir uns vom Kleinganoven an die Spitze eines Kartells arbeiten — so auch in "Sleeping Dogs". Ob wir dabei in Hongkong genau so viel Spaß haben, verraten wir im Test.

Wei Shen ist umzingelt von Triaden, die ihm den Gar ausmachen wollen. Gut, dass unser Alter Ego ein Meister der Kampfkunst ist. Wir packen uns einen der Gegner und werfen ihn über die Veranda.

Die Angriffe des nächsten Blocken wir, um ihn danach mit einem mächtigen Konter auf den Boden zu werfen. Die von ihm fallen gelassene Rohrzange nehmen heben wir auf, um auch die beiden letzten Widersacher kampfunfähig zu machen. Jetzt nur noch die Beute einkassieren und dann schnell weg hier.

Eigentlich sollte "Sleeping Dogs" ein Teil der eher durchschnittlichen "True Crime"-Serie werden, die uns schon nach New York City und Los Angeles verschlagen hat. Nachdem Publisher "Activision" das Entwicklerstudio der Spiele schließen ließ, lag das Projekt auf Eis, bis sich "Square Enix" dazu entschied, die Rechte an dem Titel zu kaufen. Seit dem arbeitet das Studio daran, einen Open-World-Titel auf die Beine zu stellen, der sich nicht vor einem "GTA IV" verstecken muss — mit Erfolg.

Gelungene Animationen

"Sleeping Dogs" hat einen besonderen Vorteil: es hat ein erfrischend unverbrauchtes Szenario. Undercover-Missionen in Hongkongs Unterwelt gegen die Triaden wurde bislang in noch keinem Spiel thematisiert. Wie aus den "True Crime"-Spielen gewohnt ist unser Hauptcharakter Wei Shen nicht nur ein knallharter asiatischer Gangster, sondern ein Doppel-Agent, der für die Polizei das Kartell unterwandern soll. Wei Shen ist gebürtiger Chinese, der sich einige Jahre lang an der Westküste der USA aufgehalten hat und nun die Unterwelt Hongkongs aufmischen möchte.

Die Geschichte hinter den Charakteren wird in "Sleeping Dogs" sehr gut erzählt. In schön inszenierten Zwischensequenzen erfahren wir mehr über die Hintergründe der Missionen und die Motive, die unseren Charakter antreiben. Die Animationen der Gesichter sind dabei sehr gelungen, die spannende Handlung und interessante Dialoge runden das Paket ab. Zu Beginn des Spiel machen wir uns erst einmal mit der Steuerung vertraut.

Anspruchsvolles Kampfsystem

Die Kämpfe sind technisch recht simpel zu beherrschen, aber schwer zu meistern. Das Kampfsystem erinnert ein bisschen an das "Free-Flow"-Kampfsystem aus den Batman-Spielen, in denen unser Held durch nur einen Tastendruck zur richten Zeit die Fäuste fliegen lassen kann. Angreifende Feinde können wir durch einen geschickten Konter zu Boden werfen. Das geht auf den Konsolen und mit einem Gamepad aber deutlich leichter von der Hand, als mit der Computertastatur.

Über weite Teile des Spiels dürfen wir nur die Fäuste einsetzen um uns gegen unsere Widersacher zu behaupten. Schusswaffen finden wir erst später im Spiel. Dabei hilft uns ein ähnliches Deckungssystem wie aus der "Mass Effect"-Serie bekannt: In Deckung gehen und im richtigen Moment aufstehen und schießen. Das klingt einfacher als es ist, denn die Triaden Hongkongs sind im Umgang mit Waffen geübt. Wenn uns die Kämpfe überfordern, bleibt immer noch die Flucht. Durch die beeindruckenden Parcours-Fähigkeiten von Wei Shen hängen wir unsere Verfolger, egal ob Triaden oder Polizisten, schnell ab.

Haben wir erst einmal die einleitenden Missionen des Spiels absolviert, können wir uns frei im New York des Ostens bewegen und dabei Autos stehlen, Nebenmissionen absolvieren, oder einfach nur die schönen Lichtstimmungen in der Stadt genießen. Besonders in der Nacht sieht Hongkong sehr ansehnlich. Viele kleine Details und die belebten Straßen stehen dem großen Vorbild von "Rockstar Games" in nichts nach. Allerdings fallen uns nicht selten einige schwammige Texturen ins Auge, die tolle Atmosphäre wird dadurch aber nicht gestört.

Lucy Liu und Emma Stone als Sprecher

Dabei spielt auch das Sounddesign eine wichtige Rolle. Spätestens seit "GTA 3" möchte man beim Autofahren in einem Open-World-Spiel die verschiedenen Radiosender, die das Spiel anbietet, einschalten können. So natürlich auch in "Sleeping Dogs". In der Tat ist für jeden Geschmack die richtige Station zu finden.

Auch bei den vielen verbalen Schlagabtauschen fällt auf, dass die Entwickler nicht an den Synchronsprechern gespart haben. Neben Lucy Liu und Kelly Hu übernehmen auch Emma Stone und Tom Wilkinson, bekannt aus Batman Begins und Michael Clayton, eine Sprechrolle in dem Spiel.

"Sleeping Dogs" erinnert natürlich an asiatische Actionfilme a la John Woo und unterhält den Spieler bis zum Ende. Die rasante Action zu Fuß und mit dem Auto bietet eine gute Spielbarkeit. Leider bleibt bei der Action die Identifikation mit den verschiedenen Charakteren auf der Strecke. Vielen der stereotypischen Nebenfiguren und der etwas blasse Hauptcharakter hätten ein bisschen Feinschliff gut getan, um dem Spiel noch mehr Dramatik zu verleihen. Da hat ein "GTA IV" sicherlich die Nase vorne und bietet etwas mehr Tiefgang.

Nicht nur deshalb schafft es "Sleeping Dogs" nicht ganz, das große Vorbild vom Thron zu stoßen. Etwas mehr Feinschliff bei der Grafik, den Persönlichkeiten der Charaktere und eine komfortablere Bedienung auf dem PC hätten dem Spiel gut getan. Entwickler "Square Enix" hat es aber geschafft, der Unterwelt Hongkongs Leben einzuhauchen und für die Überbrückung bis zum nächsten "Grand Theft Auto" ist "Sleeping Dogs" auf jeden Fall geeignet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Impressionen aus dem Computerspiel "Sleeping Dogs"

(RP/jre/das)