Erlebnisbericht aus dem Reich der Drachen: Skyrim: Mein Leben als Drachentöter

Erlebnisbericht aus dem Reich der Drachen : Skyrim: Mein Leben als Drachentöter

Das Fantasy-Rollenspiel Sykrim bricht alle Rekorde. Plattformübergreifend sei es das zweiterfolgreichste Spiel 2011 gewesen, vermeldete Entwickler Bethesda jüngst stolz. Nur Call of Duty: Modern Warfare 3 musste man sich geschlagen geben. Ein Erlebnisbericht aus dem Reich der Drachen.

Da stehe ich nun, auf diesem schneebedeckten Hügel, um ein wenig zu verschnaufen und schaue in das malerische Tal zu meinen Füßen. Ein kurzer Blick hinter mich verrät, dass meine Gefährtin Lydia zu mir aufgeschlossen hat, meine treu ergebene Vasallin. Sie folgt mir, seit ich ihrem Herrn vor wenigen Tagen einen Gefallen getan habe und er mich dafür in den Adelsstand erhoben hat— aber dazu später mehr.

Vor mir durchstreift ein Hirsch das Dickicht. Zwischen den Baumwipfel ragen die verwitterten Überreste einer alten Nord-Festung auf. Nach den blutigen Kämpfen, die ich kurz zuvor in der Höhle am Fuße des Berges mit meinem verzauberten Zwergenstreitkolben ausgefochten habe, ist diese Erholungsphase willkommene Abwechslung.

"The Elder Scrolls V: Skyrim" heißt das neue Rollenspiel-Werk aus dem Hause Bethesda, das sich nicht nur aufgrund seines schieren Umfangs zu Recht als Epos bezeichnen lässt. Denn während ich noch den Blick über das Tal schweifen lasse, mich die beruhigende Musik im Hintergrund noch in Sicherheit wiegt, da nehme ich am Rande des Sichtfeldes urplötzlich einen Schatten war, der in atemberaubender Geschwindigkeit über die Baumwipfel streift: ein Drache!

Augenblicklich ändert sich die Stimmung. Die Musik schwillt dramatisch an, ein Männerchor mit tiefen Stimmen setzt zu einer Kampfhymne an. Denn der Drache hat uns entdeckt. Weglaufen lohnt nicht, also ziehe ich den Streitkolben. Soll er nur kommen!

Schwierige moralische Entscheidungen

Skyrim erzählt die Geschichte des Spieler-Charakters, genannt Drachenblut, der sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit macht. Auf dem Weg durch Tamriel, ein Land, das dicht am Rande eines Bürgerkriegs steht, gibt es so viele verzweigte Wege, dass es wohl mit einmal Durchspielen nicht getan sein wird.

Soll ich mich den Kaisertreuen anschließen und den Tod des Hochkönigs rächen oder doch lieber den Rebellen folgen, die des Mordes bezichtigt werden? — um nur eine der zig möglichen Abzweigungen zu nennen. Zu allem Überfluss sind auch noch die Drachen nach Tamriel zurückgekehrt, die wie aus dem Nichts erscheinen und ganze Ortschaften in Schutt und Asche legen.

Das bombastische Spiel bietet so viele Haupt- und Nebenquests, dass ich nach rund 30 Stunden Spielzeit gerade einmal drei Kapitel der zentralen Handlung abgeschlossen habe. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Hauptgeschichte ist — soweit ich das beurteilen kann — packend und gut erzählt. Allerdings bietet mir Tamriel so viel Zerstreuung am Wegesrand, dass es schlicht unmöglich ist, nicht abgelenkt zu sein.

Anders als bei den ebenfalls von Bethesda stammenden Rollenspielen der Fallout-Reihe kann der Spieler in Skyrim schon recht früh durch Wälder, vulkanische Landschaften, Sümpfe und über schneebedeckte Berge streifen, ohne Angst haben zu müssen, sekündlich von übermächtigen Wildtieren zerfleischt zu werden.

Und so erarbeite ich mir pfadfindergleich Schritt für Schritt neue Wegpunkte auf der riesigen Karte im Inventar. Ist ein Ort einmal entdeckt, kann ich ihn per Schnellreise direkt ansteuern. Vor allem für ungeduldige Spieler bietet das enorme Vorteile, kann die Wegstrecke zu einem Auftragsziel ohne entdeckte Wegmarke in der Nähe zu Fuß durchaus schon mal eine halbe Stunde in Anspruch nehmen.

Da sind es nur kleine Hilfen, wenn ich einer ausgeschalteten Räuberbande das Pferd stehlen oder mir am Rande von größeren Orten einen Kutscher gegen schnöden Mammon anheuern kann. Ist ein Ort noch nicht entdeckt und ein Gefährt oder Nutztier außer Reichweite, heißt es Ausrüstung zusammensuchen, nach Möglichkeit den entsprechenden Gefährten einsammeln und dann auf den Wanderweg machen — am besten, ohne sich auf der Strecke von den links und rechts liegenden Höhlen zu sehr ablenken zu lassen.

Hoher Suchtfaktor

Es sind aber nicht in erster Linie Wanderungen und Ausritte durch malerisch gestaltete Landschaften, die mich seit nunmehr 30 Stunden an die PS3 fesseln, so dass mir meine Frau hin und wieder mit einer Mischung aus Verständnislosigkeit und Mitleid Blicke zuwirft, während ich — die Zunge konzentriert zwischen den Zähnen — zum vierten Mal am Anführer der Bande "Silberne Hand" scheitere.

Der Suchtfaktor geht von meinem Charakter aus, den ich zu Beginn meiner Reise nach den üblichen Kriterien aktueller Rollenspiele äußerlich zusammengewürfelt habe (In einem Anfall von geistiger Umnachtung entschied ich mich für einen halbglatzköpfigen, etwas angeschlagen wirkenden Nord, also eine Art Wikinger, mit blauer Kriegsbemalung im Gesicht und verwegenem Zottelbart) und den ich seitdem Stufe für Stufe hoch gelevelt habe.

Ein blauer Balken im Inventar zeigt mir an, wie viele Erfahrungspunkte ich noch bis zur nächsten Stufe benötige. Mein gesamtes Tun im Spiel richtet sich danach, möglichst schnell die nächste Stufe zu erreichen. Denn das bedeutet, dass ich zunächst entweder meine Gesundheit, Ausdauer oder Magica, die Magiekraft, erhöhen kann, um dann noch eine neue Fähigkeit zu erlernen. All dies wird mir im Inventar in Form einer hübschen Sternenkarte a la Tierkreiszeichen angezeigt.

Charmant ist die Idee der Entwickler, dass je häufiger mein Charakter eine bestimmte Fertigkeit ausübt, er darin umso besser wird. Mein halbglatzköpfiger Nord ist beispielsweise ein großer Freund zweihändiger Waffen. Je öfter ich mit meinem Streitkolben Wölfen, Skeletten, Banditen und Säbelzahntigern den Garaus mache, desto geübter bin ich im Umgang mit Zweihand-Waffen.

Dieses Prinzip lässt sich problemlos auf alle Fähigkeiten anwenden, seien es Zauber, das Schmiedehandwerk, die Alchemie oder das Beschwören magischer Waffen. Und so kann es sein, dass ich für eine halbe Stunde wie ein Besessener meine Fertigkeiten im Blocken von Angriffen an minder starken Gegnern erprobe, nur um den blauen Balken anwachsen zu sehen und regelmäßig die Nachricht lese: Blocken auf Stufe xy verbessert.

Kein Spiel für Kinder

Wie üblich in Rollenspielen muss sich mein Charakter regelmäßig Bösewichten, Wildtieren und Untoten erwehren. Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab, wer auf rundenbasierte Kämpfe steht, ist bei Skyrim fehl am Platz. Je nach Charakter kann sich der Spieler Böslinge mit Hilfe von Fernwaffen wie Bögen (extrem schwierig im Handling), Einhandwaffen plus Schild, Zweihandwaffen oder Zauberstäben vom Leib halten.

Zudem können Waffen mit Giften präpariert werden, so dass sie zusätzliche schädliche Effekte auf den Getroffenen haben. Um im Kampf schneller reagieren zu können, lassen sich Gegenstände wie Heiltränke, aber auch Waffen und Zauber in das Schnellinventar zuordnen. So kann der Spieler schneller während des Scharmützels wechseln. Sobald das Inventar aufgerufen wird, pausiert die Handlung. An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass die FSK-Einstufung "ab 18" durchaus Berechtigung hat.

Magie spielt eine wichtige Rolle in Skyrim. Anders als etwa beim Genrekonkurrenten Dragon Age ist jeder Spieler magiebegabt. Je nach Gusto kann der Spieler diese Begabung beim Hochleveln berücksichtigen oder sich auf andere Eigenschaften konzentrieren. Zauber werden durch Bücher erlernt, die ich entweder in einem der zahlreichen Dungeons finde oder aber bei Magiern in den Städten erwerben kann.

Einmal gelesen, zerstört sich das Zauberbuch a la Mission Impossible von selbst und stellt nun keinen unnötigen Ballast im Inventar mehr dar. Auch hier gilt: Je häufiger der Zauber angewendet wird, desto besser die Wirkung.

Darüber hinaus gibt es eine Zahl von verschiedenen Handwerken, die man erlernen kann: In Hütten lassen sich Rohstoffe zu handlichen Barren eingießen, in Schmieden daraus ansehnliche Rüstungen oder Waffen herstellen. Auch Taschendiebstahl, Schlösserknacken und Alchemie sind solche Fähigkeiten, die sich im Laufe des Spiels als äußerst nützlich erweisen. Ebenso nützlich sind die Gefährten, die so genannten NPC, die ich auf meinem Weg durch Tamriel für meine Zwecke anheuern kann.

Lydia trifft der Spieler schon recht früh im Handlungsverlauf. Einmal aufgefordert, mich auf meinem Weg zu begleiten, weicht sie nicht mehr von meiner Seite, bekämpft wacker jeden Gegner, der auf der Bildfläche erscheint und in dem Orientierungsbalken am oberen Bildschirmrand als roter Punkt angezeigt wird. Einen wirklichen Einfluss auf die Steuerung während eines Kampfes habe ich nicht. Das erledigt der Charakter brav von allein. Immer nur ein NPC kann den Helden begleiten.

NPC sind nicht nur hervorragende Kampfgefährten. Ich habe Lydia inzwischen auch als Packesel schätzen gelernt: Schließlich habe ich in Rollenspielen eine fatale Sammelleidenschaft entwickelt. Alles, was ich unterwegs in Truhen, auf Altären oder in den Taschen meiner gemeuchelten Gegner finde, wandert ins Inventar.

Da die Tragekapazität meines Drachenblutes allerdings begrenzt ist, wandert der unnötige Ballast einfach in die Taschen des NPC. Kurz bevor ich dann meinen gesamten Ramsch an einen der zahlreichen Händler von Tamriel verkaufen möchte, spreche ich Lydia wieder an und nehme die Gegenstände zurück in mein Inventar.

Spiel des Jahres mit kleinen Schwächen

Es gäbe noch so viel mehr über die liebevollen Charaktere, die tolle Musik und die riesige Spielwelt zu berichten, die Skyrim zu Recht zum Verkaufsschlager des Jahres gemacht hat und dem Spiel den einen oder anderen Branchenpreis eingebracht hat. Allerdings ist dies auch der Zeitpunkt, um bei all der Lobhudelei die wenigen Mankos anzusprechen: Was Spieler bei Fallout New Vegas zur Weißglut brachte, das ständige Einfrieren des Spiels, ist mir leider auch viermal bei Skyrim passiert.

Auch wenn dies eine erfreulich niedrige Quote ist — in New Vegas passierte ein Absturz quasi einmal in der halben Stunde — ist es doch ein besonders frustrierendes Erlebnis, wenn der Absturz kurz nach dem Sieg über einen wirklich schweren Gegner passiert. Ganz bugfrei ist das Spiel also nicht. Hin und wieder verschwindet ein Gegner in einem Baum oder im Boden, mein Charakter kann problemlos an steilen Berghängen entlanglaufen, ohne Gefahr zu laufen, in die Tiefe zu stürzen.

Zudem wurden bei eigenen Quests die Karten früherer Höhlen eins zu eins wieder verwendet. Gut, bei dem schieren Umfang, den Tamriel hat, kann man dies den Entwicklern von Bethesda nachsehen, aber einen leicht faden Beigeschmack hinterlässt das in dem Augenblick schon, in dem man meint, ein Déjà-vu-Erlebnis der besonderen Art zu haben.

Unterm Strich bleibt aber: Skyrim hat all die Lorbeeren verdient, die es derzeit einheimst. Das Spiel hat im Bereich der Rollenspiele neue Maßstäbe gesetzt. Wer auf Fantasy-Welten im Stile von J.R.R. Tolkien steht, der ist bei Skyrim für sehr, sehr lange Zeit sehr, sehr gut aufgehoben.

Für die PS3 und die Xbox kostet das Spiel 55 Euro. Der Preis für den Computer liegt bei 40 Euro.

Die Systemvoraussetzungen für den PC sind mindestens Windows 7, Windows Vista oder Windows XP und ein Internetzugang. Den braucht man für die Steam aktivierung.

Der Prozessor sollte mindestens ein Dual-Core mit 2.0 Gigahertz sein. Empfohlen ist allerdings ein Quad-Core. Mindestens zwei Gigabyte, empfohlen allerdings vier Gigabyte, sollte der Arbeitsspeicher sein. Auf der Festplatte benötigt Skyrim sechs Gigabyte des Speicherplatzes. In Sachen Grafikkarte wird eine GTX 260, alternativ eine ATI Radeon 4890 oder besser empfohlen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Screenshots aus Skyrim

(csr)
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