„Senua's Saga: Hellblade II“ im Test Ein Augenschmaus mit bitterem Beigeschmack

Düsseldorf · Wer auf nordische Mythologie und epochale Geschichten à la „Game of Thrones steht“, sollte jetzt gut aufpassen. Denn mit „Senua's Saga: Hellblade II“ spendiert uns Ninja Theory die Fortsetzung des düsteren Action-Adventures.

Knapp sieben Jahre nach „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ dürfen wir wieder in die Rolle der keltischen Kriegerin Senua schlüpfen.

Knapp sieben Jahre nach „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ dürfen wir wieder in die Rolle der keltischen Kriegerin Senua schlüpfen.

Foto: Ninja Theory

Als „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ 2017 auf den Markt kam, hob sich das Action-Adventure deutlich von der Genre-Konkurrenz ab. Düster, bedrückend und vollgestopft mit komplexen Rätseln und Kämpfen sicherte sich der Titel von Ninja Theory seine eigene Nische. Die keltische Mythologie des 9. Jahrhunderts lieferte den Rahmen für das Abenteuer der eigensinnigen Heldin Senua, deren Psychose im Mittelpunkt der Handlung stand. Ein Spiel, das nicht für jeden geeignet war.

Alte Helden und neue Probleme

Auch „Senua’s Saga: Hellblade II“, die lang erwartete Fortsetzung, dürfte für die breite Spielerschaft zu sperrig und zu bedrückend sein. So begleiten wir Senua auf ihrem Rachefeldzug an die isländische Küste, wo sie auf Sklavenhändler und die menschenfressenden Draugar trifft. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, sollte im frühen Verlauf der Handlung wenig Verständnisprobleme haben. Allerdings könnte es später zu Situationen kommen, in der Charaktere und Geschehnisse doch die eine oder andere Frage aufwerfen. Um tiefer in die Story eintauchen zu können, lohnt es sich also, den ersten Teil anzuspielen.

 Die Story beginnt mit Senuas Rachefeldzug, der sie an die isländische Küste führt. Im Laufe des Spiels verliert die Handlung leider an Dynamik.

Die Story beginnt mit Senuas Rachefeldzug, der sie an die isländische Küste führt. Im Laufe des Spiels verliert die Handlung leider an Dynamik.

Foto: Ninja Theory

Insgesamt bleibt die Handlung leider durchschnittlich. Nach einem starken Start flacht sie immer weiter ab und bleibt dabei sehr berechenbar und linear. Auch die neuen Charaktere wirken farblos und austauschbar. Hier hätten wir uns mehr Liebe zum Detail gewünscht, mehr Tiefe und mehr Interaktion mit Senua. Neben der vielschichtigen und zerrissenen Heldin geraten die anderen Charaktere schnell in den Hintergrund. Das ist nicht allzu dramatisch, Ninja Theory lässt hier allerdings viel Potenzial liegen.

Ein optischer Leckerbissen

Während die Handlung so dahinplätschert, kann die optische Inszenierung von „Senua’s Saga: Hellblade II“ auf ganzer Linie überzeugen. Das Spiel mit Licht und Schatten wurde bombastisch umgesetzt, so dass uns schon in den ersten Minuten ein Schauer über den Rücken gelaufen ist. Egal, ob Senua in ein verlassenes Dorf kommt oder über einen Gebirgsrücken wandert – die Landschaften wirken detailliert und realitätsgetreu. Stellenweise hatten wir das Gefühl, einen Film zu schauen, denn Ladezeiten, Ruckler oder Verzögerungen sind uns fast gar nicht begegnet.

 Zu den größten Stärken von „Senua’s Saga: Hellblade II“ gehört die optische Inszenierung, die eine stimmige Atmosphäre schafft.

Zu den größten Stärken von „Senua’s Saga: Hellblade II“ gehört die optische Inszenierung, die eine stimmige Atmosphäre schafft.

Foto: Ninja Theory

Auch akustisch wird dem Spieler einiges geboten. Zwar darf man keine orchestrale Glanzleistung à la „Final Fantasy“ erwarten, dennoch wertet der Sound die Atmosphäre des Spiels noch mal auf. So gelingt es den Synchronsprechern der englischen Sprachausgabe, ihren Charakteren unglaublich viel Leben einzuhauchen. Schreie, Murmeln und vor allem die Stimmen in Senuas Kopf sorgen für ein bedrückendes und mitreißendes Spielerlebnis. Die Verzweiflung der Heldin ist fast greifbar. Wir empfehlen, den Sound unbedingt aufzudrehen oder sogar mit Kopfhörern zu spielen. Denn ohne die akustische Untermalung ist die Inszenierung ein ganzes Stück schlechter.

Schön, aber schwerfällig

Apropos schlecht: Kommen wir zu den Schwächen von „Senua’s Saga: Hellblade II“. Da wäre zum Beispiel das Gameplay, das schon nach kurzer Zeit langweilig wird. Die Liebe, die in Optik und Inszenierung gesteckt wurde, ist beim Design der Level offenbar verloren gegangen. Und so kämpfen wir uns immer wieder durch schlauchartige Areale, die wenig Interaktion mit der Umgebung zulassen. Leidenschaftliche Entdecker, die gerne jeden Stein zwei Mal umdrehen, werden damit keinen Spaß haben.

Das Kampfsystem ist schnell erlernt, wirkt aber schwerfällig und hakelig. Leider entwickelt sich Senuas Kampfstil im Laufe des Abenteuers kaum weiter.

Das Kampfsystem ist schnell erlernt, wirkt aber schwerfällig und hakelig. Leider entwickelt sich Senuas Kampfstil im Laufe des Abenteuers kaum weiter.

Foto: Ninja Theory

Auch die Kämpfe konnten uns wenig begeistern. Senua greift dabei auf wenige Attacken zurück, die schwierig zu timen sind. Erfolgreiche Paraden sind uns nur sehr selten gelungen, also bestanden die Kämpfe für uns fast nur aus Angriffen und Ausweichmanövern. Auch weil Senua keine neuen Attacken lernt, werden die Auseinandersetzungen im Laufe der Zeit sehr eintönig. Wie gut, dass das Spiel gleich vier Schwierigkeitsgrade besitzt und so ein wenig zusätzlichen Nervenkitzel erlaubt.

Fazit

Mit knapp unter 10 Stunden Spielzeit ist „Senua’s Saga: Hellblade II“ ein kurzes Vergnügen. Wer das Spiel wie einen Film erleben möchte, wird trotzdem seinen Spaß damit haben. Die eindrucksvolle Inszenierung und die starke optische Umsetzung tragen ihren Teil dazu bei. Leider ist das Level-Design weniger gelungen und auch das Kampfsystem kann nicht überzeugen. Wer darauf keinen Wert legt, darf getrost zugreifen. Besitzer des Xbox Game Pass können sowieso nichts falsch machen, denn sie dürfen das Adventure ohne Aufpreis spielen.

Senua’s Saga: Hellblade II“ ist am 21. Mai 2024 für PC und Xbox Series erschienen. Hier geht es zum offiziellen Trailer.

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