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Loop Hero: Warum der Indie-Hit auf Steam so erfolgreich ist

Gaming-Hit Loop Hero : „Du bist selbst dein größter Feind“

Das Videospiel Loop Hero eines vierköpfigen Entwicklerteams zeigt mit eindrucksvoll wenigen Mitteln, was ein gutes Spiel ausmacht. Und dass es manchmal keine moderne Grafik, kein großes Budget und noch nicht Mal eine neue Idee braucht, um einen Hit zu landen.

Der kleine Entwickler FourQuarters hat am 4. März ein beeindruckend kleines, aber komplexes Spiel auf der Plattform Steam veröffentlicht. Loop Hero hat (Stand 11. März) bereits über 8000 Bewertungen von Spielern erhalten, 95 Prozent davon positiv. Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung gaben die Entwickler auf Twitter über 150.000 Spieler bekannt. Einen Preis für die Grafik gewinnt das Spiel nicht. Es kommt in einem wenig farbenfrohen, groben Pixel-Look daher und setzt wahlweise noch einen CRT-Röhrenmonitor-Filter obendrauf, der das Spiel zusätzlich verwaschen aussehen lässt. So ganz fehlerfrei ist es auch noch nicht und beinahe täglich kommen neue Updates. Was begeistert daran also so viele Menschen?

Leicht zu erlernen Zwei Dinge muss ein gutes Spiel richtig machen. Die alte Devise „leicht zu erlernen, schwer zu meistern“ galt schon für die Erfindung des Schachspiels, mutmaßlich irgendwann zwischen dem dritten und sechsten Jahrhundert. Auf Loop Hero (Loop = Ring, Schleife; Hero = Held) trifft das ausdrücklich zu. Denn viel machen kann der Spieler zu Beginn nicht. Das Spiel spielt sich quasi von allein.

Die Spielfigur läuft eigenständig eine Straße entlang, immer wieder. Diese Straße beginnt an einem Lagerfeuer und endet auch dort. Auf dem Weg tauchen allerlei Kreaturen auf, die von der Spielfigur besiegt werden müssen. Anfangs nur simple Schleim-Blobs. Die Kämpfe werden automatisch ausgefochten. All das passiert ohne Zutun des Spielers. Ein Spiel zum Zuschauen - noch.

 Der Held in weiß wandert den Ringpfad solange ab, bis er entweder mit der Beute heimkehrt oder von einem Gegner besiegt wird.
Der Held in weiß wandert den Ringpfad solange ab, bis er entweder mit der Beute heimkehrt oder von einem Gegner besiegt wird. Foto: Screenshot/Loop Hero

Was der Spieler tun kann Besiegte Kreaturen lassen Baukarten und Ausrüstung fallen. Mit Baukarten kann der Spieler seiner Spielfigur das Leben leichter und schwerer machen. Weiden und Berge abseits des Weges erhöhen die Lebenspunkte und deren Regeneration. Ein Spinnenbau an der Straße etwa wirft regelmäßig zusätzliche Gegner aus, die der Held bei seiner nächsten Runde besiegen muss. Mit eingesammelten Schwertern, Schilden und Rüstungen kann der Spieler die Verteidigungs- und Angriffswerte seines Ritters erhöhen.

Der Spieler ist also in erster Linie ein Manager, der die Ausgangsbedingungen für die Spielfigur beeinflusst. Legt er seinem Helden zu früh zu viele Gegner in den Weg oder stimmt die Ausrüstung nicht aufeinander ab, schafft der kleine Ritter die nächste Runde nicht. Und nur am Lagerfeuer können gesammelte Gegenstände verlustfrei „nach Hause“ mitgenommen werden. Wird der Held auf dem Weg geschlagen, muss er das meiste und wertvollste zurücklassen. Das ist ärgerlich.

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Schwer zu meistern All diese Faktoren machen den Reiz an Loop Hero aus. Die Gegner werden mit jeder Runde etwas stärker. Wann ist der richtige Zeitpunkt, die Beute zu sichern? Oder doch noch eine Runde riskieren mit der Chance auf bessere Gegenstände? Ein Nutzer auf Steam hat das Spiel mit folgenden Worten bewertet: „Du bist selbst dein größter Feind.“ Wie recht er doch hat.

 Die Kämpfe laufen automatisch ab.
Die Kämpfe laufen automatisch ab. Foto: Screenshot/Loop Hero

Glaubwürdig oder nicht Das zweite, was Computerspiele gerne unter den Tisch fallen lassen, ist folgendes: Die Spielmechanik sollte der Erzählung nicht zuwiderlaufen. Eine junge Lara Croft (Tomb Raider) etwa beklagte sich ausgiebig darüber, wie sehr sie das Erlegen eines Hirsches mitnimmt. Dieselbe Lara Croft mähte nur wenige Spielminuten später reihenweise menschliche Gegner über den Haufen. Das dazugehörige Spiel aus dem Jahr 2013 beinhaltete den vielleicht meistzitierten ludo-narrativen Widersprüch der neueren Computerspielegeschichte.

Die Entwickler haben sich für Loop Hero eine Geschichte einfallen lassen, die in etwa so beginnt, wie das schlimmste Szenario der unendlichen Geschichte. Die ganze Welt ist verschwunden und dem Vergessen anheimgefallen. Indem der Held seinen Weg entlangläuft und nach und nach neue Baukarten freischaltet, deckt er die vergessenen Dinge wieder auf. Dörfer, Felder, Berggipfel ebenso wie Banditen, Vampire und aggressive Stechmücken. Die Gegenstände, die er nach erfolgreichen Durchläufen ins Basislager zurückbringt, dienen nicht nur als Baumaterial, sondern sind auch vor dem Vergessen sicher. Das Tun des Spielers passt also zur Erzählung. Der Spieler wird zum Geschichtenmanager für die Spielfigur, im Grunde zum Spielleiter einer Rollenspielrunde.

Jede Wiederholung lohnt sich Keine Runde ist wie die vorherige. Der Weg schlängelt sich jedes Mal anders, Welche Ausrüstung und welche Baukarten von besiegten Gegnern fallengelassen werden, bestimmt der Zufall. Um dem Helden weitere Vorteile zu verschaffen, können die geretteten Baumaterialien in Farmen, Schmieden, Unterkünfte und weitere Gebäude umgesetzt werden. Mit denen kann der Spieler Boni wie zusätzliche Lebenspunkte oder eine höhere Chance auf bessere Ausrüstung freischalten und managen. Auch weitere Charakterklassen werden so nach und nach offenbart, nach dem Ritter der ersten Stunde folgt etwa ein Schurke. Dieser kann keinen Schild, dafür aber zwei Waffen gleichzeitig tragen. Er ist dadurch verletzlicher, kann aber auch in kürzerer Zeit mehr Schaden austeilen.

Fazit Entwickler FourQuarters hat sich ausnahmslos bei bekannten Elementen bereits existierender Computerspiele bedient. In Loop Hero werden sie allerdings auf eine Weise wieder zusammengesetzt, die die Computerspielergemeinde so noch nicht gesehen hat. Das wird entsprechend belohnt. Mit einem digitalen Daumen nach oben und entsprechend vielen Verkäufen. Allein während diese Zeilen geschrieben wurden, sind weitere 70 positive Bewertungen hinzugekommen.