Spieletest "Crysis 2: Ballerorgie im alienverseuchten Manhattan

Spieletest "Crysis 2 : Ballerorgie im alienverseuchten Manhattan

Düsseldorf (RPO). Es ist einer der am sehnsüchtigsten erwarteten Titel des Jahres: Crysis 2. Wir haben den Ego-Shooter auf der Playstation 3 angespielt und sagen, ob sich das Warten für gelohnt hat.

Als der Ego-Shooter Crysis 2007 auf den Markt kam, setzte das Spiel neue Standards vor allem in puncto Grafik — allerdings kamen nur die Besitzer extrem hochgerüsteter PCs in den Spielgenuss. Konsolenbesitzer schauten damals in die Röhre.

Die Frankfurter Spiele-Entwickler von Crytek haben nun ein Einsehen und bringen den überragenden zweiten Teil auch auf die Xbox 360 und die Playstation 3. Herausgekommen ist eine atmosphärische dichte Ballerorgie, mit toller Grafik und einem überragenden Soundtrack. Doch der Reihe nach:

Das Szenario: Die Rahmenhandlung, in die der Spieler Hals über Kopf hineinstolpert, spielt im New York des Jahres 2023. Als ob eine Reihe von Klimakatastrophen und einer ominösen Virusepedemie, die die New Yorker im rasenden Tempo dahinrafft, nicht allein schon für ein apokalyptisches Szenario ausreichen würden, überfällt auch noch die Alien-Rasse der Ceth den Planeten und richtet Chaos an. Zugegeben: Die Handlung, die aus der Feder des britischen Science-Fiction-Autors Richard Morgan ("Das Unsterblichkeitsprogramm") stammt, ist völlig abstrus.

Aber das tut Crysis 2 keinen Abbruch. Der Spieler übernimmt die Rolle von Alcatraz, einem Marine, der zu Beginn der Geschichte mit seinen Kameraden an Bord eines U-Boots im Hudson River auf seinen Einsatz an Land wartet. Doch es kommt anders: Die Ceth versenken das U-Boot und Alcatraz entkommt nur knapp dank der Hilfe eines Elite-Soldaten namens Prophet. Hier zeigt sich eine der wenigen Schwachstellen des Spiels: Nur wer am PC den ersten Teil gespielt hat, kann mit Prophet und seinem Nanosuit, einem Anzug der dem Special-Force-Kämpfer besondere Kräfte verleiht, etwas anfangen.

Eine kurze Zusammenfassung der vorangegangenen Ereignisse hätte dem Spiel gut getan. Und so kommt es etwas abrupt, dass Prophet den geretteten Alcatraz in einen Nanosuit steckt und kurz darauf Selbstmord begeht. Und Entsprechend verwirrt stolpert der Konsolenbesitzer ins New York des Jahres 2023.

Die Steuerung: Crysis 2 macht es wenig Sinn, einfach so drauf loszurennen und wild um sich zu ballern. Vielmehr ist es in den meisten Fällen ratsam, sich taktisch zu verhalten. Betritt der Spieler ein neues Gebiet, sollte er zunächst die Umgebung per Visor scannen. Damit bekommt man automatisch Gegner, Munition und Taktikfelder in der Nähe angezeigt; auch diejenigen, die sich hinter Hindernissen befinde.

Gegenstände und Gegner lassen sich mit Hilfe der Viereckstaste markieren und erscheinen dadurch dauerhaft im Sichtfeld von Alcatraz. Zudem zeigt der Visor verschiedene Taktikoptionen an. Denn anders als gradlinig verlaufende Shooter gibt Crysis 2 dem Spieler mehr Handlungsfreiheit. Zwar ist Crysis 2 kein echtes Open-World-Game, aber es fühlt sich dankenswerter Weise selten so an, als ob man wie auf Schienen durch ein Gebiet geschleust wird.

Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist der sogenannte Nanosuit. Durch diesen hat der Spieler hat die Wahl zwischen zwei nützlichen Funktionen: Der Tarnmodus ist ein äußerst hilfreiches Mittel. Gegner nehmen Euch so nicht wahr, es sei denn, sie stehen unmittelbar vor Euch. Dadurch kann der Spieler um Feinde herumschleichen. Aber Vorsicht! Der Tarnmodus frisst Energie und steht damit nicht unbegrenzt zur Verfügung. Das Aufladen der Energie geht zwar automatisch, dauert aber ein paar Sekunden, in denen die Gegner einen lokalisieren können.

Auch wenn Alcatraz eine Waffe abfeuert, wird er automatisch für seine Umwelt sichtbar. Die zweite Funktion ist die Panzerung. Mit ihrer Hilfe kann Alcatraz Stürze aus enormen Höhen überleben oder aber sich in verzwickten Situationen nach dem Motto "Augen zu und durch" den Weg direkt durch die feindlichen Linien bahnen. Auch für die Panzerung gilt: Sie frisst Energie und steht damit ebenfalls nicht unbegrenzt zur Verfügung. Der Nanosuit kann im Laufe des Spiels durch verschiedene Module verbessert werden, die Fähigkeiten von Alcatraz freischalten. Der Bedrohungssucher beispielsweise zeigt dem Spieler die Flugbahnen von gegnerischen Projektilen an, was für deren Aufspürung ungemein nützlich ist.

Die Gegner: Die Gegner-KI in Crysis 2 ist ordentlich. Das merkt der Spieler schon alleine daran, dass wildes Draufglosstürmen häufig im Ableben endet. Sobald der Spieler den Tarnmodus deaktiviert oder sich dieser mangels Energie automatisch verabschiedet, rufen die Gegner Verstärkung und eröffnen das Feuer.

Deshalb hilft es, sich hinter Mauern, Fahrzeugen oder sonstigen Hindernissen zu verstecken. Mit Hilfe der R1- und L1-Tasten lugt der Spieler um die Ecken und kann so die Feinde unter Beschuss nehmen. Deckungen halten einem Dauerfeuer der Feinde allerdings nicht stand. Wer zu lange an einer Stelle verweilt, wird feststellen, dass das Gemäuer nach und nach zerbröselt. Aufgelockert wird das Spielgeschehen übrigens durch kurze Sequenzen, in denen der Spieler sich in einem Panzer den Weg durch die Reihen der Feinde mähen muss.

Die Atmosphäre: Es ist schon beeindruckend, was Crytek für die passende Atmosphäre auffährt: Für den bombastischen Soundtrack wurde kein geringerer als Oscarpreisträger Hans Zimmer engagiert. Der deutsche Filmkomponist war unter anderem für die Soundtracks von Gladitor, Black Hawk Down oder Inception verantwortlich.

Und auch bei den Sprechern hat das Entwickler-Team keine Abstriche gemacht und auf bekannte Synchronsprecher gesetzt. Euer tapferer Helfer, Dr. Nathan Gould, der Euch per Funk durch die Handlung und damit durch das zerstörte New York lotst, wird beispielsweise von Detlef Bierstedt gesprochen — besser bekannt als die Synchronstimme von George Clooney.

Die Schwächen: Zu den Nachteilen: Da wäre das leidige Thema des Speicherns. Da man während des Spiels selbst nicht abspeichern kann, muss man sich immer erst zum nächsten Speicherpunkt durchschlagen. Diese liegen aber zum Teil so weit auseinander, dass die Frustration schon einmal nach oben schnellt, wenn man kurz vor dem Punkt zum wiederholten Mal in Folge das Zeitliche segnet und wieder von vorne anfangen muss.

Ein weiterer Nachteil: die Waffenauswahl. Auch wenn das Spiel im alienverseuchten New York spielt und Alcatraz sich auf seinem Feldzug mit den Waffen der Gefallenen ausrüstet, beschränkt sich das Arsenal auf konventionelle, menschliche Waffen. Da hätte Crytek mehr Mut haben können und die eine oder andere originelle Waffenidee einbauen können.

Fazit: Crysis 2 ist ein spannender und aufwendiger Shooter, der den hohen Erwartungen gerecht wird. Die Umsetzung für die PS3 ist gelungen. Der Umfang der Single-Player-Mission ist ordentlich, so dass man rund zehn Stunden mit dem Spielen beschäftigt ist. Der Schwierigkeitsgrad schon im normalen Modus ist anspruchsvoll, aber nicht frustrierend. Allerdings hätte Crytek bei die Speicherpunkte etwas benutzerfreundlicher setzen können. Da es sich um ein extrem brutales Spiel handelt, ist die USK-Einordnung ab 18 mehr als gerechtfertig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Crysis 2" - Screenshots