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Assassin's Creed Valhalla: Das Wikinger-Abenteuer macht Spaß

Angespielt: Assassin’s Creed Valhalla : Für Odin: Als Wikinger auf großer Fahrt

Ubisoft verändert mit jedem Spiel die Assassin’s-Creed-Formel. Valhalla vermeidet tatsächlich viele Fehler der Vorgänger und macht jede Menge Spaß. Das Spiel kommt am 10. November raus.

Nur einen Moment noch. Egal, welche Aufgaben auf uns warten. Nur eine Minute länger wollen wir auf der Anhöhe den Sonnenuntergang genießen. Denn die Welt von Assassin’s Creed Valhalla ist einfach wunderschön. Sogar noch auf der PS4 Pro, auf der wir das Spiel angetestet haben. Von den schneebedeckten Bergen in Norwegen bis zu den grünen Tälern Englands: Man genießt die virtuellen Landschaften, das Knirschen von Schnee oder das Dickicht. Und die Ubisoft-Entwickler haben dabei gleich noch einen Kritikpunkt aus dem Vorgänger Odyssee aufgegriffen und beseitigt: Die Welt ist zwar kaum kleiner, sie wirkt aber dichter – weil alles sehr viel belebter ist und es mehr zu entdecken gibt: Höhlen, Gräber, Ruinen, Mysterien oder Rätsel. Und da muss dann auch das Feuer der Leidenschaft eines Pärchens neu entfachen. Es gibt tatsächlich solche kleineren, skurrilen Nebenaufgaben.

Valhalla ist weniger ein Action-Adventure, sondern mehr ein Rollenspiel. Das zeigt sich in den diversen Wahlmöglichkeiten und in den Entscheidungen, die wir im Laufe des Spiels treffen müssen. Auch die Dialog-Optionen werden besser präsentiert als beim Vorgänger. Und sie können sogar noch ausgebaut werden. Dafür muss man sein Charisma steigern. Beispielsweise über diverse Wortgefechte. Und die machen tatsächlich Spaß. So wie viele kleine Abwechslungen im Spiel, denen wir zunächst skeptisch gegenüberstanden. Aber selbst das Wett-Trinken ist unterhaltsam umgesetzt.

Dabei hat uns der Anfang von Valhalla zunächst enttäuscht. Die Hauptfigur Eivor lernen wir einmal mehr als Kind kennen, das schnell zur Waise wird. Damit erfüllt Ubisoft nicht nur ein Assassin’s-Creed-Klischee, sondern kopiert die Geschichte jedes zweiten Wikinger-Films. Nun folgt das große Aber: Diese Story wird noch im Prolog zu Ende geführt, bevor es nach England geht. Eivor kommt dort ohne Altlasten an. Der Spieler beginnt mit dem Helden quasi ein neues Leben.

Und das heißt: Wir plündern Kloster für Ressourcen, um unsere Siedlung auszubauen. Gleichzeitig versuchen wir, Verbündete zu gewinnen, Mysterien zu entwirren und Artefakte unter anderem des Römischen Reichs zu bergen. Ein definiertes Ziel, das man erreichen will, wie in anderen Assassin’s-Creed-Spielen gibt es zunächst nicht. Wir sind noch nicht einmal der große Anführer. Wir stehen am Anfang nur in zweiter Reihe. Keine Sorge: Im Laufe des Spiels verschieben sich manche Dinge und ändern sich die Prioritäten. Und dazu tragen auch die Assassinen bei. Ja, die gibt es immer noch. Sie tauchen auch früh im Spiel auf. Wir selbst gehören nicht dazu. Wir übernehmen nur Aufträge für sie. Bereits im Prolog fragt Eivor sie aber, ob sie ihn etwa für ihre mysteriöse Bruderschaft gewinnen wollen. Nicht neugierig, sondern eher leicht überheblich. Auch da setzt sich das komplette Bild erst mit der Zeit zusammen. Das haucht der Reihe tatsächlich neues Leben ein. Was die Story noch mysteriöser macht: Die mythische Götterwelt der nordischen Völker spielt eine große Rolle im Spiel. Sie ist so selbstverständlich Teil der Realität wie jeder Baum und Stein.

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Am grundlegenden Spielprinzip hat sich indes nicht viel geändert. Man kämpft sich oft durch die Welt. Es gibt einen Fähigkeitenbaum, der sich erst mit der Zeit erschließt. Denn der ist etwas verwirrend. Grundsätzlich gibt es zwar drei Verästelungen: Attentate, Nahkampf, Fernkampf. Kompliziert wird es nur dadurch, dass man neue Zweige nicht sieht: Sie werden erst freigeschaltet, wenn man zuvor bestimmte Fähigkeiten ausgewählt hat. Die Entwickler haben selbst erkannt, dass es ein wenig schwierig ist, sich so zu spezialisieren. Darum kann man die vergebenen Fähigkeitenpunkte wieder neu verteilen. Das wiederum lädt dazu ein, zwischendurch mal einen anderen Ansatz zu wählen. Falls man bei einem Gegner nicht weiterkommt. Und das kann schnell passieren. Bereits im Prolog wird man auf die Probe gestellt. Und der erste Bossgegner ist tatsächlich etwas fordernd.

Um es noch komplizierter zu machen, schaltet man diverse Kampftechniken wie Axtwurf oder Pfeilsalven durch Bücher frei. Die muss man indes wie Schätze erst finden. Dieses System erscheint uns unnötig verworren. Aber der Entdecker in uns ist tatsächlich stolz, wenn er die Bücher entdeckt. Zumal man bisweilen kleine Rätsel lösen muss, um an sie heranzukommen. Beispielsweise: Wie komme ich in einen Keller, wenn es keinen offensichtlichen Zugang gibt? Da hilft logisches Denken. Oder: Man visiert mit Pfeil und Bogen Dinge an. Wenn das Visier rot wird, kann man es auch zerstören.

Die Loot-Mechanik aus Odyssee hat man ebenfalls begraben. Es gibt weniger Rüstungen und Waffen als im Vorgänger. Aber dafür existieren immer noch genug Möglichkeiten, die Ausrüstung zu verbessern – über Eisenerz und Leder. Beides findet man im Spiel oder erbeutet es. Zudem lässt sich alles beim Schmied noch zusätzlich aufleveln. So schafft man Platz für Runen, die Waffen und Rüstungen ebenfalls verbessern.

Unser Fazit

Valhalla macht Spaß. Die Atmosphäre stimmt. Und zumindest über weite Strecken vermeidet man Klischees. Man bemüht sich auch, das Wort Wikinger nicht zu benutzen. Denn: Wikinger sind keine Volksgruppe. Der Begriff ist eine Tätigkeitsbeschreibung. Wer auf Wiking geht, nimmt an Raubzügen teil. Das ist alles. Es ist kein Name für ein Volk. Das Spiel spricht auch eher von Norwegern oder dem Klan. Im Fall von Eivor vom Rabenklan. Zudem sehen die „Wikinger“ anders aus als in TV-Erfolgen wie „Vikings“ oder die noch sehr viel bessere Serie „Last Kingdom“. Da hat man den Eindruck, sie wären alle Mitglieder einer Motorradgang. In „Valhalla“ spart man sich das übertriebene Übermaß an Lederrüstung, sondern zeigt sie in farbenfroher Kleidung, mit Fellen und Kettenrüstungen. Das wirkt zumindest realistischer, auch wenn es die Realität nicht ganz trifft. Dafür stimmt die Atmosphäre. Die Welt ist dicht und abwechslungsreich. Und die Story entwickelt sich erst mit der Zeit, was indes kein Nachteil ist. Tatsächlich verstärkt es den Eindruck, neu in einem fremden Land zu sein.

Wer Odyssee mochte, wird Valhalla lieben. Wer noch nie Berührung mit Assassins’s Creed hatte, wird sich schnell zurechtfinden – weil unsere Figur Eivor eben kein Assassine ist und erst selbst Erfahrungen sammeln muss.