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"Uncharted 3" im Test: Indiana Jones für die Playstation

"Uncharted 3" im Test : Indiana Jones für die Playstation

Viele haben es versucht, doch tatsächlich gibt es nur einen würden Nachfolger für Indiana Jones. Der heißt Nathan Drake und jagt wie das große Vorbild im Film auf der Playstation 3 nach Artefakten. Der dritte Teil lässt zwar Innovationen vermissen, und trotzdem ist es eins der Spiele des Jahres.

Es fängt behäbig an. In einer Londoner Kneipe, die nicht unbedingt die erste und beste Adresse der britischen Hauptstadt ist. Aber Uncharted ist nicht unbedingt für detaillierte Milieu-Studien bekant.

Natürlich geht es um ein Artefakt. Genauer gesagt einen Ring des britischen Freibeuters Francis Drake, als dessen legitimer Nachfahre sich Nathan Drake sieht. Natürlich platzt der Deal und mündet schnell in einer wilden Schlägerei. Willkommen in der Welt von Uncharted, in der — wie bei guten, klassischen Action-Filmen — ironische One-Liner die Handlung begleiten.

Nein, große spielerische Überraschungen bietet der dritte Teil nicht. Die Uncharted-Reihe bleibt sich selbst treu. Wieder muss man sich prügelnd und ausgerüstet mit diversen Waffen durch Gegnermassen kämpfen oder aber Rätsel lösen, während man kletternd und springend versucht, noch die scheinbar unmöglichsten Stellen zu erreichen.

Uncharted-Veteranen finden sich sofort zurecht, neue Spieler nach einer kurzen Eingewöhnungszeit. Und angesichts der häufigen Fehlschläge erfolgreicher Spiele-Serien, wenn sie neue Spiel-Elemente integrieren wollen, ist es nicht das Verkehrteste, dass Entwickler Naughty Dog wenig geändert hat.

Uncharted 3 punktet vielmehr in anderen Disziplinen. Da ist die natürlich wie bei Indiana Jones völlig überzogene Story um eine Reise von Francis Drake vor mehr als 500 Jahren, die den Protagonisten und seinen treuen Gefährten Sully von Frankreich zur arabischen Halbinsel bis in die Wüste Rub' al Khali führt.

Man erfährt sogar wie Drake und Sully vor 20 Jahren zueinandergefunden haben. Für Uncharted-Veteranen ein Highlight. Und vor allem ist die Story filmreif inszeniert. Zwar verliert man bisweilen etwas den Überblick, was genau vor 500 Jahren passiert ist oder worum es eigentlich geht.

Aber wie sollte es bei so vielen Wendungen auch anders sein. Und manche der Kapitel sind so temporeich, dass man beim ersten Durchgang viele Details einfach übersieht — und sie noch einmal spielen möchte. So etwas schaffen nicht viele Spiele.

Grafisch ist Naughty Dog dabei mal wieder an die Grenzen der Playstation 3 gegangen. Das Feuer im französischen Schloss wirkt unglaublich realistisch und fast schon lebendig. Die Schatten- und Lichteffekte im Wald, der Wüstensand, selbst Wandteppiche und Holz wirken überaus plastisch.

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Und wem an Deck des Kreuzfahrtschiffs in stürmische See nicht ein wenig mulmig wird, spielt wahrscheinlich gerade selbst an Bord eines Cruisers. Der Flugzeug-Absturz in einem späteren Kapitel wirkt fast wie aus einem Blockbuster geschnitten und in die PS3 eingefügt. Solche Oh- und Ah-Momente liefert Uncharted fast schon am laufenden Band.

Die Rätsel-Einlagen im Spiel sind dabei stimmig und zumindest an zwei Stellen nicht ganz leicht. Wer gar nicht weiterkommt, kann aber Tipps abrufen, die mit der Zeit die Lösung fast vollständig verraten. Sicher ist nicht alles perfekt in Uncharted 3.

So handeln die unterschiedlichen Gegner-Typen immer nach dem gleichen Muster ohne große Variationen. Das fällt aber nicht so sehr auf, weil man immer wieder in einer anderen Umgebung mit ihnen kämpft — und auch immer wieder eine neue Deckung suchen muss. Die Gegner stehen nicht unbedingt nur herum und bitten darum, von Nathan Drake erledigt zu werden. Da hilft es auch nicht, dass man weiß, wie bestimmte Gegner-Typen vorgehen. Man gerät trotzdem bisweilen unter Druck.

Und wenn es keine Gegner sind, dann fordern die Umgebung den Spieler. Die Flucht vor dem hereinbrechenden Wasser auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff gehört zu den Highlights des Spieljahres 2011.

Einen Abzug in der B-Note gibt es allerdings für die Kameraführung. Meistens ist sie zwar mit dem Spieler auf der Höhe der Handlung. Selten aber ist der Blickwinkel etwas ungünstig. Das fällt vor allem in den temporeichen Passagen auf, bei denen man schnell reagieren muss. Dafür besitzt Nathan Drake nach wie vor einen überaus trockenen Humor und entwickelt sich die Beziehung zu seinem väterlichen Freund Sully überzeugend weiter. Auch die anderen Nebenfiguren sind für einen Action-Spektakel gut gezeichnet.

Leider hat man sich bei den beiden Haupt-Antagonisten nicht die gleiche Mühe gegeben. Sie bleiben insgesamt etwas blass und ihre Intention wird nicht wirklich klar. Und herausfordernde Zwischen-Boss-Gegner gibt es so gut wie gar nicht.

Das Fazit: Spielerisch gibt es zwar keine großen Überraschungen. Das ist aber auch nicht tragisch, weil schon das abwechslungsreiche Gameplay des ersten Teils zwischen Action, Adventure und Jump ‘n' Run überzeugen konnte.

Doch die Story ist fesselnd, die Dialoge sind auch in der deutschen Fassung gelungen und optisch ist Uncharted 3 ein Meisterwerk für die Playstation 3, das in keiner Sammlung fehlen sollte.

Uncharted 3 — Drakes Deception USK 16 Preis ca. 50 Euro

Hier geht es zur Bilderstrecke: Screenshots aus "Uncharted 3"

(csr)