Harry Potter: Wizards Unite im Test in der Düsseldorfer Altstadt

Praxis-Test in Düsseldorf : Auf in die Winkelgasse – wie sich das neue Harry-Potter-Spiel im Alltag schlägt

Das neue Spiel der Pokémon-Go-Macher lässt Harry-Potter-Fanherzen höher schlagen. Doch kann die Jagd nach magischen Kreaturen und Portschlüsseln die Erwartungen erfüllen? Wir haben es in Düsseldorf ausprobiert.

Ein unbekannter Zauber hat Seidenschnabel, den Hippogreifen aus Hogwarts, entführt – und das mitten in die Welt der Muggel! Am Hintereingang der Brauerei Füchsen auf der Ritterstraße steht er nun, eine Kette mit einem großen Schloss am Fuß. Schnell ein gekonnter „Alohomora“-Zauber, das Schloss springt auf und Seidenschnabel wird zurück in die Magierwelt teleportiert. Puh, nochmal Glück gehabt, keiner hat ihn gesehen.

Vor wenigen Tagen ging das neue Harry-Potter-Spiel „Wizards Unite“ (Zauberer, vereint Euch) auf Handys und Tablets (für Android und iOS) weltweit an den Start. Spieler suchen und jagen dabei in der realen Welt magische Kreaturen. Die App nutzt die Kamera des Handys und projiziert Hippogreife und Kobolde in die Umgebung. Wie schon bei Pokémon Go vom gleichen Hersteller sollen die Spieler ihre reale Umgebung erkunden, um die begehrten Herausforderungen im Spiel zu meistern.

Worum es im Spiel geht

Eine große Katastrophe droht der Zaubererwelt, die dafür sorgen könnte, dass Muggel (Nicht-magische Menschen) von eben jener Welt erfahren. Ein unbekannter Zauber hat allerlei magische Gegenstände, Kreaturen und Zauberer gefangen und hält sie in der Muggelwelt fest. Aufgabe des Spielers ist es nun, den bekannten Charakteren aus dem Harry-Potter-Universum beizustehen und Einhörner, Greife und Kobolde zu befreien.

Was den Spieler erwartet

Screenshot aus der App „Wizards Unite“: Sogar vor dem Verlagsgebäude der RP gibt es was zu tun. Foto: Rheinische Post/Christian Albustin

Die Spielmechanik ist recht simpel. Der Spieler zeichnet mit dem Finger verschiedene Muster nach, um damit Zauber auszuführen. Dabei kommt es auf Präzision und Geschwindigkeit an. Je schneller und genauer der Finger die Linie entlangfährt, umso besser wird der Zauber bewertet und umso höher ist die Erfolgschance. Jeder ausgeführte Zauber kostet den Spieler einen Energiepunkt. Auch abgewehrte oder misslungene Zauber kosten. Schwierige Gegner, bei denen eine besonders hohe Präzision und Geschwindigkeit gefordert wird, brauchen schon mal ein paar Anläufe. Unterstützung kann sich der Spieler aber über Tränke holen, die das Ergebnis des Zaubers pauschal verbessern.

Zauberenergie gibt es an vielen Stellen im Spiel, vorrangig in Gasthäusern. Alle fünf Minuten kann der Spieler dort eine zufällige Mahlzeit zu sich nehmen, die ein paar Energiepunkte wiederherstellt. Tränke kann der Spieler finden oder selber brauen. Die Zutaten dafür liegen in der Spielwelt und in den magischen Gewächshäusern, der Brauvorgang dauert aber. Der Einsteigertrank, der die Chance von Zaubern erhöht, dauert beispielsweise zwei Stunden, bis er fertiggestellt ist.

Eine besondere Herausforderung sind die Festungen. In diesen hohen Türmen muss der Spieler der Reihe nach mehrere Gegner mit steigendem Schwierigkeitsgrad bezwingen. Doch anders als die simplen Befreiungszauber gilt es dort, auch die Angriffe des Gegners abzuwehren. Wer eine Festung betritt, sollte genügend Zauberenergie mitnehmen, jede Aktion – Angriff und Verteidigung – kostet einen Punkt.

Wie gut das Spiel in der Düsseldorfer Altstadt funktioniert

Die Altstadt ist voll von Gaststätten und Kneipen, auch in der augmentierten Welt von Harry Potter. Das ist gut für Spieler, denn alle paar Meter bietet sich eine Gelegenheit, ein bisschen Zauberenergie aufzufüllen. An magischen Kreaturen mangelt es ebenfalls nicht, vor allem an der Promenade konnten wir im Test zahlreiche seltene Exemplare und einige der begehrten Festungen vorfinden.

Auch in der S-Bahn lässt sich das Spiel gut zum Zeitvertreib spielen. Die App stoppt dann zwar den Öffnungsvorgang der Portsteine, aber bei jedem Halt können schnell ein bis zwei Gaststätten oder Ereignisse aktiviert werden. Ebenfalls gut umgesetzt: Bekannte Orte und Gebäude sind in der Regel auch im Spiel vertreten wie etwa der Wasserturm an der Promenade oder die Düsseldorfer Tonhalle.

Screenshot aus der App „Wizards Unite“: Eine Gaststätte im Spiel in der Düsseldorfer Altstadt. Foto: Rheinische Post/Christian Albustin

Wie gut das Spiel bei den Spielern ankommt

Der weltweite Start des Spiels war, gemessen am Vorbild „Pokémon Go“, eher verhalten. Konnte die Jagd nach den Pokémons noch 38,5 Millionen Spieler in der Startwoche anlocken, installierten sich das neue Harry-Potter-Spiel dem Marktforschungsdienstleister „Sensor Tower“ zufolge bislang nur etwa 6,5 Millionen Menschen auf ihrem Smartphone. Bei den Umsätzen sieht es dementsprechend aus: Konnte „Pokémon Go“ im selben Zeitraum bereits 58 Millionen Dollar umsetzen, gaben die Harry-Potter-Fans bisher nur drei Millionen Dollar für Spielinhalte aus. Die rund 5000 Bewertungen im deutschsprachigen Raum sind aber mit durchschnittlich 4,5 von fünf Sternen fast durchgehend positiv.

Das Spiel ist gratis, wo ist der Haken?

Wer Geduld hat, muss kein Geld ausgeben. Wie bei den meisten mobilen Spielen kann der Spielfortschritt aber über den Ingame-Shop beschleunigt werden. Wer nicht warten will, bis sich Zauberenergie und Tränke wieder auffüllen, kann diese dort gegen Geld kaufen.

Belohnt wird, wer in Bewegung bleibt. Nicht nur, dass der Spieler auf seinem Weg durch die Düsseldorfer Altstadt ständig an Gasthäusern vorbeikommt und dort seine Energie auffüllen kann. Auch die Portsteine, die immer mal auf der Karte auftauchen, profitieren davon. Diese kann der Spieler nämlich nur dann öffnen, wenn er den passenden Schlüssel findet und eine gewisse Wegstrecke zu Fuß zurücklegt. Das können mit dem Standardschlüssel auch mal sieben Kilometer sein. Damit niemand schummelt, erkennt das Spiel, wenn sich das Handy zu schnell bewegt, etwa wenn der Spieler in der Bahn sitzt.

Wie bringt die augmentierte Realität?

Beim Zaubern greift das Spiel auf die Kamera zu, um dem Spieler den Eindruck zu vermitteln, er würde die Kreaturen in seiner realen Umgebung jagen. Die Auflösung des Kamerabildes ist auf unserem getesteten Handy (iPhone SE) aber ziemlich niedrig und die Spielfiguren nehmen soviel Platz ein, dass der Hintergrund kaum zu sehen ist. Um Akku-Leistung zu sparen, kann der Kamerazugriff auch ganz abgeschaltet werden, dann werden einfach zufällige Hintergründe angezeigt. Gut gelungen sind dagegen die Gasthäuser, die im Hintergrund immer ein Bild passend zum Standort anzeigen.

Was das Spiel besser machen könnte

Viel zu meckern gibt es eigentlich kaum, das Spiel hat unseren Redakteur im Test schnell in seinen Bann ziehen können. Der Handlungsstrang rund um das große Mysterium der Zauberwelt bleibt allerdings dünn und vernachlässigbar. Am Ende geht es doch nur darum, alle Kreaturen und Gegenstände zu entdecken und alle Gegner in den Festungen zu bezwingen. Diese Karotte funktioniert aber auch so. Wirklich lästig ist nur die Wartezeit bis zum nächsten Versuch, wenn ein Zauber misslingt.

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