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Gaming ohne Grenzen: Dennis Winkens über Inklusion bei Spielen

Inklusionsprojekt „Gaming ohne Grenzen“ : Entwickler sollten Gamer mit Handicap stärker einbeziehen

Dennis Winkens (32) ist querschnittsgelähmt und setzt sich für Inklusion im Gaming ein. Er unterstützt das Projekt „Gaming ohne Grenzen“. Dadurch sollen Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammenkommen, um Spiele auf Barrierefreiheit zu testen.

Sie sind Botschafter des Projektes „Gaming ohne Grenzen“. Was verbirgt sich dahinter?

Winkens Bei Gaming ohne Grenzen testen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam Videospiele auf ihre Barrierefreiheit. Das medienpädagogische Projekt ist von der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW ins Leben gerufen worden und wird dank finanzieller Unterstützung durch Congstar und „Aktion Mensch“ für mindestens drei Jahre bestehen. Beim gemeinsamen Spielen geht es um den Spaß an der Sache und die Vernetzung der Jugendlichen. Zudem hilft es, Grenzen zwischen eingeschränkten Kindern und ihren Altersgenossen abzubauen. Ich unterstütze das Projekt für inklusives Gaming mit meiner Erfahrung als Gamer und stehe beratend zur Seite.

Wie werden die Videospiele getestet?

Winkens Mehrmals im Monat treffen sich Kleingruppen in verschiedenen Jugendeinrichtungen und spielen gemeinsam diverse Spiele. Dabei bewerten sie die einzelnen Titel auf vier Ebenen: hören, verstehen, sehen und steuern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gaming ohne Grenzen werten die Einschätzungen der Tester mittels komplexer Fragebögen professionell aus und stellen die Ergebnisse den Betroffenen unter anderem auf der offiziellen Webseite www.gaming-ohne-grenzen.de zur Verfügung. Der erste Test zum Videospiel Minecraft ist bereits online gestellt. Viele weitere Tests werden folgen.

Sind Videospiele heute noch nicht barrierefrei?

Winkens Ja und nein. Einige Spiele bieten bereits barrierefreie Einstellungen an, die meisten jedoch nicht. Und selbst wenn spezielle Einstellungsmöglichkeiten vorhanden sind, so heißt dies noch lange nicht, dass sie für jeden Spieler mit Handicap sinnvoll sind. Insgesamt ist die Entwicklung jedoch positiv – das freut mich sehr. Bis Barrierefreiheit allerdings in jedem Spiel in einem akzeptablen Umfang implementiert sein wird, ist es noch ein langer Weg.

Finden Sie, dass in der Spieleentwicklung zu wenig Rücksicht auf Menschen mit Einschränkungen genommen wird?

Winkens Ja, definitiv. Gamer mit Handicap sollten viel stärker bei der Videospielentwicklung berücksichtigt und miteinbezogen werden. Glücklicherweise erkennen Spieleentwickler zunehmend, dass sie durch Barrierefreiheit in ihren Werken mehr potenzielle Spieler erreichen können.

Sie sind selbst querschnittsgelähmt. Wie steuern Sie Videospiele?

Winkens Ich benutze in der Regel einen Mundcontroller als Hilfsmittel. Dieser hat Löcher zum hineinpusten, der die Tasteneingaben ersetzt. Je nach Setup und Spiel verwende ich auch mal Hardware, durch die ich Spiele mit den Augen steuern kann. Es gibt aber noch deutlich mehr Peripherie wie Joysticks für Einhändige oder Brillen mit speziellen Filtern für Sehbehinderte. Bei Gaming ohne Grenzen werden wir auf diverse Hilfsmittel für Gamerinnen und Gamer mit Einschränkungen eingehen.

Zum Spielen benutzt Dennis Winkens in der Regel einen speziellen Mundcontroller. Foto: Winkens/Projekt Gaming ohne Grenzen

Können Sie denn mit Hilfsmitteln bei kompetitiven Titeln mit anderen Spielern mithalten?

Winkens Auf jeden Fall. In einigen Spielen bin ich sogar noch besser (lacht). Das variiert aber natürlich von Spiel zu Spiel. Aber das gilt ja für jeden anderen Spieler genauso. Niemand ist in jedem Spiel der beste. Aber insgesamt würde ich schon sagen, dass ich dank der Hilfsmittel mit dem Durchschnitt locker mithalten kann.

Was bedeutet Gaming für Sie?

Winkens Gaming hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ob abends zum Entspannen, ob für den Stressabbau nach schwierigen Tagen oder zum Erleben von lustigen Abenteuern mit Freunden: Es gibt für jede Situation ein passendes Spiel. Zudem brauche ich mit meinem Rollstuhl in Videospielen nicht darüber nachdenken, ob die Locations in der Spielwelt barrierefrei sind (lacht).

Was erhoffen Sie sich durch das Projekt „Gaming ohne Grenzen“?

Winkens Die Antwort steckt schon wortwörtlich in der Frage: „Gaming ohne Grenzen”. Jeder, egal ob jung oder alt, ob mit oder ohne Handicap: Wer immer Lust hat zu zocken, sollte auch die Möglichkeit dazu haben. Es gilt technische Herausforderungen zu überwinden, damit jeder uneingeschränkt an der Kultur teilhaben kann. Diese abzubauen, sollte in der Spieleentwicklung stärker in den Fokus gerückt werden. Schließlich profitiert auch die Branche davon, wenn Sie Ihre Spiele einem möglichst breiten Publikum anbieten können. Daher ist Gaming ohne Grenzen ein wichtiges Projekt für die Inklusion.

Hier geht es zur Webseite des Projekts „Gaming ohne Grenzen“.