Gamescom 2018 in Köln: Kollision der Spiele-Welten

Gamescom in Köln : Ein neues Spiele-Zeitalter kündigt sich an

Die Highlights der Gamescom 2018 im Test

Die Gamescom in Köln öffnet ihre Tore und erwartet Hunderttausende Computerspiel-Begeisterte. Zwei Philosophien dominieren die Messe in diesem Jahr. Und am Horizont sind die Zeichen eines neuen Spiele-Zeitalters zu erkennen.

Dichtgedrängt stehen die Menschen in Halle 8 vor dem skurrilen „Fortnite“-Jahrmarkt: Mit einer Seilbahn können Besucher in einer Art Gleiter über den Aufbau „fliegen“ und sehen, wie andere sich über einen Hindernisparcours quälen, auf einer Rakete Rodeo reiten oder mit Schaumstoff-Äxten gegeneinander antreten. Alles ist poppig, knallig bunt und übertrieben. So wie es die Fans aus dem Spiel „Fortnite“ gewohnt sind. Darin treten in jeder Runde 100 Spieler online gegeneinander an: Jeder kämpft gegen jeden. Das kostenlose Spiel macht laut dem Entwickler Epic Games einen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Das Geld stammt aus bezahlpflichtigen Zusatzinhalten wie Verkleidungen oder verrückten Siegestänzen, mit denen auch der französische Nationalspieler Antoine Griezmann Tore bei der Fußball-WM in der realen Welt gefeiert hat.

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„Fortnite“ steht für die eine Philosophie der Gamescom 2018 in Köln, die am Mittwoch für alle öffnet: Online-Spielspaß - mit oder gegeneinander - in virtuellen Welten. Es gibt keine großartigen Charaktere, die Story bleibt rudimentär: Die Geschichten werden von den Spielern und ihren mehr oder weniger verrückten bis epischen Online-Erlebnissen geschrieben. Genre-Klassiker wie das Fußball-Spiel „Fifa“ gehören dazu, das sich auf der Gamescom in seiner neuen Auflage und nun mit Champions-League-Lizenz präsentiert. Aber auch Online-Veteranen wie „Call of Duty“ fallen darunter: In dem Spiel übernimmt der Spieler die Rolle eines Soldaten, der mit anderen Spielern gegen Teams antritt.

Neu in diesem Jahr: „Call of Duty“ verzichtet auf einen Einzelspieler-Modus. Man kann nur noch online gegen andere antreten. Verbesserungen und Unterschiede zu den Vorgänger-Spielen finden sich da nur im Detail. Dafür soll die Erfahrung noch intensiver und immersiver sein.

Die andere Philosophie vertritt in Halle 9 eindrucksvoll die Videospiel-Ikone Lara Croft. In ihrem neuen Spiel „Shadow of the Tomb Raider“ kämpft sich die Archäologin unter anderem durch Mexiko. Der neue „Assassin’s Creed“-Teil spielt dagegen im antiken Griechenland. Für beide Spiele gilt: Opulent und mitreißend umgesetzt möchten sie mit Charaktertiefe ihrer Figuren überzeugen. Außerdem bieten sie spannende Geschichten voller Wendungen, in die der Spieler indes alleine und nur für sich eintaucht - aber nicht online mit anderen.

Das sind die beiden Philosophien, die auf der Gamescom vertreten sind: Bewegende Einzelspieler-Erfahrungen gegen verrückte Online-Erlebnisse. Und die Brücke dazwischen will der Rollenspiel-Klassiker „Fallout“ schlagen: Die Reihe ist bekannt für ihre offene, digitale Welt, durch die man sich aber normalerweise alleine schlägt. Im neuen Teil „Fallout 76“ sollen nun aber alle Menschen, denen man virtuell begegnet, Avatare realer Personen sein, mit denen man online in der postapokalyptischen Welt nach einem Atomkrieg zusammenarbeiten kann.

Technisch tut sich indes nicht viel: Viele neuen Spiele sehen auf PC und Konsole noch einen Tick besser aus als im Jahr zuvor. Und doch bahnt sich eine Revolution an: Der Grafikkarten-Spezialist Nvidia experimentiert mit „Geforce Now“ auf der Gamescom. Damit sollen Spiele auch auf altersschwachen Computern, Apple-Systemen oder sogar Fernsehern möglich sein - über das Internet. Der Benutzer meldet sich auf einem Server an, auf dem er spielt. PC und TV sind quasi nur noch „Abspiel-Stationen“.

Und Nvidia ist mit der Idee nicht alleine. Sony bietet mit „Playstation Now“ bereits etwas Ähnliches für seine Konsole an. Microsoft und der Branchenriese Electronic Arts experimentieren ebenfalls damit. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis das sogenannte „Cloud-Gaming“ tatsächlich ausgereift und weit verbreitet sein wird. Schließlich hängt das auch von einer ausreichend schnellen Internetverbindung ab. Aber am Horizont sind die Zeichen eines neuen Spiele-Zeitalters - unabhängig vom Gerät oder Betriebssystem zu Hause - deutlich zu erkennen.

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