Gamescom 2019: Final Fantasy VII treibt die Nostalgie-Welle an

Gamescom 2019 : Warum Gamer gerne im Gestern leben

Die lange ersehnte Neuauflage des 20 alten Klassikers „Final Fantasy VII“ ist nur eine der Retro-Attraktionen auf der Gamescom. Es liegt im Trend, Altes und Bewährtes neu aufzulegen.

Computerspieler weltweit hielten den Atem an, als Adam Boyes am 15. Juni 2015 die Bühne des Convention Centers in Los Angeles betrat. Wenige Momente später sollte tosender Applaus die Halle erfüllen, in der Sony seine Pressekonferenz veranstaltete. Boyes, damals noch Vizepräsident des Branchen-Giganten, kündigte an, worauf Millionen von Fans schon lange gewartet hatten: die Neuauflage von Final Fantasy VII. Über 20 Jahre war es her, dass der japanische Spielehersteller Square (heute Square Enix) das Konsolen-Rollenspiel veröffentlich hatte. Seitdem wurden weltweit über zwei Millionen Exemplare verkauft und die Geschichte um Söldner Cloud Strife, Blumenmädchen Aerith und den skrupellosen Shinra-Konzern erlangte Kultstatus. Bis heute feiern Fans und Kritiker den siebten Teil der Final-Fantasy-Reihe als bestes Rollenspiel aller Zeiten. Doch woran liegt es, dass ein Spiel 20 Jahre nach der ersten Veröffentlichung noch immer eine solche Faszination auf uns ausübt?

Ein Blick auf die aktuellen Verkaufszahlen in Europa liefert einen Hinweis auf die Antwort. So gehört die neuste Version des Nintendo-Klassikers „Super Mario Bros“ für die Switch-Konsole zu den Erfolgstiteln des ersten Halbjahres. Damit hat in Zeiten von 3D und Virtual Reality ein Spiel die Nase vorn, das im Grunde genommen mehr als drei Jahrzehnte alt ist.

Bereits seit Jahren zeichnet sich in der Spielebranche ein Trend hin zu Wiederauflagen der erfolgreichsten Spiele der Gaming-Geschichte ab. Besonders populär sind dabei die Klassiker der 90er-Jahre. In die Jahre gekommene Titel wie „Secret of Mana“ (SNES), „Crash Bandicoot“ (PS1) oder „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“ (Game Boy) werden überarbeitet oder von Grund auf neu aufgelegt und erobern ein weiteres Mal die Wohnzimmer.

Auch die alten Spielekonsolen, die heute für mehrere Hundert Euro gehandelt werden, erleben eine Wiederkehr. Als Nintendo im Jahr 2017 eine Neuauflage des klassischen Super Nintendo veröffentlichte, war die Mini-Konsole in kürzester Zeit ausverkauft. Wer mit den alten Nintendo-Spielen aufgewachsen war, fühlte sich beim Spielen der 21 vorinstallierten Titel in seine Kindheit zurückversetzt. Und manch einer hatte schon beim Auspacken der kleinen Konsole das wohlige Gefühl, nach vielen Jahren einen alten Freund und Weggefährten wiederzutreffen. Mittlerweile haben auch Sony und Sega Mini-Versionen ihrer populärsten Konsolen auf den Markt gebracht oder angekündigt. Und auch der Urvater aller Spiele-Computer, der Commodore C64, wird im Dezember neu aufgelegt.

Es ist in erster Linie Nostalgie, mit der sich der Retro-Trend letztendlich erklären lässt. Die Spielebranche im Jahr 2019 wird vor allem von Diskussionen um die Politik der Gewinn-Maximierung der großen Unternehmen geprägt. Die Klassiker stellen da eine willkommene Abwechslung dar. Sie erinnern an eine Zeit ohne monatliche Abonnements und zusätzlichen Verkäufen von weiteren Spiele-Inhalten, in der sich die Entwickler vor allem ein Ziel setzten: die Fans zufriedenzustellen.

Aber nicht nur Spiele-Veteranen fühlen sich vom Retro-Trend angezogen. Trotz stetiger Konkurrenz durch Dauerbrenner wie der Fußball-Simulation „FIFA“ und dem Milliarden-Erfolg des Online-Spiels „Fortnite“ kommen die „Games von früher“ auch bei jüngeren Spielern gut an. Ihre Einsteiger- und Familienfreundlichkeit bringt Generationen vor dem Fernseher zusammen und ist ein weiterer Grund dafür, dass der Retro-Boom nicht abnimmt. Mittlerweile hat er die virtuelle Welt längst verlassen und ist auch in Mode und Pop-Kultur angekommen. Handyhüllen im Look der alten Konsolen erfreuen sich bereits seit Jahren großer Beliebtheit und Magazine wie „Retro Gamer“ befassen sich mit den klassischen Geräten und Spielen. In Deutschland und der Schweiz mieten Fans für das beliebte Rennspiel „Mario Kart“ sogar ganze Kinosäle an und kämpfen dort um Pokale – natürlich im Look der alten Klassiker.

So sah Aerith noch vor mehr als 20 Jahren aus. Foto: Square Enix

Ein Ende des Retro-Trends ist nicht in Sicht. Und auch auf der diesjährigen Gamescom in Köln stehen die Klassiker im Mittelpunkt. In neuem Gewand und optisch verjüngt laden uns vertraute Helden wie Mario und ihre rüstigen Mitstreiter auf eine Reise in die Vergangenheit ein.

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