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Spielekritik zu "Company of Heroes 2": Forderndes Echtzeit-Abenteuer

Spielekritik zu "Company of Heroes 2" : Forderndes Echtzeit-Abenteuer

Sieben Jahre nach dem ersten Teil bringt Relic nun "Company of Heroes 2" heraus. Das Ergebnis ist ein forderndes, intensives Echtzeit-Strategiespiel, in dem man auf sowjetischer Seite den Zweiten Weltkrieg durchleidet.

Maschinengewehrfeuer ertönt — von vorne, von links, von rechts, eigentlich von überall her. Rauch zieht auf und versperrt die Sicht, während irgendwo irgendetwas explodiert. Plötzlich erklingt im Geschützlärm der Motor eines nahenden Flugzeugs oder eines Panzers. Das haben auch einige der virtuellen Soldaten erkannt, deren laute Warnschreie vor einem erneuten Angriff sich tief in den Gehörgang bohren.

"Company of Heroes 2" ist kein Spiel für Leute, die sich entspannt zurücklehnen und eine Geschichts-Doku sehen möchten. Auf den Schlachtfeldern des Echtzeit-Strategiespiels geht es hektisch zu, passiert ständig etwas, muss man immer wieder reagieren und die Pläne anpassen. Nein, es nicht leicht, den Überblick zu behalten — und die virtuellen Einheiten zu lenken: Während man an einem Ende der Karte meint, alles im Griff zu haben, stehen die eigenen Truppen am anderen Ende der Karten gerade massiv unter Feuer und werden zurückgedrängt. Oft ist schon mit dem ersten Schuss jede gut durchdachte Strategie hinfällig geworden.

Sehr hektisch und gute KI

"Company of Heroes 2" ist ein sehr intensives, raues Spiel. Denn Relic hat sich noch mehr als beim Vorgänger alle Mühe gegeben, das Chaos und die Unvorhersehbarkeit einer Schlacht in das Echtzeitspiel einfließen zu lassen. Zumal sich die Gegner-KI alles andere als dumm anstellt: Sie versucht, mit ihren Truppen in die Flanke der Spieler-Einheiten oder in ihren Rücken zu fallen. Oder sie schickt schwache Einheiten vor, um dann genau dort durchzubrechen, wo man es nicht vermutet hätte. Selten waren Schlachten gegen einen Computer so fordernd und aufreibend.

Zur Atmosphäre tragen auch die neue Grafik und die neuen Effekte bei, die sehr viel besser aussehen als beim Vorgänger — aber auch einen entsprechend leistungsstarken PC voraussetzen. Wer den nicht hat, muss seine Ansprüche und die Einstellungen etwas herunterschrauben. Aber selbst auf der mittleren Qualitätsstufe sieht das Spiel immer noch gut aus. Nur bei der niedrigsten leidet die Atmosphäre deutlich. Als neues Feature ist die "Line of Sight" dazu gekommen. Selbst wenn man ein Areal mit Spähtruppen erkundet — man sieht nur das, was nicht durch ein Gebäude oder eine Mauer verstellt worden ist. Ebenso wenig offenbart sich das, was nicht im Blickfeld einer Einheit liegt. Das eröffnet neue taktische Möglichkeiten, um Gegner in einen Hinterhalt zu locken — oder selbst in einen zu laufen.

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Viele taktische Möglichkeiten und Unwägbarkeiten

Jede der Einheiten hat zudem bestimmte Fähigkeiten. Pioniere können Gebäude oder Fahrzeuge Sprengen und Panzerminen verlegen, Stoßtruppen sind mit Granaten ausgestattet, und bei Bedarf kann man noch einen Kommandanten aufs Schlachtfeld rufen. Von denen gibt es gleich mehrere, die unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen. Taktisch bietet das Spiel so viele Möglichkeiten — und Herausforderungen. Beispielsweise wenn man mitten im Gefecht optional den Angriff auf ein Haus verhindern kann, in dem sich noch Zivilisten aufhalten.

Ebenfalls neu sind die Missionen im Schnee und auf Eis bei klirrender Kälte, unter der die virtuellen Soldaten tatsächlich leiden und langsamer agieren oder sogar erfrieren, wenn man nicht auf sie achtet. Bisweilen kann man die Witterungsbedingungen auch als Waffe einsetzen: Eis lässt sich mit Granaten zerstören. Flüsse werden dadurch unpassierbar oder erweisen sich als tödliche Fallen. Ein plötzlich aufziehender Schneesturm dagegen behindert beide Seiten.

Lange Solo-Kampagne und Online-Schlachten

Die Solo-Kampagne ist für ein Echtzeit-Strategiespiel, das auf Online- und Koop-Gefechte als Langzeit-Motivation setzt, erstaunlich lang geraten. Die Einsatzgebiete sind recht groß, und es gibt meiste mehrere Aufgaben, die auf den Schlachtfeldern bewältigt werden müssen. Das Ganze ist eingebettet in eine Story, die aber klischeebeladen nicht mit der Qualität des Spiels selbst mithalten kann: Ein sowjetischer Offizier sitzt nach dem Krieg in einem Gefangenlager, weil er aufgrund seiner Erfahrungen den Glauben an die kommunistische Sache verloren hat. Es sind seine Erinnerungen, die man "durchlebt". Angefangen beim Vormarsch der deutschen Truppen im Sommer 1942 bis zur Eroberung Berlins. Der große Gerne-Konkurrent "Starcraft II" erzählt da eine packender inszenierte Geschichte mit interessanteren Charakteren — in besser gerenderten Sequenzen. Was aber die Schlachten und das Gameplay selbst angeht, ist "Company of Heroes 2" mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar ein wenig besser. Vorausgesetzt, man schafft die nötige Distanz zu dem historisch sensiblen Thema und betrachtet das Spiel wie den Tarantino-Film "Inglourious Basterds".

Bewertung

Grafik 8,0 von 10

+ bei entsprechend ausgestatteten Rechner sieht das Spiel sehr gut aus

+ sehr detailreiche, dynamische Grafik
- Zwischensequenzen können nicht mit der Grafikqualität des Spiels selbst mithalten

Sound 9,0 von 10

+ passende musikalische Untermalung

+ viel Sound-Effekte

Gameplay 9,0 von 10

+ bei höheren Schwierigkeitsgraden sehr gute KI

+ einfache Bedienung mit vielen taktischen Möglichkeiten

+ Bonus-Missionen während der Schlacht

+ Zufallsgenerator sorgt für weitere Herausforderungen
Langzeit-Motivation 9,0 von 10

+ Online-Schlachten gegen menschliche Gegner

+ Koop-Modus

+ Einzel-Gefechte abseits der Story-Kampagne

Gesamtwertung: 8,8 von 10

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bilder aus "Company of Heroes 2"

(RPO/felt/jco)