1. Digital
  2. Games

Amateur im virtuellen Dribbelfieber: "Fifa 14": Übung macht den Meister

Amateur im virtuellen Dribbelfieber : "Fifa 14": Übung macht den Meister

Ein paar Dinge stehen jedes Jahr fest: Karneval, Weihnachten, Neujahr und die neuste FIFA-Version von Electronic Arts. Dieses Jahr hat sich tatsächlich etwas verändert. Ob zum Besseren zeigt der Test.

Es ist schon einige Jahre her, dass ich intensiv Fifa gespielt habe. Irgendwann hatte ich drei Controller durch und mein linker Daumen tat weh. Ich legte eine Pause ein. Eine neun Jahre lange Pause. Nur sporadisch schaute ich noch in die jeweils aktuelle Version. Vor neun Jahren aber beherrschte ich das Toreschießen fast blind: ein schneller Flügelspieler, die Flanke ins Zentrum und Tor. Die eher uninspiriert daneben stehenden Abwehrspieler des Gegners hatten keine Chance. Das war auch der Zeitpunkt, an dem es langweilig wurde.

Und bei Fifa 14? Da verlor ich die erste Partie mit 0:5. Okay, ich bin etwas aus der Übung gekommen. Die zweite Partie endete in einem 0:4-Debakel. Immerhin ein Fortschritt. Und nun nach unzähligen Niederlagen kann ich mittlerweile ein Unentschieden und einen 3:0-Sieg vorweisen. Über die anderen Spiele legen wir den Mantel des Schweigens. Aber als Trainer wäre ich vermutlich gefeuert worden.

Es ist nicht mehr so einfach, den Ball zu versenken. Mit der Kreis-Taste (Playstation 3) schießt man. Nimmt man den linken Stick dazu, werden die Schüsse angeschnitten. Das klingt einfach, führt aber schnell zu Latten- oder Pfostentreffern. Dazu kommt, dass die Abwehrspieler mittlerweile durchaus intelligent agieren, früh stören oder gut stehen. Auch die etwas steifen Animationen der Vorgänger sind einem realistischeren Anlauf und Abstoppen, oder Gerangel um den Ball gewichen.

So realistisch, dass zufällige Zuschauer meiner Partien zuerst dachten, ich hätte Premiere abonniert — bis sie nach zwei, drei Sekunden merkten, dass es sich um eine Simulation handelt. Noch klarer wird das bei den simulierten Spielern. Einige sehen ihrem Vorbild sehr ähnlich, andere dagegen wirken wie entfernte Verwandte mit demselben Namen. Da hat sich nichts geändert und ruhen die Hoffnungen auf der Next-Gen-Version.

Virtuelle Kicker agieren intelligenter

Die Steuerung ist tatsächlich einfacher, intuitiver geworden — auch gegenüber dem direkten Vorgänger Fifa 13. Die virtuellen Spieler handeln zudem etwas selbstständiger. Man muss ihnen nur per Stick, Trigger und Button sagen, was man möchte. Um die Details kümmern sie sich gemäß ihren Fähigkeiten selbst. So läuft man als Abwehrspieler neben dem Gegner her, versucht ihn mit L2 abzudrängen oder drückt die Kreis-Taste: Dann zieht und zerrt man am Stürmer. Oder man wählt Quadrat und grätscht dazwischen. Bei falschem Timing kann das auch in einem Foul enden. Ich habe keine Partie beendet ohne mindestens eine Karte oder einen Elfmeter — gegen mich.

Ebenso intelligent geht es beim eigenen Angriff zu: Die Stürmer suchen die Lücken und versuchen, sich für einen guten Pass frei zu stellen. Dennoch: Das Kurz-Passspiel und Dribbling um das gegnerische Tor herum, und zurück, und wieder nach vorne auf der Suche nach der Lücke, ist nun der Schlüssel zum Erfolg. Und das wirkt auf jeden Fall realistischer als zuvor. Weniger realistisch: Kopfball-Treffer scheinen nun leichter zu gelingen.

Nervige Kommentatoren, träges Menü

Nervig sind dagegen die oft nicht zum Spielgeschehen passenden Kommentare von Manni Breukmann oder Frank Buschmann. Störend sind die etwas grob gezeichneten und pixeligen Zuschauer. Da kann man nur auf die Next-Gen-Version warten. Dafür ist der Fangesang nun stimmiger und ans Spiel angepasst. Als mir kurz vor Schluss in Unterzahl im Heimspiel gegen den FC Bayern ein 2:2-Ausgleichstreffer gelingt, schwellt der Jubel an. Das ist eine Spur mehr Atmosphäre als zuvor.

Was verwirrt, ist das etwas unübersichtliche Menü — das zudem etwas träge ist. So wird es zur Geduldsprobe, wenn man einen Auswechselspieler von Beginn an auf dem Platz stellen möchte. Die Reaktionszeit könnte besser sein. Oder ich bin zu schnell, was ich angesichts meiner FIFA-Erfolge nicht wirklich glaube.

Das alles ist aber Meckern auf hohem Niveau. Was bleibt, ist eine gute und unterhaltsame Fußball-Simulation, die niemals langweilig wird: Anders als in manchen echten Partien gibt es kein Abwarten, wird das Spiel nicht langsam angegangen. Es ist ein munteres Hin und Her. Oder bei Topmannschaften als Gegner der Versuch, sich gegen die Übermacht zu stemmen.

Wer das Spiel aber beherrschen möchte, benötigt etwas Einarbeitungszeit. Dafür eignet sich der Single-Player-Modus. Wenn man sich dann gut genug fühlt und die virtuellen Mannschaften keine Herausforderung mehr bedeuten, kann man im Online Partien gegen echte Gegenspieler führen — und in den Fifa -Ligen aufsteigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "PES 2014" vs. "Fifa 14"

(jov)