Steam Next Fest Die Demos von Indika und Pacific Drive haben es in sich

Düsseldorf · Zum Steam Next Fest im Februar 2024 haben wir 20 Spiele-Demos installiert und ausprobiert. Fünf Titel haben unsere Vorfreude auf den Release besonders geschürt.

Die Sünde zerreißt nicht nur Indikas Seelenheil, sondern auch gleich die Spielwelt.

Die Sünde zerreißt nicht nur Indikas Seelenheil, sondern auch gleich die Spielwelt.

Foto: Odd Meter/11 bit studios/Screenshot

Das Steam Next Fest ist immer eine gute Gelegenheit, in eine oder mehrere der unzähligen Demos reinzuspielen. Vor allem kleine Entwickler haben so die Möglichkeit, auf ihre Spiele aufmerksam zu machen und nicht in der Flut an Spielen auf der Plattform unterzugehen. Von zwanzig installierten Demos sind fünf auf unserer Festplatte übrig geblieben, die uns begeistert haben.

Indika

Der kasachische Entwickler Odd Meter hatte unsere Aufmerksamkeit schon im Herbst mit dem mitunter dystopisch wirkenden Teaser geweckt. Eine junge Nonne namens Indika im Russland des 19. Jahrhunderts hört die Stimme des Teufels, der nicht mit Aufforderung zur Sünde und mit Sarkasmus spart. Das für sich ist bereits ein ungewöhnlicher Ansatz.

 Licht und Schatten sind in Indika gern genutzte Stilmittel.

Licht und Schatten sind in Indika gern genutzte Stilmittel.

Foto: Odd Meter/11 bit studios/Screenshot

Die Demo besticht darüber hinaus durch eine verschneite und verlassene Welt, die allerdings sehr detailliert gestaltet ist. Das Dorf, das wir unter anderem erkunden, sieht so aus, als ob es von seinen Bewohnern erst wenige Tage zuvor verlassen wurde. Auf den Tischen stehen Speisen, Becher und Teller. An den Wänden hängen verruste Ölbilder, in den Schränken sind kleine Schreine aufgebaut. Immer wieder finden wir Relikte einer offenbar sehr religiösen Gemeinschaft.

Die Vertonung der Protagonistin ist, soweit wir das in der Demo hören konnte, hervorragend gelungen. Sie scheut sich nicht, dem Teufel in ihrem Kopf energisch zu antworten. Besonders die Klangkulisse hat es uns angetan. In ruhigen Passagen wird das Spiel von einer zum religiösen Hintergrund passenden tragenden orchestralen Musik getragen. In schnelleren Sequenzen wird diese plötzlich durch elektronische Beats durchstochen, was zunächst merkwürdig erscheint, dann aber erstaunlich gut funktioniert.

Nicht zuletzt waren die Rätsel, denen wir in der Demo begegneten, abwechslungsreich und klug inszeniert. So lässt sich Indika zu einer Sünde hinreißen, infolgedessen ihre Welt wahrhaftig zerrissen wird. Den Riss können wir vorübergehend durch Beten kitten. Hören wir mit dem Beten auf, zerreißt die Welt an der Stelle, an der wir gerade stehen, erneut.

Vertrieben wird Indika von 11 bit studios aus Warschau, was keine große Überraschung ist. Der polnische Publisher hat inzwischen so einige erfolgreiche Produktionen aus Osteuropa und darüber hinaus unter seinem Dach vereint. Vielen ist gemein, dass sie ernste politische und gesellschaftliche Themen behandeln.

Pacific Drive

Wenn der Deutsche sein Auto noch so liebt, wie er das mutmaßlich immer getan hat, müssten sich demnächst Millionen Deutsche Pacific Drive kaufen. Man nehme das Genre des Survival-Craft und mische eine Prise Roadtrip unter. Heraus kommt ein Spiel, bei dem wir im Minutentakt prüfen, ob unsere Reifen noch genug Luft haben. Ständig horchen wir, ob es unsere kleine Rostlaube auch gut geht und schauen, ob alle Teile noch da sind, wo sie hingehören.

Immer im Blick: der Zustand des Autos und das Navigationssystem.

Immer im Blick: der Zustand des Autos und das Navigationssystem.

Foto: Ironwood Studios/Kepler Interactive/Screenshot

Pacific Drive setzt uns ans Steuer einer Klapperkiste in ein von einer lebensbedrohlichen Anomalie verseuchtes Gebiet. Und dann gehts los. Es werden Ressourcen gesammelt, Ersatzteile zusammengeklöppelt und geflickt und repariert, was das Zeug hält. Schon auf den ersten Metern der Demo haben wir ernste Sorgen, unser Ziel lebendig zu erreichen. Die Kiste zieht ständig nach rechts, die Lenkung fühlt sich an wie Pudding und die gelb-grün strahlende Anomalie ist uns dicht auf den Fersen.

Das Erstlingswerk des in Seattle angesiedelten Studios Ironwood wirkt von vorne bis hinten durchdacht. Der Mix aus den zwei Genres klappt wirklich gut. Alle Mechaniken und Details, die wir in der Demo ausprobieren konnten, funktionierten reibungslos und ergaben im Kontext des Erlebten Sinn. Nachdem uns unser Gefährt auch nur einmal weggerollt war, weil wir die Handbremse nicht angezogen hatten, passierte uns das definitiv kein zweites Mal. Mit Publisher Kepler Interactive (Sifu, Scorn) haben sie sich zudem einen Vertrieb ausgesucht, der bereits bewiesen hat, dass er ein Gespür für ungewöhnliche Spiele hat.

Minami Lane

Das Gegenteil von Pacific Drive: Keine Flucht, keine Bedrohung, kein Auto. In dem gemütlichen Aufbauspiel Minami Lane erweitern wir eine Straße im japanischen Stil um Geschäfte, Wohnhäuser, Parks und mehr. In pastellfarbener Comicgrafik sehen wir unseren Bewohnern dabei zu, wie sie sich an Ramen und Tee erfreuen. Die einzige Herausforderung im ersten Demo-Level besteht darin, die Rezepte der angebotenen Speisen so lange zu optimieren, bis unsere Kunden restlos zufrieden sind. Mehr Hähnchen im Ramen? Oder doch lieber mehr Ei? Minami Lane ist ein Spiel für den entspannten Feierabend und die beruhigende Runde zwischendurch.

Wer würde nicht in so einer gemütlichen Straße wohnen wollen?

Wer würde nicht in so einer gemütlichen Straße wohnen wollen?

Foto: Doot/Blibloop/Screenshot

Dystopika

Klingt bedrohlich, ist es aber gar nicht. In Dystopika errichten wir mit wenigen Klicks eine Cyberpunk-Metropole. Das Spiel schaut stark beim Prinzip von Townscaper ab, jedoch nicht bei dessen fröhlicher Optik. Die Hochhäuser, die wir errichten, drehen und in die Höhe ziehen, sind zunächst tiefschwarz. Richtig kombiniert können wir die aus dem Cyberpunk bekannten Megabuildings errichten, also wahre Wolkenkratzer. Mit einem zweiten Anstrich verpassen wir sowohl Fassaden als auch den kleinen Straßen dazwischen bunte Neon-Reklamen. Fliegende Autos beginnen, sich am Nachthimmel wie Vogelschwärme zu tummeln. Ein Hologramm eines Wals erleuchtet die Nacht.

Unsere Metropole wächst in den schwarzen Nachthimmel.

Unsere Metropole wächst in den schwarzen Nachthimmel.

Foto: Voids Within/Screenshot

News Tower

Vielleicht liegt es an unserem Beruf, aber ein Game, in dem man eine Zeitung managt: Das hat was. In News Tower gilt es, eine heruntergewirtschaftete Zeitung im New York der späten 1920er-Jahre wieder zu Ruhm und Ehre zu bringen. Wir dürfen mit spärlichen Mitteln Reporter anheuern, Arbeitsplätze einrichten und natürlich Papier kaufen. Am Ende jeder Woche heißt es: Andruck! Die Zeitung muss gefüllt sein, und zwar nicht mit den Nachrichten der vergangenen Woche, wenn wir unsere Auflage steigern wollen.

 In unserem kleinen Verlagsgebäude wird es schnell eng.

In unserem kleinen Verlagsgebäude wird es schnell eng.

Foto: Sparrow Night/Twin Sails Interactive/Screenshot

Die Mechaniken des Spiels sind zwar leicht zu durchschauen, aber nicht langweilig. Jeder Reporter hat drei Fachgebiete, in denen er auch im Level aufsteigen kann. Wir können also nicht jeden Mitarbeiter zu jedem Termin schicken. Aus manchen Terminen ergeben sich Anschlussgeschichten, die, wenn wir sie rechtzeitig ins Blatt bekommen, uns einen zusätzlichen Bonus auf die verkaufte Auflage verleihen. Die Polizei macht es uns manchmal schwer, an eine gute Story heranzukommen. Die Mafia auf der anderen Seite lockt uns mit dem Angebot zusätzlicher Mittel, wenn wir in ihrem Sinne bestimmte Themenfelder besonders häufig oder auch gar nicht beackern.

Die Demo hat es jedenfalls direkt in der ersten Spiel-Woche geschafft, dass wir angespannt zwischen Andruck- und Reporterfenster hin und herschauten, ob die dringend benötigte Geschichte noch rechtzeitig fertig wird.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort