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Durchgespielt: "Splinter Cell: Blacklist": Der Schleicher: Sam Fisher ist zurück

Durchgespielt: "Splinter Cell: Blacklist" : Der Schleicher: Sam Fisher ist zurück

Geheimagent Sam Fisher ist zurück und kehrt in Blacklist zu seinen spielerischen Wurzeln zurück: Verstecken, Schleichen und alles zum Wohl der USA geben. Publisher Ubisoft präsentiert ein gelungenes Spiel, das die Geduld auf angenehme Weise auf die Probe stellt.

Sam Fisher ist wieder da. Der Mann neben dem die US-Ikone "Uncle Sam" wie ein Schuljunge, Jack Bauer aus der TV-Serie "24" wie ein Daumenlutscher und James Bond wie ein Stümper wirkt. Dabei hat Fisher eigentlich nach den Ereignissen im Vorgänger Convinctions keinen richtigen Job mehr.

Aber natürlich sorgen böse Terroristen wieder für Arbeit: Gerade in dem Moment, als er mit seinem alten Kumpel Vic Coste im Hubschrauber davon fliegen möchte, verüben sie einen Anschlag auf den US-Militär-Stützpunkt in Guam.

Und der ist laut der Terroristengruppe "Engineers" erst der Anfang: Wenn die USA nicht umgehend alle ihre Truppen im Ausland zurückbeordern, werden die Feinde alle sieben Tage einen weiteren verheerenden Anschlag auf die Vereinigten Staaten verüben. Das sei die "Blacklist".

Das Spiel lässt einem zum Glück viele Freiheiten

Die US-Präsidentin Patricia Caldwell ruft daraufhin die Elitetruppe "Fourth Echelon" ins Leben und setzt den Veteranen Sam Fisher als deren Kommandanten ein. So weit zum typischen Tom-Clancy-Vorgeplänkel, aus dessen urpatriotischer Feder Sam Fisher stammt.

Im Verlauf der Story macht der Über-Agent dann aber das, was ihn berühmt gemacht hat: Er dringt in streng bewachte Anlagen oder Areale ein. Und dabei lässt das Spiel einem zum Glück viele Freiheiten und alternative Wege. Man kann als "Ghost" unbemerkt vorankommen — und ohne einen Gegner zu töten.

Als "Panther" bleibt man zwar ebenso unbemerkt, setzt aber auf letale Waffen. Oder der Spieler verzichtet auf jede Eleganz und kämpft sich als "Assault" den Weg einfach frei. Keine der Spielweisen muss der Spieler indes vorab festlegen, sondern er entscheidet während der Missionen stets selbst, wie er vorgeht. Am Ende werden dafür Punkte vergeben. Den höchsten Score erhält man aber nur dann, wenn man einer Spielweise treu geblieben ist.

Drei unterschiedliche Spielweisen

Während "Assault" etwas für Ungeduldige ist, sind es insbesondere "Panther und noch mehr "Ghost", mit denen Blacklist punkten kann: Vorsichtig schleicht Fisher vorwärts, nutzt jede Deckung und schießt zur Not Lampen aus, um im Dunklen zu bleiben.

Der Spieler beobachtet die Gegner samt ihrer Laufwege und kann so die nächsten Schritte vorausplanen, um ungesehen weiter zu kommen. Sehr gelungen ist das neue Deckungssystem, bei dem eine Taste reicht, um weiterzuhuschen.

Mit Nachtsichtgerät und Sonar erkennt man zudem die Wachen, mit Geräuschminen kann man sie ablenken und in späteren Missionen mit einem ferngesteuerten Tricopter aus einem sicheren Versteck heraus betäuben. Ist ein Gegner alarmiert, zeigt ein Schattenumriss, wo der Fisher vermutet — damit man ihn umgehen, von hinten niederschlagen und dann verstecken kann.

Das ist aber nicht immer leicht, denn die Gegner-KI gewinnt zwar keinen Intelligenztest, aber sie erfüllt ihren Zweck: nämlich Sam Fisher das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Die vorsichtige Vorgehensweise zerrt bisweilen an der Geduld und ist eine Herausforderung, an der man mehrmals scheitern kann. Unfair ist das Spiel dabei niemals wirklich, und die Speicherpunkte sind recht gut gesetzt. Aber Blacklist ist bisweilen recht schwer, und immer wieder ertappt man sich dabei, wie man am liebsten alle Vorsicht über Bord werfen und mit rauchenden Colts voranstürmen möchte.

Die Missionen sind gut, das Drumherum dafür eher mau

Nach erfolgreicher Mission befindet man sich wieder an Bord der fliegenden Einsatzzentrale Paladin, sprich einem Flugzeug, das man erkunden kann. Das macht aber nur anfangs Spaß. Oder aber man redet mit seinen Teammitgliedern, erfährt so einige Details und kann noch zusätzliche Neben-Aufträge übernehmen.

Das verdiente Geld kann man an Bord der Paladin zudem in den Ausbau des Flugzeugs stecken — oder in eine bessere Ausrüstung: Der Anzug, die Brille, die Waffen, die Stiefel, die Handschuhe — alles lässt sich an die eigene Spielweise anpassen.

Als "Panther" oder "Ghost" beispielsweise zieht man möglichst geräuscharme Kleidung vor, der "Assault" dagegen bevorzugt alles, was möglichst viel Treffer einstecken und noch mehr austeilen kann.

Blacklist macht in den Missionen sehr viel Spaß. Abseits davon sieht es dagegen etwas mau aus. Leider bleiben die Begleiter etwas blass. Fisher selbst aber kommt alles andere als sympathisch rüber: Immer hat er den Durchblick. Er weiß alles besser und er weist seine Kameraden gerne auf ihre Fehler hin. Das sorgt offenbar für so viel Frust im Team, dass sich irgendwann alle gegenseitig angiften.

Dazu kommt der schlichte Tom-Clancy-Patriotismus, den Fisher aus jeder virtuellen Pore verströmt. Wenn man das ausblenden kann, ist die völlig an den Haaren herbeigezogene Geschichte durchaus spannend erzählt. Und an dem, worauf es tatsächlich ankommt, den Missionen und dem Gameplay, gibt es kaum etwas auszusetzen.

Wertung

Grafik 8,0 von 10

+ abwechslungsreiche Settings

- gute, aber nicht herausragende Grafik

Sound 7,5 von 10

+ guter Soundtrack und exzellente Geräuschkulisse

+ gute Synchronisation

- in einigen Missionen wechseln Wachen von Deutsch zu Englisch und zurück

Gameplay 9,0 von 10

+ flüssige, einfache Steuerung

+ ausgezeichnetes Deckungssystem

+ teils sehr schwierige Level

+ mehrere alternative Wege je nach Spielweise

- Level nicht sonderlich groß

Story 7,5 von 10

+ spannend und kompromisslos inszeniert

- US-Patriotismus durch und durch

Gesamtwertung 8,5 von 10

Hier geht es zur Bilderstrecke: Screenshots "Splinter Cell: Blacklist"

(jov)