Coin Master: Das sagt der Hersteller zu Vorwürfen von Jan Böhmermann

Kritik an Smartphone-Spiel für Kinder : Jan Böhmermann attackiert „Coin Master“ - das sagt der Hersteller zu den Vorwürfen

Ein Smartphone-Spiel für Kinder, das simuliertes Glücksspiel gegen echtes Geld anbietet: Die Vorwürfe gegen die App „Coin Master“ durch TV-Moderator Jan Böhmermann haben die Bundesprüfstelle auf den Plan gerufen. Jetzt äußert sich der Hersteller des Spiels.

Eine der jüngsten Ausgaben der Sendung „Neo Magazin Royale“ von Satiriker und TV-Moderator Jan Böhmermann zieht immer weitere Kreise. In der Show vom 10. Oktober kritisiert Böhmermann das Smartphone-Spiel „Coin Master“ scharf. Es rege Kinder und Jugendliche zum Glücksspiel an, für das echtes Geld fällig werde. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien leitete kurz nach der Sendung ein Verfahren ein, bei dem geprüft werden soll, ob das Spiel möglicherweise indiziert wird. Das sei dann möglich, wenn es geeignet sei, „die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden.

Es ist eine bunte Welt, die Spieler in der Welt der Smartphone-App „Coin Master“ erwartet. Zwischen niedlichen Tieren und Häusern in Comic-Optik geht es darum, ein eigenes Dorf aufzubauen, gegen Angriffe anderer Spieler zu verteidigen und seinerseits andere Dörfer zu attackieren. Die Währung, um Handlungen im Spiel vornehmen zu können: virtuelle „Coins“. Diese können erspielt werden, an einem simulierten Spielautomaten, allerdings nicht unbegrenzt. Wer häufiger als fünf Mal in der Stunde um „Coins“ spielen möchte, muss echtes Geld ausgeben.

Die Kritik von Böhmermann: Kinder und Jugendliche seien hierfür besonders anfällig und würden durch die Mechanismen zum Einsatz von echtem Geld verleitet. Die bunte Welt sei wie für Kinder gemacht. Zudem hätten bei Jugendlichen beliebte Influencer und Promis in der Vergangenheit Werbung für „Coin Master“ gemacht. Dazu zählten Bianca „Bibi“ Heinicke, bekannt durch ihren Youtube-Kanal „BibisBeautyPalace“, Popmusiker und TV-Juror Dieter Bohlen und Reality-Star Daniela Katzenberger. Weiterhin kritisiert Böhmermann, dass hinter dem Spielautomaten kein echtes Zufallsprinzip stecke. Stattdessen handele es sich nur um simuliertes Glücksspiel, für das aber trotzdem echtes Geld fällig werde.

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich der Betreiber der App nun in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ; kostenpflichtiger Inhalt): Das israelische Gaming-Unternehmen Moon Active verteidigt seine App. „Coin Master ist eine Spiele-App und keine Glücksspiel-App.“ Die Käufe von virtueller Währung gegen echtes Geld („In-App-Käufe“) seien „weitverbreitet in der Spieleindustrie“, zitiert die FAZ aus der Stellungnahme. Deshalb sei man „extrem überrascht“, dass die App nun von der Bundesprüfstelle untersucht werde.

Trotz der kindlichen Optik: Moon Active widerspricht in dem Bericht auch der Darstellung, dass sich das Spiel besonders an Kinder richte: „Das Spiel ist nicht für Kinder designt“. Das Unternehmen räumt allerdings ein, mit dem Engagieren der Influencerin „Bibi“ einen Fehler gemacht zu haben. „Wir bereuen, Bibi engagiert zu haben“, äußert sich die Firma in der FAZ. „Wir haben Schritte unternommen, unser Geschäftsverhältnis mit Bibi zu beenden und haben alle Marketingkampagnen mit Bibi gestoppt.“ Das Unternehmen rechtfertigt sich zudem mit seiner Unerfahrenheit. Die Kooperation mit „Bibi“ sei nicht über eine Marketingagentur gelaufen. „Deshalb waren wir uns der potentiellen Attraktivität von Bibi bei Kindern nicht bewusst.“

„Coin Master“ ist die einzige App, die Moon Active bisher herausgebracht hat. Zu den Unterstützern soll laut Böhmermann über Umwege auch die Online-Wettindustrie stecken. In seiner Sendung sagte er, der ehemalige Bwin-Chef Norbert Teufelberger habe „ein Unternehmen beraten, das in Moon Active investiert hat“. Teufelberger entgegnet dem in der FAZ: „Ich habe noch nie von dem Unternehmen oder seinen Produkten gehört.“ Er habe nur vor Jahren in ein Unternehmen investiert und dieses auch beraten, das bis ins Jahr 2017 Anteile an Moon Active gehalten hat.

Schon im August hatte die Landesmedienanstalt NRW angekündigt, „Coin Master“ überprüfen zu lassen. Die App könnte nach Ansicht von Jugendschützern als Einstiegsdroge in die Welt des Glücksspiels wirken, hatte das Magazin „Spiegel“ berichtet (kostenpflichtiger Inhalt). Allerdings drehte sich die Prüfung laut Deutscher Presse-Agentur weniger um den Inhalt, als um die Werbung für die App.

Werbung dürfe sich nicht direkt an Kinder richten, sagte ein Sprecher der Landesmedienanstalt in Düsseldorf. Die Kommission für Jugendmedienschutz solle überprüfen, ob hier möglicherweise ein Verstoß vorliege. Prüfkriterien könnten etwa sein, wie die Werbung aufgemacht sei und wann und wo sie gezeigt werde. Vor allem dürfe es keine Kaufappelle geben - weder für die App noch in der Spiele-App selbst.

Der „Spiegel“ zitierte zudem eine Studie der Uni Hamburg, der zufolge virtuelle Spielgeld-Casinos wie „Coin Master“ zum echten Glücksspiel verführen können. Besonders gefährdet sind demnach jüngere Spieler. Von mehr als 5000 befragten Zockern hätten 54 Prozent angegeben, dass sie auch um virtuelles Geld spielen.

Allein auf der Smartphone-Plattform Android haben laut Google Play Store mehr als 50 Millionen Nutzer die App „Coin Master“ installiert. Hier wurde die Altersbeschränkung infolge der Kritik mittlerweile auf „ab 16 Jahren“ heraufgesetzt.

Mit Material von dpa.

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