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"Borderlands 2" im Spieletest: Cartoon-Shooter mit Diablo-Gefühl

"Borderlands 2" im Spieletest : Cartoon-Shooter mit Diablo-Gefühl

Game-Check: Borderlands 2

Der neue Shooter von "Gearbox" räumt Bestnoten wie am Fließband ab. Die coole Optik, die brachiale Action und der teils derbe Humor machen das Spiel zu einem der Favoriten auf den Titel "Spiel des Jahres". Schon der Vorgänger war ein absoluter Hit. Im Test klären wir, ob die Vorschusslorbeeren berechtigt sind.

Mittlerweile ist es 00:34 Uhr. Eigentlich sollte ich darüber nachdenken, schlafen zu gehen, immerhin ist morgen ein normaler Arbeitstag. Leicht fällt es mir aber nicht, das Spiel zu beenden und den Computer herunterzufahren. "Borderlands 2" zieht mich einfach in seinen Bann. Noch eben die gerade gestartete Quest erledigen, danach die neue Waffe, die ich als Belohnung bekommen habe, ausprobieren und so weiter. Ich komme mir manchmal vor wie einem Action-Rollenspiel wie "Diablo 3". Die Motivation, neue Waffen zu finden, Level aufzusteigen und Aufträge zu erledigen, nimmt nicht ab — genau das macht "Borderlands 2" so besonders.

Als im Oktober 2010 der erste Teil der Serie auf den Markt kam, hat wohl im Vorfeld niemand damit gerechnet, wie erfolgreich das Spiel sein wird. Lob von allen Seiten, eine große Community und gute Verkaufszahlen haben bewiesen, wie gut der Comic-Shooter funktioniert. Allein die optische Besonderheit des Titels hat eine Menge Aufmerksamkeit erregt — zu Recht, denn hinter der verspielten Grafik bot das Spiel eine ganze Menge. Viele Quests, massig abgedrehte Waffen und skurrile Charaktere bildeten eine fantastische Spielwelt. Entsprechende Erwartungen an den zweiten Teil waren vorprogrammiert. Doch schon in frühen Versionen des Spiel kristallisierte sich heraus, dass auch "Borderlands 2" das Potenzial zum Hit hat. Mehr Waffen, mehr Aufträge, eine größere Spielwelt und noch verrücktere Ideen erwarten den Spieler.

Wie aus Rollenspielen bekannt erstellt der Spieler zu Beginn des Spiels seinen eigenen Charakter. Dabei kann er zwischen vier Klassen wählen, die unterschiedliche Fähigkeiten haben. Der "Gunzerker" ist besonders gut im Umgang mit schwerem Geschütz, der "Assasine" dagegen kann seine Gegner täuschen, während die "Sirene" Bösewichte mit ihren Gedanken kontrollieren kann. Die vierte und letzte Klasse in "Borderlands 2" ist der "Commando", er kann sich einen Geschützturm zu Hilfe holen, der ihm Feuerunterstützung bietet. In dem sehr coolen Intro vor der Charakterwahl werden die verschiedenen Klassen kurz vorgestellt. Wer sich also noch nicht für eine Klasse entschieden hat sollte sich das Video genau anschauen.

Haben wir das Spiel gestartet, werden wir von einem alten Bekannten aus dem ersten "Borderlands" begrüßt. Der vorlaute Roboter "Claptrap" erteilt uns unseren ersten Auftrag. Die funktionieren teilweise wie in klassischen Rollenspielen: Töte 10 Monster, besorge einen Energiekern oder befreie Person XY. Für abgeschlossene Aufträge erhält man Erfahrungspunkte und Geld. Sobald der Spieler ein neues Level erreicht, können wir unserem Alter Ego neue Fähigkeiten verleihen. Der "Commando" zum Beispiel kann dann mehr Kugeln einstecken oder mehr Schaden verursachen. Zudem hat jeder Charakter eine klassenspezifische Fähigkeit.

Alleine durch die Spielwelt "Pandora" zu ziehen und auf die Jagd zu gehen macht schon enorm Spaß. Deutlich cooler ist es aber, mit einem Verbündeten loszuziehen. Durch die sehr gute Online-Anbindung ist es sehr einfach, Spiele zu finden, die dem Level unseres Charakters entsprechen. Konsolenspieler haben dabei noch einen Vorteil: zwei Spieler können gleichzeitig mit geteiltem Bildschirm spielen. Das macht das Ganze deutlich geselliger.

Technisch sind sich die Versionen für die Konsolen und den PC nahezu identisch. In der PC-Variante hat der Spieler allerdings die Möglichkeit, noch ein wenig an den Grafikdetails zu basteln, um so das Maximum aus dem Spiel herauszuholen. Grafisch sieht das Spiel schon in der Einstellung auf mittleren Details mit Kantenglättung sehr hübsch aus. Der sehr stimmige Comic-Look passt wie die Faust aufs Auge in die abgedrehte Welt von "Borderlands 2". In der Spielwelt, die ein wenig an die "Mad Max"-Filme erinnert, gibt es jede Menge kleine Details, die aufmerksamen Spielern auffallen werden. Versteute Missionen, Kisten und Gegner warten nur darauf, gefunden zu werden.

Um "Borderlands 2" durchzuspielen, muss man durchschnittlich mehr als 50 Stunden investieren. Die riesige Spielwelt und die vielen Aufträge lassen dabei keine Langeweile aufkommen. Nachdem man die ersten zwei-drei Stunden des Spiels erledigt hat, nimmt der Titel von "Gearbox" immer mehr an Fahrt auf. Viele verschiedene Gegnertypen, eine Unzahl an Waffen und schöne Landschaften lassen den Ausflug nach "Pandora" nie langweilig werden. Besonders das Einsammeln neuer Waffen hat eine enorme Sogwirkung. Fast jede Wumme hat spezielle Fertigkeiten, von denen manche besser gegen einen bestimmten Typ Gegner funktionieren als andere.

Was im Vorfeld als potenzieller Hit angekündigt wurde, hat sich bewahrheitet. "Borderlands 2" ist der erwartet gute Shooter. Größer als der Vorgänger, noch mehr kuriose Charaktere und mehr Spielspaß. Die einzigartige Grafik des Spiels verleiht "Pandora" einen ganz besonderen Charme, den sonst kein Shooter zu bieten hat. Die gelungene Einbindung des Charaktersystems und der motivierenden Gegenstandssuche bringen Abwechslung in das sonst so einseitige Genre. Wer noch nie etwas von "Borderlands 2" gehört hat, sollte zugreifen. Fans des ersten Teils können sich freuen, dass der Nachfolger noch besser geworden ist.

Mittlerweile ist eine absurde Diskussion um den Titel ausgebrochen. Im offiziellen Forum des Spiel beklagen einige Spieler, es gebe "zu wenig Gewalt" in "Borderlands 2". Im ersten Teil waren die Auswirkungen von Schusswunden und Explosionen deutlich explizierter dargestellt worden. Da das Spiel in allen Ländern ungeschnitten und unzensiert erscheinen sollte, haben die Entwickler in ihrem neuen Werk die Brutalität deutlich gesenkt. "Gearbox" freut sich über das Feedback der Fans, erklärt aber, dass man auf eine Gewaltdarstellung wie im ersten Teil der Serie verzichten will. Ein Update das deutlich mehr Action beinhaltet, sei aber nicht ausgeschlossen.

(sap)