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RP Plus: Der nächste George W. Bush

RP Plus : Der nächste George W. Bush

Düsseldorf (RPO). Barack Obamas konservative Gegenkandidaten wagen sich allmählich aus der Deckung. Gute Chancen hat Rick Perry, dessen politischer Ziehvater George W. Bush ist. Kein Wunder, dass er viel mit dem früheren US-Präsidenten gemeinsam hat.

Onkel Sams Kreditwürdigkeit ist herabgestuft, die Kassen sind leer, die europäische Schuldenkrise drückt auf die Stimmung. Es ist ein Sommer der Pessimisten in Amerika. Hellt sich der Konjunkturhimmel nicht bald auf, muss sich Barack Obama ernste Sorgen um seine Wiederwahl im Herbst 2012 machen. Die ersten konservativen Gegenkandidaten aus dem Lager der Republikaner wagen sich aus der Deckung. Ein aussichtsreicher ist Rick Perry. Wie einst George W. Bush ist er Gouverneur von Texas, wie Bush will er ins Weiße Haus ziehen, mit Sprüchen, die noch konservativer klingen als die Parolen seines politischen Ziehvaters.

Die burschikose Art, der breite texanische Dialekt, die symbolischen Cowboystiefel — es gibt manches, was Rick Perry und George W. Bush gemeinsam haben. Als Bush ins Weiße Haus einzog, beerbte ihn Perry im Gouverneursamt zu Austin. In den Neunzigern waren die beiden sonntags in dieselbe Kirche gegangen, hatten ihre Kinder auf dieselbe Schule geschickt. Kurzum, sie waren Busenfreunde, wenn nicht persönlich, so doch auf alle Fälle politisch. Heute erweckt Perry den Eindruck, als sei ihm die Nähe eher peinlich. Bush hat in seinen Augen konservative Werte verraten. Er ließ die Staatsausgaben ausufern und schnürte im Strudel der Finanzkrise ein milliardenschweres Bankenrettungspaket, statt Pleitekandidaten untergehen zu lassen, wie es die reine Lehre verlangt. "Fiskalisch war Bush kein Republikaner", tadelt Perry und verspricht, es selber ganz anders zu machen.

Perfekte Biografie: Er wuchs in einfachsten Verhältnissen auf

Seit Sonnabend bewirbt sich der 61-Jährige ums Oval Office, und allein das Timing verrät gesundes Selbstvertrauen. Während seine Parteifreunde bei der Straw Poll, einem Stimmungstest in Iowa, um die Wählergunst buhlten, stellte er sich in South Carolina auf eine sternenbannergeschmückte Bühne, um seinen Hut in den Ring zu werfen — und den Konkurrenten die Schlagzeilen zu stehlen. Perrys Worte ließen an Ronald Reagan denken. Mit Pathos erinnerte er an den strahlenden Optimisten, der inmitten von Selbstzweifeln amerikanische Glorie beschwor und den die Republikaner seitdem wie einen Säulenheiligen verehren. "Das Versprechen unserer Zukunft ist groß, viel größer als selbst die besten Tage, die hinter uns liegen", verkündete der Kandidat.

Anders als Bush, der Spross einer alten Gelddynastie, wuchs er in einfachsten Verhältnissen auf. Seine Eltern rackerten auf einer Baumwollfarm in Paint Creek, einem winzigen Kaff im Westen von Texas. Er selbst schaffte den Sprung aufs College, wo er mit mäßigem Erfolg Agrarwissenschaften studierte. Danach heuerte er bei der Luftwaffe an, um Transportflugzeuge zu steuern, kehrte irgendwann zurück nach Paint Creek und beschloss, sein Glück in der Politik zu versuchen. Was bemerkenswert ist: Perry begann bei den Demokraten, organisierte 1988 sogar die texanische Wahlkampagne des Präsidentschaftsanwärters Al Gore, bevor er zu den Konservativen wechselte, wo er rasch Karriere machte.

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Vom Baumwollfeld in die politische Spitzenetage: Mit so einer Biografie kann man punkten, weiß Perry, gerade in Zeiten, da die Tea Party das Misstrauen gegen alles schürt, was nach Elite und Establishment riecht. In Paint Creek, schrieb er in seiner Autobiografie "Fed Up!", habe er das Wesentliche fürs Leben gelernt. "Wir glaubten an Gott und daran, dass man sich selbst helfen muss, ebenso wie dem Nachbarn. Und wir glaubten, dass Amerika die größte Nation auf Erden ist."

Der entschlossene Texaner

Gern erzählt er davon, wie er kurzerhand einen Koyoten erschoss, der den Hund seiner Tochter bedrohte. Der entschlossene Texaner, die Flinte stets griffbereit — gegen die Skizze hat er nichts einzuwenden. Vor wenigen Tagen leitete er in Houston ein Massengebet, groß inszeniert mit Blick auf die bevorstehende Bewerbung. Fast 30.000 Gläubige senkten andächtig die Köpfe, während er den Allmächtigen um Beistand in der Wirtschaftsmalaise anflehte: "Vater, unser Herz bricht für Amerika". Der Rest des Landes, predigt der Gouverneur, möge sich einfach ein Beispiel an Texas nehmen. Hat der "Lone Star State" nicht ein Drittel aller Arbeitsplätze geschaffen, die seit 2008 in den USA entstanden? Hat er die Rezession nicht am besten gemeistert?

Sieht man genauer hin, ist es ein Wirtschaftswunder mit Fragezeichen. Wer einen Job ergattert, bekommt oft nur den Mindestlohn. Überproportional viele Arbeitnehmer sind nicht krankenversichert. Zurzeit boomt die Ölbranche, eine Folge stark gestiegener Rohölpreise, doch das kann sich ändern, Texas kennt solche Fieberkurven. Ein Vorbild für Amerika? Es gab Zeiten, da dachte Perry eher über eine Loslösung nach. Vor zwei Jahren, als texanische Sezessionisten ihre Stimme erhoben, schloss er die Abspaltung von den Vereinigten Staaten zumindest nicht aus. "Wenn Washington das amerikanische Volk weiter an der Nase herumführt, wer weiß, wohin das noch führen kann", drohte er kryptisch. Vielleicht ist es heute seine Achillesferse.