RP Plus: Das seltsame Einkaufsverhalten der Deutschen

RP Plus : Das seltsame Einkaufsverhalten der Deutschen

Es klingt ganz einfach: Man geht in den Laden, kauft Lebensmittel ein und geht wieder. Doch nichts ist so einfach, wie es scheint. Das offenbart nun eine Online-Befragung bei den deutschen Konsumenten.

Es klingt ganz einfach: Man geht in den Laden, kauft Lebensmittel ein und geht wieder. Doch nichts ist so einfach, wie es scheint. Das offenbart nun eine Online-Befragung bei den deutschen Konsumenten.

Es muss schnell gehen, es muss einfach sein und vor allem darf nichts dabei stören. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage im Auftrag von Aldata. Der ist eigentlich ein IT-Dienstleister, der sich auf die Optimierung von Prozessen in Handel, Distribution und Logistik spezialisiert hat. Aber er wollte eben auch wissen, was die Käufer denken.

Und ja, die Deutschen haben die Euro-Krise und die möglichen wirtschaftlichen Folgen zwar verinnerlicht. Das heißt aber nicht, dass sie nun anfangen, weniger einzukaufen. Nur 14 Prozent der Deutschen sagen, dass sie in Krisenzeiten ihren Konsum einschränken würden (NRW: 16,32 Prozent). Bei den Briten dagegen sind es 28 Prozent. Da sind die Deutschen wesentlich krisenfester. Doch dafür möchten die Teutonen vor allem eins: Sparen, wo es nur geht. Für dieses Ziel sind sie sogar bereit, mehrere Geschäfte zu besuchen. Zumindest gab das mit 32 Prozent ein knappes Drittel der Befragten an. Und den Wunsch teilen sie mit den Verbrauchern in Großbritannien (36 Prozent) und Frankreich (33 Prozent). Zumindest im Bundesdurchschnitt. In den einzelnen Bundesländern kann das ganz anderes aussehen. In NRW beispielsweise gaben das nur 30,5 Prozent an, in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein dagegen sind es 41 Prozent. Dort scheint mal also besonders stark auf jeden Cent zu achten.

Für den Händler indes bedeutet diese große Wechselbereitschaft: Ist ein Käufer unzufrieden, hat man ihn bereits verloren. Schließlich besuchen die meisten ohnehin mehrere Geschäfte. Und diese Absetzbewegung nimmt nicht dadurch ab, dass etwas den Einkauf stört oder zumindest als störend empfunden wird.

Lange Wartezeiten sind frustrierend

Und als Störfaktor kommt einiges in Betracht. Mehr als die Hälfte der Befragten in NRW (55,26 Prozent, Bundesschnitt: 53,1 Prozent) empfindet es als frustrierend, wenn die gewünschten Produkte ausverkauft oder nicht erhältlich sind. Gut, das kann man noch nachvollziehen. Aber in NRW fühlten sich auch 45,8 Prozent von langen Wartezeiten an der Kasse gestört. Das ist zwar etwas weniger als im Bundesschnitt (48,4 Prozent), aber dennoch eine große Mehrheit. Mit anderen Worten: Einer der sichersten Wege, Konsumenten zu vergraulen, ist es, Kassen nicht zu besetzen. Wenn der Deutsche etwas will, will er es eben schnell. Vor allem, wenn es ums Essen geht. Für etwa ein Drittel sind entsprechend auch unübersichtliche Gänge, in denen die Waren versteckt erscheinen, ein Störfaktor, der Zeit kostet. Die Ära der Jäger und Sammler ist eben doch vorbei.

Händler sollten nichts umräumen

Doch die Zahlen sind nichts gegen das, was vor allem frustrierend und alles andere als positiv gesehen wird: 90 Prozent glauben nicht, dass es zu ihrem Vorteil ist, wenn der Händler umräumt und Produkte an einem anderen Platz aufstellt. 80 Prozent rechnen mit einem höheren Zeitaufwand nach so einer Neuordnung des Angebots, was als zeitraubend und darum frustrierend empfunden wird. Es muss eben schnell gehen. Und wenn etwas nicht an seinem angestammten Platz ist, geht dem Deutschen mehr oder weniger der Hut hoch. Das, zusammen mit der grundlegenden Bereitschaft, mehrere Läden zu besuchen, könnte also für Frust sorgen — dann aber vor allem bei dem Händler. Schließlich sagen sieben Prozent, dass sie das Geschäft sofort verlassen würden, wenn der Flächenplan sich grundlegend ändert.

Dabei genießen Supermärkte mit 51 Prozent den Vorzug vor Discountern mit 43 Prozent. Bio-Läden dagegen werden im Schnitt nur von ein bis fünf Prozent der Befragten besucht. Sie spielen also anscheinend keine große Rolle. Zumindest fast. Denn Thüringen und Sachsen scherrt am aus dem Durchschnitt aus: Dort sagen 13 Prozent der Befragten, dass sie in Bio-Läden einkaufen.

Jüngere bevorzugen Discounter, Ältere den Supermarkt

Doch auch bei der Präferenz für Supermärkte oder Discounter zeigt sich ein Unterschied. Nur nicht regional, sondern altersmäßig. Denn die 18- bis 34-Jährigen bevorzugen eher Discounter. Erst ab 35 ändert sich das Bild und sind Supermärkte vorn. Bei der Gruppe 55+ sogar ganz besonders stark. Mit 63 Prozent sagen knapp zwei Drittel der Älteren, dass sie lieber im Supermarkt einkaufen. Das könnte möglicherweise an den höheren Einkommen mit zunehmendem Alter liegen oder an einer steigenden Bequemlichkeit. Schließlich werben Supermärkte damit, dass es dort ja an sich alles gibt und eine Einkaufsfahrt an sich reicht.

Dem gegenüber steht, dass im Bundesschnitt etwa 44 Prozent sagen, dass sie eher zu Händler- oder Eigenmarke greifen statt zu den teueren Premium-Produkten. In NRW ist der Anteil mit 52,11 Prozent sogar noch größer, in Bayern mit mehr als 55 Prozent sogar am stärksten. Und je jünger Konsumenten sind, desto größer ist die Bereitschaft, die No-Name-Produkte zu kaufen. Das ist kein Vergleich zu Großbritannien (35 Prozent) oder Frankreich (26 Prozent), wo man eher Vertrauen zur Markenware hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alle Wochenmärkte im Überblick

(seeg)
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