Cebit startet nach Verjüngungskur mit neuem Konzept

Digitalisierungsmesse: Cebit startet nach Verjüngungskur mit neuem Konzept

Lernende Roboter, eine „Stehende Welle“ und ein weithin sichtbares Riesenrad - die Cebit zeigt in dieser Woche, dass es ihr ernst ist mit der fundamentalen Neuausrichtung der einstigen Computermesse.

Die Cebit ist am Montag mit einem vollkommen umgekrempelten Gesamtkonzept an den Start gegangen. In der Branche wird mit Spannung erwartet, ob der neue Ansatz für die einst weltgrößte Computerschau aufgeht. Die Expo wird von einem Konferenzprogramm und einem Festival samt Popkonzerten begleitet und will ein deutlich jüngeres Publikum ansprechen als bisher.

Die Deutsche Messe zeigte sich zum Auftakt vom Erfolg überzeugt. Auch die Cebit-Veranstaltungen der letzten drei Jahre seien jeweils erfolgreich gewesen, betonte Oliver Frese, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe, am Montag in Hannover. Man habe jedoch die jungen Leute nicht mehr erreichen können. „Dies Zielgruppe erwartet andere Formate als eine traditionelle Messe.“ Das werde die Cebit nun ab diesem Jahr bieten.

Intel zeigt Flugtaxi

Die neue Cebit solle „gelebte digitale Transformation“ sein, sagte Frese. „Das digitale Heute verstehen, das digitale Morgen entdecken“ - darum gehe es in dieser Woche auf dem Messegelände. „Die Industrie ist diesen Weg begeistert mitgegangen.“ Während Microsoft als langjähriger Aussteller in diesem Jahr nicht dabei ist und auch die Telekom ihren Auftritt merklich reduziert hat, konnten die Veranstalter neue Kunden wie Facebook oder Oracle gewinnen. Insgesamt werden rund 2800 Aussteller erwartet.

Intel zeigt etwa das erste bemannte Flugtaxi Volocopter auf seinem Stand sowie eine „stehende Welle“. Aus den Augen des Surfers sollen Besucher mit Hilfe von High-tech-Kameras und Künstlicher Intelligenz in Echtzeit die Tour mit einer Virtual-Reality-Brille miterleben können.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI demonstriert an seinem Stand, wie Roboter etwa in Indien oder China per „Fernlehrgang“ neue Fertigkeiten erlernen können. Ein optisches Highlight kommt von SAP. Schon am Montag war das Riesenrad des Software-Spezialisten auf dem Campus der Messe in Hannover weithin sichtbar. Es könnte das Zeug dazu haben, ein neues Wahrzeichen der Cebit zu werden.

Die fundamentale Neuausrichtung sei ein „mutiger, aber auch notwendiger Schritt“, sagte Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. Ob der Wandel gelinge, werde man jedoch voraussichtlich erst in zwei oder drei Jahren bemessen können.

Suche nach Fachkräften

Die Digitalwirtschaft in Deutschland zeigt sich derweil in guter Verfassung. Die Umsätze der ITK-Branche steigen nach Schätzungen des Bitkom in diesem Jahr um 1,7 Prozent auf 164 Milliarden Euro. Voraussichtlich wird mit 1,13 Millionen die Zahl der Beschäftigten um 3,8 Prozent steigen. Allerdings wächst auch der Fachkräftemangel mit. Laut Bitkom fehlen aktuell 55.000 IT-Spezialisten.

Der Bitkom rückt auf der Cebit deshalb auch die Suche nach Fachkräften in den Mittelpunkt seines Auftritts. Auf dem Freigelände hat der Verband auch ein „Recruiting Center“ eingerichtet. „Die Digitalisierung schafft viele spannende und lukrative Jobs - und auch völlig neue Perspektiven“, sagte Berg. In Hannover wolle der Verband zeigen, „dass die Digitalisierung spannend ist und Spaß macht“.

Den Mangel an Fachkräften sehen einer Studie des Bitkom zufolge 42 Prozent der Unternehmen in Deutschland als Hürde für den Einsatz neuer Technologien. Aber auch die neue Datenschutzgrundverordnung werde als Hemmschuh gesehen: 63 Prozent der in der am Montag vorgestellten Studie befragten Unternehmen sehen demnach die entsprechenden Anforderungen als Hürde für den Technologie-Einsatz. Es gebe bislang „keine wirklich funktionierende Balance zwischen dem Schutz von Privatsphäre und der Nutzung von Daten“, kritisiert Berg.

Neun von zehn Unternehmen in Deutschland sehen dem Bitkom zufolge die Digitalisierung als große Chance, doch nur 23 Prozent investieren demnach in digitale Geschäftsmodelle. Die Bedeutung der Digitalisierung sei erkannt, nur bei der Umsetzung hapere es noch, sagte Berg. 32 Prozent der Befragten Führungskräfte gaben wegen voller Auftragsbücher fehlende Zeit als Grund dafür an - „Digitalisierung gibt es aber nicht zum Nulltarif“, betonte Berg.

(eler/dpa)