Taxi-Alternative: Wie Uber auf Kuschelkurs mit Europa gehen will

Taxi-Alternative: Wie Uber auf Kuschelkurs mit Europa gehen will

Die Taxi-Industrie schimpft und klagt gegen Uber, aber auch Teile der Tech-Szene sehen das Unternehmen wegen des laxen Umgangs mit Nutzerdaten kritisch. Jetzt hat der Uber-Gründer Travis Kalanick einen seiner seltenen Besuche in Deutschland absolviert. Sein heeres Ziel: Die Stimmung gegen Uber zu verbessern.

"Okay, bringen wir es hinter uns", seufzt Travis Kalanick, nachdem er einen Vortrag über sein Unternehmen Uber gehalten hat und sich nun den Fragen einer Journalistin und des Publikums stellen wird. Er weiß: Das Publikum ist nicht einfach. Es ist der erste Tag der DLD Conference, eine Innovationskonferenz, die zum elften Mal im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos von Hubert Burda Media in München veranstaltet wird.

In den letzten Monaten geriet Uber immer wieder in die Schlagzeilen: Der Kampf der Taxi-Lobbyisten gegen die alternative Transport-App, Ärger wegen einer Auswertung von One-Night-Stands der Kunden, Ärger wegen des Preisanstiegs, als bei der Geiselnahme in Sydney die Menschen aus dem Stadtzentrum flüchten wollten und plumpe Drohungen gegen kritische Journalisten. Um sein Ansehen scheint sich Uber in den vergangenen Monaten nicht groß gekümmert zu haben.

Jetzt will Uber auf Kuschelkurs gehen - vor allem mit Europa. Seinen Zuhörern erklärt Kalanick, dass Uber eigentlich eine europäische App ist. Ihm und seinen Freunden ist die Idee zu Uber in Paris gekommen, als sie scheiterten, ein Taxi zu bestellen. "Warum gibt es keine App, mit der ich auf Knopfdruck ein Auto bestellen kann", wunderte sich der Gründer vor einigen Jahren.

Inzwischen will Uber aber mehr als ein Taxi-Dienst sein. Uber geht es um Effizienz im Verkehr. Die Fahrer bekommen eine Vorhersage, in welchen Gebieten die Nachfrage in einer Viertelstunde am Höchsten sein wird. In Paris gibt es bereits neben dem Chauffeurdienst und der Taxi-Alternative "UberPop" auch den Dienst "uberPool", mit dem sich Kunden eine Fahrt teilen. So wird der Fahrpreis günstiger, der Fahrer verdient dennoch genug. Die Fahrpreise würden so stark sinken, dass es sich nicht mehr lohne, ein eigenes Auto zu besitzen. Das Ziel: Transport sollte so günstig und verfügbar wie Wasser sein.

Dabei werden Autos heute höchst uneffizient genutzt. 96% der Zeit stehen sie ungenutzt rum. Aber sie nehmen 15% der Stadtfläche in Anspruch. Das sei laut Kalanick eine Verschwendung.

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Uber sieht sich durch die Gesetze in Europa gebremst. Vor dem Internetzeitalter haben die Regeln für den Fahrgast Sinn gemacht: Die gelbe Farbe, die geeichten Taximeter und die Prüfung der Ortskenntnisse für Fahrer gaben den Passagieren Sicherheit. Im Zeitalter des Internets sind diese Regeln aber überholt. Die Funktionen können vom Smartphone übernommen werden. Ubers Vorwurf: Die Regeln sind heute nicht mehr für die Sicherheit der Kunden da, sondern um die bestehenden Taxi-Industrie zu schützen. So hat sich die Zahl der Taxen in New York in den vergangenen 60 Jahren nicht verändert. In diesem Jahr will sich Uber deswegen verstärkt in Europa für die Veränderung der Regulierung einsetzen.

Uber als Jobmotor?

Uber will mit einem weiteren Versprechen punkten und bezeichnet sich als Jobmotor. In zehn Jahren verspricht Uber 10.000 neue Jobs in Paris. Alleine in diesem Jahr sollen in diesem Jahr in der EU 50.000 neue Jobs entstehen. Die Zahl könnte sich laut Kalanick im kommenden Jahr verdoppeln.

In diesem Jahr will Uber zudem Partnerschaften mit EU-Städten eingehen, um die Grundlage für smarte Städte zu legen. 400.000 Autos sollen in diesem Jahr von den Straßen der EU verschwinden, weil die Kunden durch Uber auf eigene Autos verzichten können. Umweltschutz, Jobmotor und effizientere Verkehrssysteme. Mit dieser Mischung will Uber Europa umarmen. Wie gut diese Jobs sind und ob Uber seine Haltung verändert, damit Pannen, wie die One-Night-Stand-Auswertung, nicht mehr passieren, konnte Kalanick nicht erklären. "Ich werde jetzt öfter hier sein", so Kalanick. Das sollte er auch, denn Fragen sind noch offen.

Hier geht es zur Infostrecke: Was genau macht Uber eigentlich?

(dafi)