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WhatsApp - Was Facebook jetzt unbedingt ändern muss

Facebook hat WhatsApp-Übernahme abgeschlossen : Was Facebook jetzt bei WhatsApp unbedingt ändern muss (und was nicht)

Deutschland liebt WhatsApp. Es gibt keine andere App die so häufig auf deutschen Smartphones installiert ist. Jetzt hat Facebook den angekündigten Kauf abgeschlossen. Nutzer machen sich Sorgen über die mächtige Rolle von Facebook im Messenger-Markt. Wir geben Facebook fünf Tipps, damit WhatsApp jetzt nicht gegen die Wand fährt.

WhatsApp mit mehr als 600 Millionen Nutzern gehört jetzt offiziell zu Facebook. Das weltgrößte Online-Netzwerk gab den Abschluss der Übernahme am Montag bekannt. Zuvor hatte die EU-Kommission die WhatsApp-Übernahme durchgewunken. Facebook hatte wiederholt zugesichert, WhatsApp werde weiterhin unabhängig arbeiten. Die Daten der beiden Dienste sollen nicht vermischt werden. WhatsApp betont, möglichst wenig Daten über seine Nutzer zu sammeln, während Facebook davon lebt, Werbepartnern gezielten Zugang zu gewünschten Nutzergruppen zu gewähren.

Allein in Deutschland hat WhatsApp mehr als 32 Millionen aktive Nutzer. Das sind 70 Prozent der mehr als 40 Millionen Smartphones in Deutschland. Zum Vergleich: Facebook gab im Januar an, in Deutschland 27 Millionen aktive Nutzer zu haben.

Nicht alle Nutzer freuen sich über die Übernahme. Aber in ihr steckt auch eine Chance. Wir haben Punkte gesammelt, die an WhatsApp unfassbar nerven. Wenn Facebook diese Probleme in den Griff bekommt, könnte aus der Hassliebe zu WhatsApp eine echte Freundschaft werden.

1. Schafft eine Kultur, die Sicherheitslücken unmöglich macht. Immer wieder fällt WhatsApp mit peinlichen Sicherheitslücken auf. Erst vor wenigen Tagen meldete ein Fachmagazin, dass der Online-Status eines Nutzers mit einem simplen Trick abgefragt werden kann, obwohl dieser durch die Sicherheitseinstellungen versteckt werden sollte. Seit Jahren fällt WhatsApp mit dilletantischen Fehlern wie diesen auf. Das darf künftig nicht mehr passieren. Die ungründliche Programmierung überrascht nicht: Anfang des Jahres hatte WhatsApp gerade einmal 50 Mitarbeiter, davon 25 Entwickler. Facebook hatte im Sommer mehr als 7000 Mitarbeiter.

2. Arbeitet technisch sauberer. Das rasante Wachstum von WhatsApp bleibt nicht spurlos. Immer wieder gab es in jüngster Zeit Ausfälle. Nutzer konnten zum Tiel mehrere Stunden den Messenger nicht nutzen. Ironischerweise häuften sich die Zwischenfälle seit Facebooks Ankündigung, den Service übernehmen zu wollen. WhatsApp-Nutzer können darauf hoffen, dass die App von Facebooks technischer Erfahrung rund um Infrastruktur profitieren wird. Auch von den Entwicklern: Vor Monaten ist WhatsApp mit einer Verschlüsselungsmethode aufgefallen, die es Hackern möglich machte, WhatsApp-Nachrichten im gleichen WLAN-Netzwerk zu empfangen und zu verschicken, wenn die Gerätenummer des Opfers bekannt war. So etwas darf bei so einem mächtigen Messenger nicht wieder passieren.

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3. Erklärt besser, was ihr macht. WhatsApp reagiert auf das weltweite Interesse mit einer Regel: Schweigen! Der Twitter-Account mit aktuellen Hinweisen zu Problemen hat zuletzt am 22. Februar eine Nachricht abgesetzt, obwohl es seit dem mehrere größere Pannen gegeben hat. Auf dem Firmenblog sind für dieses Jahr gerade einmal drei Geschichten zu finden. Gründer Jan Koum gibt darüber hinaus kaum Interviews. Die zahlreichen Pannen hinterlassen viele verunsicherte Nutzer. Selbst eine einfache Information, dass WhatsApp auf Fehlersuche sei, kann da schon helfen. Eine selbst stumme Kommunikationsplattform wirkt unseriös.

4. Bleibt ohne Werbung. Im Sommer 2012 hat WhatsApp noch erklärt, warum die App keine Anzeigen verkauft. Dort heißt es:

"Bei jedem Unternehmen, das Anzeigen verkauft, verbringt ein erheblicher Teil des Engineering-Teams seinen Tag damit, die Datenanalyse zu optimieren, besseren Datensammel-Code zu schreiben, die Server, auf denen alle diese Daten gespeichert sind, zu aktualisieren und dafür zu sorgen, dass alles protokolliert, sortiert, in Scheiben geschnitten, verpackt und verschickt wird. Und am Ende des Tages ist das Ergebnis des Ganzen ein etwas anderes Werbebanner in Ihrem Browser oder auf Ihrem Smartphone. Sobald Werbung im Spiel ist, sind Sie, die Nutzerin, der Nutzer, das Produkt."

Als hätte WhatsApp das Geschäftsmodel von Facebook beschrieben. Im Januar dürfte WhatsApp-Gründer Jan Koum bereits mit Facebook über einen Deal nachgedacht haben. Zur gleichen Zeit berichtet er bei einem Auftritt in Deutschland, dass seit der Gründung seines Unternehmens auf seinem Bildschirm das Post-it klebt: ”No Adds, No Games, No Gimmicks.” ("Keine Werbung, keine Spiele, keine Gimmicks"). Koum glaubt, dass die Menschen bereit sind für den Service zu bezahlen, und nicht für die App.

5. Öffnet euch für Firmen. Mittlerweile hat sich WhatsApp zu einer spannenden Kommunikationsplattform entwickelt. Viele Nutzer bevorzugen die App zur Kommunikation. In den kommenden Monaten werden wir erleben, wie Unternehmen und Medienanbieter erste Gehversuche auf WhatsApp unternehmen. Sie wollen dort sein, wo ihre Kunden sind. Während hier in anderen sozialen Netzwerken feste Regeln herrschen, ist dies bei WhatsApp noch nicht geregelt. WhatsApp sollte Regeln anbieten, damit Kunden auf ihren bevorzugten Wegen auch mit Unternehmen kommunizieren können, ohne dabei Gefahr zu laufen, mit Spam bedroht zu werden.

Facebook zahlt mehr Geld für WhatsApp

Der Deal ist zum aktuellen Aktienpreis rund 21,8 Milliarden Dollar (rund 17,4 Mrd Euro) wert. Bei der Ankündigung der Übernahme im Februar war noch von bis zu 19 Milliarden Dollar die Rede. Doch seitdem ist der Kurs der Facebook-Aktie gestiegen. Daher sind die 223,7 Millionen Facebook-Aktien, die an Besitzer und Mitarbeiter von WhatsApp gehen, mehr wert. In bar fließen an die früheren WhatsApp-Eigentümer 4,59 Milliarden Dollar.

Der Mitgründer und Chef von WhatsApp, Jan Koum, soll künftig nur einen Dollar als Jahresgehalt erhalten - bekommt aber zugleich Facebook-Aktien im aktuellen Wert von knapp zwei Milliarden Dollar.

(dafi)