Neuer Hype um FaceApp – doch was passiert mit den Bildern?

Aus Alt mach Jung : Neuer Hype um FaceApp – doch was passiert mit den Bildern?

Alt aussehen – das ist der neue Hype im Internet. Promis haben die FaceApp für sich entdeckt. Eine KI berechnet, wie eine Person im Alter aussehen könnte – und das ziemlich realistisch. Doch die Bilder landen auf einem Server in Russland.

Wer wissen möchte, wie er in 30 Jahren aussehen könnte, kann sein Bild in der FaceApp hochladen. Ein Algorithmus berechnet dann zusätzliche Falten, graue Haare und blassere Haut. Die App für iPhones und Android-Handys gibt es schon seit 2017, doch Promis wie etwa die Jonas Brothers oder auch Fernsehkoch Gordon Ramsay haben sie vor kurzem wiederentdeckt. Seit ein paar Tagen überfluten Tausende Beiträge unter dem Kürzel #faceapp die Twitter- und Instagram-Plattformen.

Zahlreiche Internetseiten haben allerdings mal einen Blick in die AGB der App geworfen. Jedes Bild wird nicht etwa lokal auf dem Handy bearbeitet. Stattdessen landen alle hochgeladenen Bilder auf einem Server in Russland, denn für die Berechnung ist die Leistung der Server nötig. Beim Start der App stimmt jeder Nutzer den AGB zu. Diese erlauben der App ebenfalls, weitere Daten wie etwa den Browserverlauf oder den Standort auszulesen. Das Vorgehen ist zwar nicht neu, in Verbindung mit dem Gesicht des Nutzers aber nochmal eine Stufe kritischer.

So kritisch, dass sogar Chuck Schumer, Fraktionsführer der Demokraten im US-Senat, das FBI aufgefordert hat, Ermittlungen aufzunehmen und sich die App mal genauer anzusehen. Insbesondere solle die Behörde klären, ob es Verbindungen gebe zwischen den App-Entwicklern und der russischen Regierung. Angesichts der Präsidentschaftswahlen in den USA 2020 befürchte Schumer eine erneute Einmischung Russlands. „Im Zeitalter der Gesichtserkennung zu Überwachungs- und Sicherheitszwecken ist es unerlässlich, dass Nutzer über alle Informationen verfügen, die sie benötigen, um die Sicherheit ihrer persönlichen und biometrischen Daten zu gewährleisten“, schrieb Schumer in seinem Antrag.

Auch der oberste deutsche Datenschützer hat seine Zweifel gegenüber der boomenden App geäußert.

. Es gebe Besorgnis, „dass wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten“, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) am Donnerstag in der Radiosendung „SWR Aktuell“. Der Datenschützer monierte unter anderem „schwammige Nutzungsbedingungen“. Besorgniserregend sei auch, dass nur wenig darüber bekannt sei, wer hinter FaceApp stecke.

Angesichts der Vorwürfe verfassten die Entwickler der App eine Stellungnahme auf der Technologieseite Techcrunch.com. Darin schreiben sie, dass zwar die Bilder in Russland bearbeitet würden, die Nutzerdaten aber würden in der Google-Cloud und somit außerhalb Russlands gespeichert. Ebenfalls würden alle Fotos nach 48 Stunden wieder gelöscht, die erhobenen Nutzerdaten würden auch nicht an Dritte weitergegeben. Über die App könnten Nutzer zudem die Löschung ihrer Daten anfordern. Dafür müssten Nutzer unter „Einstellungen/Support/Fehler melden“ eine Anfrage mit dem Betreff „privacy“ senden. Zu guter Letzt würden sich 99 Prozent der Nutzer in der App nicht mit ihrem Namen einloggen, die Verbindung von Bild und Person sei aber nur dann möglich.

Mit Material der dpa.

(chal)
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