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Messenger-Dienst im Visier: NRW will gegen Inhalte auf Telegram vorgehen

Rechtsextremismus, Drogenhandel und Pornografie : NRW will gegen Inhalte auf Telegram vorgehen

Regeln gelten nicht nur für Facebook und YouTube, sondern auch für Telegram. Das sagt die Landesanstalt für Medien NRW und will deshalb jetzt gegen Rechtsverstöße, illegale Aktivitäten und Gewaltbotschaften auf dem Messengerdienst Telegram vorgehen.

Das sagte der Direktor der Landesmedienanstalt, Tobias Schmid, am Donnerstag in Düsseldorf bei der Präsentation einer Studie, die Rechtsverstöße auf Telegram untersuchte. Die Wissenschaftler fanden illegale Aktivitäten insbesondere in den Bereichen Rechtsextremismus, Drogenhandel und Pornografie.

Für die Studie scannten Jakob Jünger und Chantal Gärtner von der Universität Greifswald fast 360.000 Telegram-Mitteilungen, von denen sie 4700 genauer auf verbotene Inhalte und die Verbreitung von Desinformationen untersuchten. Diese fanden sich in 633 Kanälen und 280 Gruppen zu Themen wie Extremismus, Waffen- und Drogenhandel, Diskriminierung, Betrug, Kriegsverherrlichung, Verschwörungstheorie, Pornographie und Gewaltverherrlichung.

Durch die gestiegenen regulatorischen Anforderungen an Plattformen wie Facebook oder Twitter, die zunehmend Nutzer wegen ihrer Äußerungen sperrten, wendeten sich viele Akteure Telegram zu. Telegram nehme Löschungen bisher proaktiv nicht wahr, heißt es in der Studie. Der Messengerdienst biete zudem anders als beispielsweise WhatsApp die Möglichkeit, Gruppen mit bis zu 200.000 Mitgliedern zu führen. Ähnlich wie auf Twitter können Nutzer außerdem Kanäle und deren Inhalte abonnieren.

Dadurch entstehe eine verdeckt-verteilte Öffentlichkeit, befand Jünger. Diese sei für soziale Kontakte, kreativen Ausstausch und Meinungsfreiheit notwendig. Die Medienregulierung müsse aber auch vor Diskriminierung schützen.

Kritik übte Medienwächter Schmid auch an der Organisationsform von Telegram, die angeben, das Entwicklerteam sitze derzeit in Dubai. Telegram entziehe sich strukturell der Rechtsdurchsetzung. Freiheit im Netz könne aber nur funktionieren, wenn Regeln eingehalten werden, sagte Schmid und kündigte an, die Aufsichtstätigkeit seines Hauses entsprechend zu erweitern.

Der Studie nach gehören Messengerdienste wie WhatsApp oder der Facebook-Messenger in Deutschland zu den meistgenutzten Internetanwendungen. Telegram erreicht laut Studie nach eigenen Angaben monatlich weltweit aktuell rund 400 Millionen Nutzer.

(felt/epd)