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Deutsche Post AG scheitert mit eigener "WhatsApp"-Alternative

"SIMSme"-App hat viele Kinderkrankheiten : Deutsche Post scheitert mit Einführung von sicherer WhatsApp-Alternative

Es sollte der große Wurf der Deutschen Post werden: "SIMSme" will die sicherere Alternative zum Messenger "WhatsApp" sein. Doch Nutzer scheitern schon bei der Anmeldung. Trotz Kinderkrankheiten sollte die App jetzt nicht abgeschrieben werden. Zwar wird sie WhatsApp nicht gefährlich, aber ein anderer Konkurrent muss jetzt aufpassen.

Mit 500 Jahren Erfahrung in der Übermittlung von Nachrichten bewirbt die Deutsche Post AG stolz ihre neue App "SIMSme". Umso peinlicher sind für das Unternehmen die ersten Reaktionen der Nutzer. In sozialen Netzwerken beschweren sich Tester über zahlreiche Probleme. Auch auf den Download-Plattformen für iOS und Android bewerten die Nutzer die App unterdurchschnittlich. Im Google-Play-Store hat jeder zweite Bewerter lediglich nur einen Stern vergeben.

Im App-Store von Apple kritisiert der Nutzer "Mickimacki" ernüchtert: "Funktioniert ja gar nicht. Netzwerkfehler und Abstürze." Dem Nutzer "Super Uwe" ergeht es so, wie vielen anderen auch: "Wenn ich mich registrieren könnte, würde es mehr Sterne geben. Ich bekomme immer eine Fehlermeldung!" Der Tester "XY ungelöst" hat zwar die Einstiegshürde gemeistert, ist aber dennoch nicht glücklich.: "Schöne App - jetzt fehlen nur noch die Nutzer aus dem Freundeskreis."

Post stockt Kapazitäten auf

Die Nutzer beschweren sich über Fehlermeldungen bei der Installation. In einigen Fällen sei die Anmeldung unmöglich, weil angeblich die Telefonnummer schon angemeldet sei. Andere beschweren sich über häufige Abstürze beim Versenden oder Öffnen von Nachrichten.

Auch beim Test unserer Redaktion funktionierte die App nicht ordentlich. Bei der Anmeldung ist ein "Netzwerkfehler" angezeigt worden. Erst mehrer Stunden später konnte die Registratur an den Server übermittelt werden. Auch bei den Testnachrichten gab es mehrere Komplettabstürze der Post-App. Der Frust vieler Tester ist nachvollziehbar.

Die Deutsche Post gibt an, mit dem Ansturm der Nutzer nicht fertig geworden zu sein. Die Serverkapazitäten sollen kurzfristig erweitert werden. Einige Internet-Dienste sprechen bereits von einem "unglaublichen Fehlstart" und sehen das Projekt schneller scheitern als der Briefversand, wenn es keine schnelle Fehlerlösung gibt. Abzuschreiben ist "SIMSme" aber dennoch nicht.

Wunsch nach sicherer Kommunikation

Wenn die Deutsche Post AG die Kinderkrankheiten in den Griff bekommt, hat die App gute Chancen ein Erfolg zu werden. Allerdings wird sie nicht dem Branchenprimus "WhatsApp" gefährlich.

"SIMSme" kommt wegen der Sicherheitsaspekte gut an. Durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird ein hoher und verlässlicher Schutz der Daten versprochen. Die Kommunikation soll über deutsche Server laufen. Seit mehreren Monaten ist die Messenger-App "Threema" auf Platz 1 der kostenpflichtigen Android- und iOS-App-Charts. Obwohl es mächtige Messenger wie "WhatsApp" oder den "Facebook Messenger" gibt, geben die Nutzer ca. 1,79 Euro aus, um verschlüsselt im Freundeskreis kommunizieren zu können.

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Für "Threema" wird "SIMSme" gefährlich. Die Post-App setzt auch auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, hat aber einen bekannteren Hersteller, ist einfacher zu benutzen und ist günstiger. "SIMSme" ist zunächst kostenlos - nur wer Nachrichten nutzen möchte, die sich selbstzerstören, muss einmalig 89 Cent bezahlen.

Auch weitere Details machen "SIMSme" für sicherheitsliebende Nutzer attraktiv: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen müssen die Anwender im Gegensatz zu anderen Diensten keine Zustimmung dazu erteilen, dass Inhalte wie Bilder von den App-Entwicklern über alle Kanäle weiterverbreitet werden dürfen. Auch die Nutzerlisten werden verschlüsselt.

Hinzukommt, dass das Design der App und das Auftreten im Netz modern und der Sprache der Nutzer entspricht. Während amerikanische Internet-Konzerne dieses Auftreten auf Augenhöhe beherrschen, ist dies für deutsche Unternehmen bisher ein ungewohntes Bild.

(dafi)