Handy-Überwachung erkennen Wie gefährlich sind Spionage-Apps?

Düsseldorf · Spionage-Apps auf dem Smartphone sind längst keine düstere Zukunftsmusik mehr. Sondern können unbefugten Personen Zugriff auf Nachrichten, Browserverläufe, Anruflisten und Chats ermöglichen. So erkennen und entfernen Sie schädliche Software von Ihrem Handy.

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Foto: dpa-tmn/Fairphone

Eine fremde Person verschafft sich Zugang zum Handy, sieht alle Fotos, liest die Chat-Verläufe und schnüffelt völlig ungestört im Leben eines anderen Menschen herum. Was nach einer gruseligen Dystopie klingt, ist leider gar nicht so unwahrscheinlich. Denn Spionage-Apps existieren schon seit langer Zeit und auch Privatpersonen können Opfer schädlicher Software werden. Das Problem: Die Spyware ist auf dem Smartphone schwer zu finden, denn die Programme laufen unsichtbar im Hintergrund und fallen nicht weiter auf.

Wer ist betroffen?

Schlechte Nachrichten für Android-Nutzer: Durch den Open-Source-Charakter des Betriebssystems sind die Geräte im Gegensatz zum iPhone anfälliger für Fremdzugriffe. Während Apple auf ein geschlossenes System setzt und die Apps in seinem Store streng kontrolliert, haben Android-Entwickler mehr Freiheiten. Wer Wert auf Datenschutz legt, sollte sich also eher für ein iPhone entscheiden. Dadurch nimmt man allerdings auch ein kleineres App-Angebot und weniger Anpassungsmöglichkeiten in Kauf. So ist beispielsweise der Flash-Player auch 2024 noch nicht auf Apple-Geräten nutzbar.

Installierte Apps durchsuchen

Werfen Sie einen Blick auf die Apps, die auf Ihrem Handy installiert sind. Sofern Sie auf eine auffällige App stoßen, kann das ein Hinweis für eine mögliche Datenschutz-Lücke sein. Geläufige Spionage-App sind beispielsweise „Spyzie“, „mSpy“, „FlexiSpy“ oder „TheTruthSpy“. Die Nutzung dieser Apps ist illegal, wenn die überwachte Person nicht ausdrücklich zugestimmt hat.

Sollten Sie den Verdacht haben, dass ihr Gerät ausspioniert wird, können Sie dies auf folgende Weise überprüfen: Klicken Sie in den Einstellungen auf „Apps & Benachrichtigungen/Spezieller App-Zugriff/Unbekannt“ und überprüfen Sie die Liste der App. Es sollte bei allen App „nicht zulässig“ stehen. Finden Sie eine App, bei der ein Fremdzugriff zugelassen ist, könnte dies auf eine Überwachung hindeuten.

Datenverbrauch im Blick behalten

Eine Spy-App ist sehr umfangreich im Hinblick auf die Funktionen. Sie erspäht nicht nur Daten, sondern schickt diese auch an den Überwachenden. Dabei handelt es sich um Nachrichten, Chatverläufe und natürlich auch E-Mails und Browserverläufe. Befindet sich die ausspionierte Person außerhalb eines WLAN-Netzwerks, wird zur Übertragung das mobile Wifi-Netz des Smartphones genutzt. Auf diese Weise erhöht sich der Datenverbrauch um ein Vielfaches. Sofern Ihr Verbrauch plötzlich höher als gewohnt ist, sollten Sie alarmiert sein. Auch eine verringerte Akku-Leistung kann auf Schadsoftware hinweisen.

Spionage-App vom Smartphone entfernen

Das Entfernen der App ist in den meisten Fällen keine große Herausforderung. Sehr viel aufwendiger ist es hingegen, die Software zu erkennen. Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, wenn Sie das System in regelmäßigen Abständen genau unter die Lupe nehmen. Haben Sie auf Ihrem Handy in der Liste der installierten Apps eine verdächtige Software erkannt? Dann müssen Sie die App von Handy deinstallieren. Das ist meistens mit wenigen Klicks erledigt.

So schützen Sie sich

Wenn Sie Online-Bank nutzen oder häufiger mit vertraulichen Daten zu tun haben, sollten Sie eine Antiviren-App oder Anti-Spionage-App wie „Anti Spy Mobile Free“ nutzen. Die Apps führen regelmäßige Scans durch und warnen, wenn eine schädliche Anwendung aktiv wird. So sehen Sie auf einen Blick, ob Bankdaten ausgelesen oder Telefonate mitgeschnitten werden. Leider sind die Funktionen der kostenlosen Version sehr begrenzt, weshalb sich in den meisten Fällen ein kostenpflichtiges Upgrade lohnt.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, das Betriebssystem und den Browser regelmäßig zu aktualisieren. Updates sollten zeitnah und im Idealfall manuell installiert werden, damit es nicht zu Sicherheitslücken kommt. Nutzen Sie die zweistufige Authentifizierung, Gesichtserkennung und Fingerabdruck, um Fremdzugriff auf das Gerät zu verhindern. Legen Sie außerdem in festen Abständen ein Backup an. So lassen sich verlorene Daten im Notfall schnell wiederherstellen.

Vorsicht vor Schnäppchen-Apps

Shopping-Apps wie Temu sind aktuell sehr beliebt. Dort findet man Kleidung, Accessoires und Einrichtungsgegenstände zu sehr günstigen Preisen. Allerdings hat besonders Temu auch einige Tücken. So warnt die Verbraucherzentrale davor, dass die App personenbezogene Daten sammelt und für kommerzielle Zwecke nutzt. Wer das vermeiden möchte, sollte das Standorttracking ausschalten und auf Single-Sign-On verzichten.

Oder sich überlegen, ob die Vorteile von Temu die Risiken der App wirklich aufwiegen. Denn neben dem Mangel an Datenschutz steht Temu auch wegen schlechter Qualität, fehlendem Kundensupport und verlorenen Warensendungen in der Kritik. Hier lesen Sie mehr über die Shopping-App Temu

(csr/cwi)