Der neue Chef von Henkel will Marken mit einem Umsatz von 500 Millionen Euro schließen.

Persil-Konzern : Neuer Henkel-Chef räumt bei Marken auf

Der Konzern gibt Geschäfte mit einem Umsatz von 500 Millionen Euro ab, vor allem aus dem Bereich Haarpflege. Carsten Knobel will, dass die Belegschaft flexibler wird. Die Dividende wird nicht erhöht. Personalabbau ist laut Unternehmen im Moment nicht geplant, doch falls es soweit kommt, soll mit dem Betriebsrat geredet werden.

Der Konsumgüterkonzern Henkel kommt nicht aus der Defensive. Die Aktie rutschte am Donnerstag um mehr als sechs Prozent ab, nachdem sich der neue Vorstandschef Carsten Knobel vorsichtig zu den Perspektiven geäußert hatte. Er bestätigte bei der Vorstellung der Bilanz zwar die Prognose von Dezember, der Umsatz werde dieses Jahr möglicherweise bis zu zwei Prozent steigen, wobei aber auch Stagnation denkbar sei. Doch alleine wegen der Corona-Krise erwartet das Düsseldorfer Unternehmen nun im ersten Quartal eine Umsatzeinbuße von 100 Millionen Euro. Die weitere Entwicklung sei schwer vorhersehbar, sagten Knobel und der seit Januar amtierende Finanzvorstand Marco Swoboda. Die operative Marge werde in 2020 erneut sinken, die Dividende nicht steigen.

Knobel räumte ein, dass 2019 nicht gut gelaufen sei: „Wir sind insgesamt nicht zufrieden mit den Ergebnissen.“ Der Umsatz stieg nach Abzug von Wechselkurseffekten nur um 0,5 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro. Die operative Marge des einst so erfolgsverwöhnten Konzerns war um 1,6 Prozentpunkte auf 16 Prozent gesunken, der Gewinn brach unter dem Strich um zehn Prozent auf 2,1 Milliarden Euro ein. Im Oktober hatte Hans Van Bylen angekündigt, nach nur drei Jahren als Henkel-Chef aufzuhören. Carsten Knobel, zuvor Finanzvorstand, rückte zum Jahreswechsel auf.

Knobel betonte zwar, dass Henkel finanzstark und jederzeit zu großen Zukäufen in der Lage sei, doch gleichzeitig müsse man sich radikal wandeln. „Wir brauchen eine neue Wachstums-Agenda.“ Entscheidungen müssten viel schneller und dezentraler getroffen werden, die Mannschaft müsse beweglicher werden. Henkel brauche eine Art Kulturrevolution. „Dies ist der erste Schritt einer langen Reise, die uns noch lange beschäftigen wird“, sagte der 50-Jährige.

Knobel gab auch einen Ausblick auf die Strategie. Die Veranstaltung sollte eigentlich in London stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Krise abgesagt. Stattdessen gab es eine Video-Konferenz aus Düsseldorf.

Konkret kündigte Knobel an, Geschäfte und Marken mit einem Umsatzvolumen von einer Milliarde Euro auf den Prüfstand zu stellen. Bei der Hälfte der Geschäfte steht praktisch fest, dass sie verkauft werden. Bei der anderen Hälfte wird eine Sanierung geprüft, bevor die Aktivität möglicherweise geschlossen oder verkauft wird.

Aktuell gäbe es zwar keine neuen Pläne für einen Personalabbau, aber das Unternehmen passe „seine Strukturen fortlaufend an“. Knobel: „Wenn es zu Veränderungen kommt, werden wir das sehr veantwortungsvoll mit den Arbeitnehmervertretern besprechen.“ Wachstum sei auch gut für die Mitarbeiter. „Nur wenn wir wachsen, werden wir eine sichere Zukunft gestalten.“

Knobel musste einräumen, dass das Unternehmen bei vielen Vorhaben deutlich unter der Planung liegt. Einst hatte man angekündigt, den digital erwirtschafteten Umsatz auf rund vier Milliarden Euro in 2019 hochzuschrauben. Das misslang. Damit dieses Ziel erreicht wird, wurden Ende 2019 die Computertechnik (IT) und der Digitalbereich zusammengelegt, neue Experten werden gesucht. Für weiteres Wachstum waren im vergangenen Jahr 300 Millionen Euro zusätzlich für Marketing und Digitalisierung eingeplant, aber nur die Hälfte wurde ausgegeben.

Nun hofft Knobel auf bessere Zeiten. So soll es in der Waschmittel-Sparte rund um Persil ein Zentrum geben, das Produktideen vorantreibt, ebenso in der Haarpflegesparte rund um Schwarzkopf. Um sich von Wettbewerbern zu unterscheiden, will der Vorstand bis 2025 den Kohlendioxid-Fußabdruck der Produktion um zwei Drittel senken. 2040 will Henkel klimapositiv sein.