Wie das Blatt produziert wird Eine Zeitungsreise in Etappen

Es ist kurz vor 2 Uhr am Samstagmorgen. Der Schwalmtaler Ortsteil Amern, wenige Kilometer vor der niederländischen Grenze. Eine Gruppe Jugendlicher kommt von ihrer Disco-Tour nach Hause, sonst ist auf den Straßen um diese Zeit nichts mehr los. Fast nichts. Ein weißer Lieferwagen fährt durchs Dorf und biegt auf den Parkplatz einer Tankstelle.

Herbert Jansen öffnet die Seitentür, greift routiniert nach Paketen mit Zeitungen und legt sie zwischen zwei Zapfsäulen ab. Jansen ist Fahrer der Tour 401 von Düsseldorf nach Schwalmtal ­ sein Auto ist beladen mit der aktuellen Ausgabe des Grenzlandkuriers der Rheinischen Post. Herbert Jansen war früher Landwirt. Seit zehn Jahren arbeitet er als Bote für die Rheinische Post. Jede Nacht ist er unterwegs, mit Tempo 80 braust der 64-Jährige über die Straßen zu verschiedenen Sammelpunkten im Kreis Viersen.

"Ich beliefere mehrere Zustellbezirke”, sagt Jansen. "Die Zeitungsboten holen sich von dort ihre Pakete ab.” Egal wie das Wetter ist. Ob Schnee, Regen oder eine spiegelglatte Fahrbahn ­ Jansen und seine Kollegen versuchen möglichst ihren Zeitplan einzuhalten. Damit die Abonnenten am Morgen pünktlich die Zeitung bekommen. "Das gelingt uns auch in der Regel.” In Amern endet eine Reise, die vier Stunden früher begann. Es ist kurz vor 22 Uhr. Im Druckhaus der Rheinischen Post in Düsseldorf-Heerdt sitzt Jürgen Eggert vor zwei großen Flachbildschirmen.

Der 47-Jährige prüft, ob alle Seiten von den Redaktionen pünktlich zur Produktion überstellt werden. In wenigen Minuten wird die Viersener Ausgabe angedruckt, doch noch fehlt die erste Lokalseite. "Kein Grund zur Nervosität”, sagt Eggert. "Ich habe mit der Redaktion telefoniert. Die Seite wird uns jetzt übermittelt.” Einen Augenblick später folgt die Bestätigung vom Computer. Fertig zum Andruck ist die Ausgabe indes noch nicht. Eggert muss die Informationen zunächst bearbeiten. Dafür werden technische Daten auf einer Druckplatte eingepasst und zum Belichter überstellt. Der Inhalt der Seiten wird dabei auf Aluminiumbögen in einer Maschine entwickelt, die aussieht wie ein vollautomatischer Pizzabackofen.

Über ein Band gehen die Vorlagen danach zur Druckmaschine. Hans Großmann und seine Kollegen von der Rotation warten bereits auf die Vorlagen. Der 60-Jährige hängt die Platten in die Maschine ein und startet die Anlage. Langsam setzt sich die Papierbahn in Bewegung. Jetzt muss alles schnell gehen. Die Arbeiter stürmen im Minutentakt zur Druckanlage, die so groß ist wie ein sechsstöckickges Haus. Zur Probe blättern sie einige Ausgaben durch. "Beim Andruck sind die Farben meist nicht optimal. Die Qualität können wir aber noch regulieren”, sagt Großmann. Viel Zeit zum Überlegen haben sie nicht. Die Maschinen schaffen stündlich bis zu 45.000 Exemplare, in einer Nacht sind es etwa 420.000. Inzwischen ist es kurz nach 23 Uhr. Der Druck der Viersener Ausgabe ist abgeschlossen. Der Weg der Zeitung geht weiter. Über Klammerbänder unter der Hallendecke laufen die fertigen Seiten zum Versand nebenan.

Über ein 300-Meter langes Band fällt die aktuelle Produktion blitzschnell in eine große Trommel. In der werden sie mit den restlichen Teilen der Gesamtausgabe zusammen geschoben. "Magazin, Anzeigenteil und Prospekte haben wir vorher produziert. Der Umfang wäre in einer Nacht sonst zu groß”, erklärt Saalmeister Michael Ellekes (49). Die Ausgabe des Grenzlandkuriers umfasst an diesem Tag immerhin 88 Seiten. Alles geht vollautomatisch Noch einmal fährt die Zeitung in dieser Nacht über ein Band ­ zur Verpackung. Wieder geht alles vollautomatisch, je 40 Exemplare werden zu einem Paket verschnürt und kommen an einer Rampe an. Dort wartet Fahrer Herbert Jansen auf seine Ladung.

Zurück an der Tankstelle im Schwalmtaler Ortsteil Amern. Botin Elke Lennartz (34) lädt die Pakete mit dem Grenzlandkurier in ihren Kombi ein. 250 Haushalte beliefert die Hausfrau in dieser Nacht ­ nach zwei Stunden ist sie mit ihrer Tour fertig. Mit der frühen Arbeitszeit hat sie keine Probleme: "Ich habe zuvor in einer Bäckerei gearbeitet. Da musste ich noch eher aufstehen. Mir macht der Job Spaß und ich kann als einer der ersten die druckfrische RP lesen.”

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