Wollenhaupt als ältestes Optik-Fachgeschäft in Solingen wird 90 Jahre alt

Optik & Akustik Wollenhaupt : „Eine einfühlsame Beratung hilft“

Das älteste Optik-Fachgeschäft in Solingen feiert seinen 90. Geburtstag. Seit 28 Jahren gibt es auch eine Abteilung für Hörakustik. Die meisten Kunden kommen aus dem Bergischen Land.

„Feinjustierte Lebensqualität seit 90 Jahren“ verspricht die Optik & Akustik Wollenhaupt KG, die am Monatsanfang Geburtstag feierte. Gesellschafter Helmut Heinemann hat die Geschichte von Solingens ältestem „Optischen Fachgeschäft“ seit 1988 mitgestaltet. Damals übernahm er die Leitung zusammen mit seiner Frau Jutta, einer Enkelin von Firmengründer Hanns Wollenhaupt.

„Heute ist das Digitale weit, weit fortgeschritten“, erzählt der Augenoptikermeister und zeigt auf die gerade angeschaffte „Refraktionseinheit“ zur Bestimmung der Sehschärfe und zum Screening. Heinemann wurde in Düsseldorf ausgebildet und arbeitete lange an der Königsallee, bevor er ab 1977 Augenoptik in Köln studierte und dort seine künftige Ehefrau kennen lernte. „Früher waren Optiker Handwerker. Ich habe noch selbst Brillengläser mit der Hand bearbeitet, damit sie in die Gestelle passten.“

Augenprüfungen fanden mit Hilfe von Sehtafeln statt. Später kamen dann die ersten Projektoren auf. „Der Beruf von damals hat nichts mehr mit dem von heute zu tun“, erläutert Mitarbeiterin Tanja Natalizi. „Heute geht es viel mehr um Gesundheitsvorsorge. Das Berufsbild ist viel medizinischer und ganzheitlicher geworden.“ Die 36-jährige gebürtige Solingerin gehört seit rund sechs Jahren zum Team und ist die designierte Nachfolgerin von Helmut Heinemann.

Im Jahr, als Solingen Großstadt wurde, eröffnete Hans Wollenhaupt (r.) sein Fachgeschäft am Mühlenplatz.

Die Augenoptikermeisterin bildet sich gerade zur Optometristin weiter. „Man kann es ein bisschen als die Lehre des Sehens beschreiben.“ Weiterbildung hat bei Wollenhaupt immer eine große Rolle gespielt. Die Visitenkarten vieler Mitglieder des siebenköpfigen Teams listen zahlreiche Zusatzqualifikationen auf – von „Fachberater für Sehbehinderte“ über „zertifizierter Kinderoptometrist“ bis zu „Kontaktlinsenspezialistin“.

„Wir screenen, suchen nach Auffälligkeiten und dürfen Verdachtsdiagnosen stellen“, nennt Natalizi Beispiele. „Das reicht von Fragen wie ,Schielt mein Kind?‘ bis zur Ernährung.“ „Die Lebensweise generell und auch die Beleuchtung, Stichwort LED, haben Einfluss“, ergänzt Heinemann. „Mein Schwerpunkt sind Sehbeeinträchtigungen, auch Low Vision genannt. Es gibt immer mehr Betroffene, auch weil wir immer älter werden. Das Schöne: Es gibt auch unzählige Hilfsmöglichkeiten.“

Wollenhaupt hat natürlich auch junge Kunden. Sie kommen nicht zuletzt wegen der ausgefallenen Brillengestelle. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit kleinen ­Manufakturen zusammen“, berichtet Tanja Natalizi. „Daran haben wir Spaß.“ Das schätzen nicht nur Solinger, sondern auch andere Bergische und Menschen aus dem Rheinland. „Das Vertrauen unserer Kunden ist außergewöhnlich“, freut sich Helmut Heinemann. „Da zeigt sich: Eine einfühlsame Beratung hilft.“

Vor Konkurrenz durch die großen Filialisten hat man bei Wollenhaupt keine Angst. „Wir sind besser ausgebildet und nehmen uns mehr Zeit“, sagt Tanja Natalizi selbstbewusst. Bei „Low Vision“ könne die Beratung fünf bis sechs Stunden dauern. „Wir arbeiten auf einem ganz anderen Niveau. Wir wollen ja noch den 100. Geburtstag feiern.“ Das Firmenmotto wird dann wohl noch dasselbe sein: „Leidenschaft ist unsere Motivation.“

Das gilt auch für das zweite Standbein der KG: Vor 28 Jahren kam zur Optik die Akustik hinzu. Heinemann: „Damit sind wir im Grunde genommen auch der älteste Akustikbetrieb in Solingen.“ Der Bereich sorgt für gut ein Drittel des Umsatzes.

Helmut Heinemann will ab nächstem Jahr kürzertreten. „Ich habe im Schnitt zwölf bis 15 Stunden pro Tag gearbeitet“, blickt der 69-Jährige zurück. „In 40 Jahren bin ich, zusammengerechnet, nur auf ein halbes Jahr Urlaub gekommen.“ Deshalb hat sich der Augenoptikermeister im Frühjahr ein kleines geländegängiges Wohnmobil gekauft. „Mich interessieren Nordeuropa, England und Irland.“ Außerdem möchte Heinemann, der bis zu seinem 16. Lebensjahr in Spanien gelebt hat, in die Pyrenäen und „über alte Militärstraßen“ in die Alpen fahren.

Wenn Helmut Heinemann nur noch gelegentlich im Fachgeschäft zu finden ist – etwa als Urlaubsvertretung – bleibt ihm auch mehr Zeit für Hobbys und den Sport: Fotografieren, Fahrrad und Kanu fahren sowie das Boulespiel. Dass er eine ruhige Kugel schieben wird, ist eher unwahrscheinlich. Heinemann war viermal NRW-Meister und vor acht Jahren auch deutscher Vizemeister bei den über 55-Jährigen („Triplet“). Der gebürtige Bonner wird noch das eine oder andere ins Auge fassen.

Zum Geburtstag hat man aber zunächst das Wohlergehen anderer im Blick: Wollenhaupt spendet 900 Euro an die „Kette der helfenden Hände“.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.wollenhaupt-solingen.de



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