Wohnstile: Warum besonders junge Menschen auf Minimalismus setzen

Serie Wohnstile - Teil 1 : Warum besonders junge Menschen beim Wohnen auf Minimalismus setzen

In Zeiten, in denen man alles, aber wirklich alles fürs traute Heim kaufen kann und die Stilrichtungen sowohl bei Möbeln wie auch bei den Accessoires kaum noch zu überschauen sind, besinnen sich viele, vor allem junge Leute, aufs Rudimentäre. Anders gesagt: Ihnen kann die eigene Wohnung gar nicht minimalistisch – man könnte auch sagen: karg genug sein.

Cool ist angesagt, Gemütlichkeit im landläufigen Sinne wird für solche Menschen zum Schimpfwort, man besinnt sich auf das Wesentliche – und hat dabei auf keinen Fall das Gefühl, unbehaglich zu leben. Also nichts Verspieltes oder Schönes erfreut das anders orientierte Auge, sondern die Wände sind frei von allem, die Möbel – nur die wichtigsten sind vorhanden – sowieso, es hängt, steht oder liegt nichts herum, was nicht eine wirklich entscheidende Funktion hat. Dekorieren um des Dekorierens willen ist nicht erwünscht, die Wohnung scheint ein klares Bekenntnis zu sein zum Wunsch, mit möglichst wenig auszukommen.

Was aber nicht den Hang zur Askese dokumentieren soll – im Gegenteil: Der Verzicht kann durchaus anspruchsvoll sein oder auf jeden Fall aufwendig, weil man ja auch in der reduzierten Optik seinen Geschmack präsentieren will. Geld zu sparen ist also nicht das Motiv für diese Form des Wohnens. Sondern man will sich absetzen von anderen, gängigen und vermeintlich langweiligeren, viele sagen auch: spießigen Trends.

Das treffsicher zu realisieren setzt jedoch erstens voraus, stilsicher auszuwählen, und zweitens ein feines Gespür, das Wenige sowohl farblich als auch in der Form so auszuwählen, dass es nicht kalt und abweisend oder gar langweilig wirkt. Sondern chic und edel.

Der Möbelhandel hat diesen Trend erkannt und bietet entsprechende Stücke an. Das fängt an bei Industrie-Design und geht weiter über schnörkellose Stühle, Lampen oder andere Möbel. Alles ist sehr geradlinig, meist in gedeckten Farben (Weiß, Schwarz, Grau, Beige) gehalten und funktionsorientiert. Dass die Stücke dabei auch noch einem hohen Anspruch an Ästhetik gerecht werden, oft klassischen Regeln entsprechend, gehört zum Gesamtkonzept. Und so erfreuen sich Lampen großer Beliebtheit, die im Grunde nur aus einer Glühbirne bestehend, an einem Kabel oder Strick hängend, eine weiße Wand oder eine aus nicht verputzten Ziegeln beleuchten.

Für die Terrasse werden Euro-Paletten genutzt, weiß Gott nicht gerade ein Ausbund an Schönheit, aber kombiniert mit Polstern und geschickt zusammen gefügt eine Art von Sitzmöbel, die vor allem kommuniziert, sich von anderen abzusetzen und auf gängige Vorstellungen von Äußerem zu pfeifen.

Wer so wohnt, der wird auch seine Wände nicht mit Kunst dekorieren. Entweder sie bleiben gänzlich frei und strahlen – gewollt – eine nicht zu unterbietende Kühle aus, oder sie werden veredelt durch ein einziges, meist großformatiges Werk. Das kann eine abstrakte Malerei sein, aber vor allem passt zu diesem Stil das Foto im XXL-Format, auf hauchdünnes Alu gezogen oder hinter Glas, von hinten manchmal noch dezent beleuchtet, um die Wirkung zu potenzieren. Meist sind diese Fotos schwarz-weiß, da Farbe nicht ins Gesamtkonzept passt, weil sie – sozusagen unvermeidlich – dekorativ ist und somit Unruhe schafft, die in diesem Moment unerwünscht ist. Natürlich finden sich an den Wänden keine Tapeten, noch nicht mal Raufaser. Gerne wird der normale Putz genommen, sofern er glatt genug ist, um eine perfekte große Fläche zu schaffen. Ist das nicht der Fall, bietet das Handwerk reichlich Material, um die Wand in jeder Form zu verkleiden – und auf Wunsch auch eine Glätte wie Glas zu erreichen.

Das klingt aufwendig, und das ist es auch. Jedenfalls ist die Umsetzung dieses „Weniger ist mehr“ keineswegs ein Sparkonzept. Es will durchdacht und umgesetzt sein.