Serie: Gut schlafen : So werden unsere Nächte traumhaft

Jeder Mensch träumt – und zwar fast die Hälfte seiner Schlafenszeit. Wissenschaftler haben entschlüsselt, was unser Gehirn beim Träumen macht, was gegen Albträume hilft und was man vorm Schlafengehen lieber sein lassen sollte.

Wer morgens gerädert aufwacht, hat eindeutig zu wenig Tiefschlaf abbekommen. Das kann viele Ursachen haben: mangelnder Schlafrhythmus, Licht, Geräusche und ein unbequemes Bett sind klassische Schlafräuber. Eines steht allerdings fest: Geträumt hat in aller Regel auch, wer zu wenig Schlaf abbekommen hat. Und zwar unabhängig davon, ob er sich noch an seine Träume erinnert oder nicht. In der letzten der vier Schlafphasen fährt der Körper das Bewusstsein nachweislich wieder hoch. Dann ist mehr Hirnaktivität messbar, wir verbrauchen mehr Energie, Atem- und Pulsfrequenz sowie die Durchblutung steigen wieder. In dieser REM-Phase (vom englischen rapid eye movement = schnelle Augenbewegungen) wirkt das Gehirn fast wie wach, anders als die Muskeln, die noch immer im maximal entspannten Zustand sind. Das ist die Hauptzeit für unsere Träume.

Träume haben positiven Einfluss auf unsere emotionale Stabilität

Wenn Ärzte und Wissenschaftler im Schlaflabor Menschen in dieser Phase aufwecken, kann sich fast jeder an einen Traum erinnern. In der ersten Schlafphase sind es oft nur kurze, wenig spektakuläre Sequenzen, fast wie Schnappschüsse aus dem Alltag. Da laufen oft vergleichsweise banale Alltagsfilme ab, offenkundig inspiriert von dem, was wir an dem Tag erlebt haben. Die großen Themen, wo wir zum Teil durchkomponierte Geschichten erleben und auch selbst Teil des Geschehens sind, sind erst in einer späteren Phase des Schlafs dran. Dann erleben wir euphorische Freude, schreckliche Angst, jagen Verbrecher, essen meterhohe Torten und tun andere absonderliche Dinge. Manchmal integrieren wir Dinge, die derweil tatsächlich um uns passieren. Dann wird zum Beispiel das Klingeln des Weckers im Traum zu einer lauten Sirene, die vor einem Feuer warnt – und uns schließlich aus dem Traum erwachen lässt.

Warum macht das Gehirn das? Dazu gibt es trotz umfänglicher Forschung noch immer verschiedene Theorien. Klar ist inzwischen, dass sich Gelerntes im Traum verfestigt. Zudem hat das Träumen offenbar positiven Einfluss auf unsere emotionale Stabilität. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Gehirn beim Träumen eine Bühne schafft, die die idealen Voraussetzungen schafft, um bestimmte kognitive Prozesse zu unterstützen.

Wer wissen will, was sein Gehirn im Schlaf tut, legt sich am besten Zettel und Stift neben das Bett. Denn nur unmittelbar nach dem Aufwachen haben wir guten Zugang zum letzten durchlebten Traum. Das kann sich lohnen. Angeblich waren die Struktur des Periodensystems, die Nähmaschine und der Beatles-Song „Yesterday“ Folgen solcher nächtlichen Eingebungen.

Dass man im Traum Vorahnungen hat, die später Realität werden, erklären die Wissenschaftler so: Was wir träumen, ist oft aus unseren aktuellen Sorgen, Hoffnungen und Wünschen erwachsen. Daraus konstruiert unser Gehirn konkrete Phantasien. Manche davon treffen ein – ohne dass Übernatürliches im Spiel wäre. Der amerikanische Präsident Abraham Lincoln etwa soll von seinem Tod geträumt haben, kurz bevor er während einer Theateraufführung erschossen wurde.

Wer unbequem liegt, findet nicht in einen tiefen Schlaf

Derartige Albträume kommen immer wieder vor. Rund fünf Prozent der Deutschen werden regelmäßig von ihnen heimgesucht. Und zwar so sehr, dass sie Unterstützung von Ärzten oder Psychotherapeuten brauchen. Sensible und kreative Menschen haben nach jüngsten Studien eine häufigere Veranlagung zu Albträumen. Für erholsamen Schlaf kann man allerdings selbst sorgen. Denn was wir unmittelbar vorm Zubettgehen tun, beeinflusst unseren Schlaf und unsere Träume. Das gilt für Aktivitäten – Horrorfilme können tatsächlich im Traum weitergehen – genau wie fürs Essen: Wer spät noch Fettiges, Scharfes oder Kalorienreiches zu sich nimmt, gibt seinem Körper Hausaufgaben, die den Tiefschlaf verhindern. Wissenschaftlich erwiesen ist auch, dass wer mit dem Rauchen aufhört, klarer träumt. Nicht zuletzt hat die unmittelbare Schlafumgebung direkte Auswirkung auf den Schlaf. Wer unbequem liegt, weil die Matratze oder das Kissen nicht gut sind und deswegen Rückenschmerzen bekommt, findet nicht in einen tiefen Schlaf.