Serie Wohnstile - Teil 2 : Überall Deko und „Rich Kitsch“

Die Möglichkeiten, das eigene Zuhause besonders zu gestalten, sind schier unbegrenzt. Wichtig ist ein Gefühl für den richtigen Mix.

Wenn’s daheim üppig dekoriert sein soll, steckt meistens eine Frau dahinter. Oder? Nadine Schmäing, im Möbelhaus Schaffrath Düsseldorf für das visuelle Marketing, also für die gesamte Darstellung der Produkte im Haus zuständig, will diese Frage zuerst nicht mit Ja beantworten, räumt aber dann ein, dass Frauen eher einen Sinn für die Deko haben. Bei Männern in sehr kreativen Berufen hat sie dagegen ebenfalls eine Affinität fürs richtige Arrangement erlebt.

Vergleicht man das Angebot an Wohnungs-Deko über einen längeren Zeitraum, die Bandbreite an Accessoires der unterschiedlichen Stilrichtungen und Nutzungsmöglichkeiten, dann ist klar: Noch nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten, dem eigenen Heim eine ganz besondere Note zu geben. Entweder, indem man eine vorgegebene Stilrichtung adaptiert, oder unterschiedliche Elemente kühn kombiniert. Vor allem bei der letztgenannten Alternative ist es jedoch wichtiger, stilsicher und in der Lage zu sein zu erkennen, was passt und was gar nicht geht.

In Zeiten, in denen fast jeder viel reist und viel sieht, macht sich das auch im Stil der Wohnungseinrichtung bemerkbar. Da kommen Wandbehänge und Skulpturen aus dem asiatischen Raum, Dekoratives mit mediterranem Charakter oder Fundstücke vom Strand der Nordsee zusammen. Man mixt gern und zeigt, wo man war oder wo man einen besonderen Stil gefunden oder entwickelt hat.

Dabei geht es keineswegs nur um billiges Zeug vom Trödel, sondern auch um wirklich teure Stücke aus dem Asia-Shop oder angesagten Möbel-Boutiquen in den Mallorca-Städten Palma oder Arta. Auf alt gemacht oder wirklich alt, viel Eisen, gern angerostet – Grenzen gibt es nicht, und wer es sich leisten kann, der schwelgt in diesen Dingen, bisweilen nicht ohne Grund „Rich Kitsch“ genannt.

Vor allem die mediterranen Einflüsse sind unübersehbar. Auf Mallorca hat sich in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Läden etabliert, die nichts anderes anbieten als alles das, was das Heim von anderen abhebt. Damit wenden sie sich vor allem an die so genannten Residenten – auf der Insel lebende Ausländer. Aber auch an die Touristen, die so die Chance bekommen, das ganz besondere Souvenir mit nach Hause zu nehmen oder sich per Spedition nach Deutschland senden zu lassen.

Ähnlich das Bild in sämtlichen Einkaufsstädten: Spezielle Anbieter von Kleinteilen gibt es für alle Preis- und Geschmacksklassen. Längst haben sich die großen Möbelhändler darauf eingestellt und ihr Angebot an Accessoires ausgeweitet. Auf vielen Quadratmetern präsentieren sie alles, was für die Menschen zum behaglichen Wohnen dazu gehört.

Wie beispielsweise den Vintage-Look. Hinter diesem englischen Begriff versteckt sich alles, was alt ist, zumindest so aussieht oder auf alt getrimmt wurde. Gebrauchsspuren, Verschleiß, sogar beginnender Verfall, einst verschmäht und der ultimative Anlass, wegzuwerfen und etwas Neues zu kaufen, ist heute vor allem bei den Konsumenten zwischen 20 und 40 Jahren angesagt und sehr erwünscht. Scheinbar offene, in Teilen schadhafte Ziegelwände, verrottetes Metall, Beton, Stahl – alles gilt als schick, wenn es nur schön vergammelt aussieht. Das Ganze wird gern kombiniert mit ruhigen Pastellfarben und sehr modernen und somit eher kühlen Möbeln.

Diesen Trend setzen nicht selten Hollywood-Filme – der Industrielook beispielsweise tauchte erstmals Ende der 1980er Jahre in den Wallstreet-Dramen mit Michael Douglas auf, in dem eine der Brokerinnen in einem scheinbar verfallenen Loft wohnte, das in Wahrheit aber ein sündhaft teures Apartment in der New Yorker Upper Eastside war. Einige Jahre später war der Trend in Europa, Lofts wurden schick und einst gemiedene Viertel wurden zu begehrten Adressen gut verdienender Menschen.