Serie Wohnkonzepte: Sparen beim Neubau – wie geht das?

Serie Wohnkonzepte : Sparen beim Neubau – wie geht das?

Wer heute bauen will, muss ein Grundstück finden. In den Ballungsräumen ist das schwierig und vor allem teuer. Soll das eigene Heim dennoch entstehen, sind viele gezwungen, woanders zu sparen – beim eigentlich Bau des Objektes.

Die Wohnungs- und Bauwirtschaft ist in einer vertrackten Lage: In den Ballungsräumen ist die Nachfrage hoch, aber der Raum knapp. Eine gut laufende Wirtschaft verhilft den Handwerkern zu vollen Auftragsbüchern, so dass sie kurzfristig kaum zu bekommen sind und ihre Preise erhöhen können. Zudem treibt der Staat die Preise durch hohe Steuern (Grunderwerbssteuer NRW 6,5 Prozent) und Gebühren. Aber trotzdem wächst der Platz, den jeder in Deutschland zur Verfügung hat, seit Jahren kontinuierlich an. Im Jahr 2017 gab es in Deutschland rund 42 Millionen (Mio.) Wohneinheiten. Das waren 1,3 Mio. Wohnungen mehr als im Jahr 2011. Im gleichen Zeitraum stieg die tatsächlich genutzte Fläche um 4,1 Prozent an. Grund dafür war auch die im Vergleich zu 2011 größere durchschnittliche Wohnfläche der Wohnungen im Bestand von 2017. Die Wohnfläche je Wohnung betrug 2017 im Durchschnitt 91,8 Quadratmeter und lag damit um 0,8 Prozent höher als im Jahr 2011. Die pro Personen zur Verfügung stehende Fläche liegt knapp unter 50 qm. Und das in Zeiten, in denen der Raum zum Leben immer teurer wird.

Wie das unter einen Hut bekommen? Schwierig auf jeden Fall. Eine klare Tendenz: Die meisten Bauherren sind gezwungen, beim eigentlichen Bau ihres Traumhauses auf die Kosten zu achten, weil der Kauf des Grundstücks einen erheblichen Teil ihres Kapitals verschlungen hat. Die gute Nachricht: Es ist vergleichsweise leicht, kostenbewusst zu bauen.

Am meisten sparen lässt sich beim Keller. Am Beginn der Planung muss sich jeder die Frage stellen: Brauchen wir den wirklich? In Deutschland wird diese Frage bei den weitaus meisten mit klarem Ja beantwortet, was andere Nationen amüsiert. In Holland und in den USA sind Häuser ohne Keller keineswegs die Ausnahme, in Deutschland aber schon. Dabei kosten die unteren Räume locker zwischen 30.000 und 50.000 Euro, je nach Ausstattung. Wer gern dort unten Werkstatt oder Bar, Hobbykeller oder Spielzimmer einrichten will, der muss das Geld ausgeben, aber wer meint, vielleicht doch ohne diese Abstellfläche auskommen zu können, sollte mal Menschen ohne Keller fragen, wie sie das hinkriegen. Die Antwort wird ihn wundern: Wer weniger Fläche zum Aufheben hat, hebt auch weniger auf – Erfahrungen mehrerer Umzüge, bei denen man ungeöffnete Umzugskartons zum xten mal wieder mitnahm und am Ende sehr viel Gerümpel entsorgt hat, bestätigen das. Fest steht: Der Keller ist bei vielen lediglich teurer Platz für unnützes Zeug. Sind die Kinder erstmal aus dem Haus – und dieser Zeitpunkt kommt unweigerlich – wird er noch sinnloser. Statt Keller kann eine größere Garage helfen oder gut durchdachter Abstellraum. Vor allem neben der Küche.

Aus Holland sollte man sich die so genannte Beiküche zum Vorbild nehmen: Dort, unmittelbar neben der Küche, können Waschmaschine und Trockner, Vorratsschränke und Tiefkühltruhe stehen, vielleicht sogar ein begehbarer Kühlschrank. So nahe ist das alles viel praktischer als im Keller, weil buchstäblich greifbar. Der teuerste Raum des Hauses ist meist das Bad. Edle Kacheln, teure Armaturen und feine Keramik – das geht ins Geld. Aber man kann auch anders: Auf Kacheln verzichten und einen Putz wählen, der nur im Bereich der Dusche speziell behandelt und damit wasserabweisend ist. Es gibt inzwischen sogar Holzböden für Bäder oder Laminat. Das verträgt die Nässe nicht? Wann haben Sie denn jemals mitten im Bad in einer riesigen Wasserlache gestanden.

Die Wände des Hauses – für viele müssen sie natürlich tapeziert sein. Dabei kann ein glatt gezogener Putz mit einer guten Farbe viel attraktiver sein, zumal er auch einfacher zu erneuern ist, wenn nach einigen Jahren die Renovierung ansteht. Wer mit Kalksandstein oder anderen glatten Ziegeln baut, braucht nicht einmal Putz. Diese Steine, gut gestrichen, sehen auch innen einfach nur schick aus. Auf jeden Fall ist das alles erheblich billiger. Das gilt übrigens auch bei Decken. Sie in Betonoptik zu lassen, ist derzeit sehr in Mode und kann in ein paar Jahren wieder out sein. Aber dann kann man sie immer noch anstreichen. Der Fachhandel hat sich längst darauf eingestellt und bietet dazu passend Möbel, präsentiert im passenden Ambiente. „Wir nennen das Industrie-Look,“ sagt ein Einrichtungsberater des Möbelhauses Schaffrath.

Foto: Getty Images/iStockphoto/vadimguzhva

Teure Einbauten – wie Kamin oder Sauna – sind „nice to have“, wie es so schön heißt. Aber sehr kostspielig. Gibt das Budget es nicht her, muss man langfristig gesehen nicht darauf verzichten – man lässt die nötigen Anschlüsse schon im Rohbau legen, so dass man später, wenn das Konto wieder im schwarzen Bereich ist, nachrüsten kann. Hat man auf die Anschlüsse verzichtet, wird es aufwändig und teuer. Sind sie aber vorhanden, ist die Nachrüstung vergleichsweise simpel. Überhaupt gilt: vor Errichtung des Rohbaus genau überlegen, was man will und was man eventuell später braucht. In dieser Bauphase sind viele Dinge leicht zu realisieren oder zu verändern, später ist das anders.

Zum Schluss: Eigenleistung. Böden, Wände, Garten – vieles kann man selbst machen und viel Geld sparen. Auch wer handwerklich kein Genie ist – moderne Systeme von Böden mit automatisierten Klack-Verbindungen sind auch für Laien zu verlegen. Einen Versuch ist es wert, und am Ende ist es ein gutes Gefühl.