Serie: Gesund schlafen (4) : Ein Lob dem kurzen Nickerchen

Sprechen wir doch mal vom Mittagsschlaf. In mediterranen Breiten auch Siesta genannt. Einst war er auch bei uns nicht ungewöhnlich, wer konnte legte sich mittags – nach dem Essen – noch ein bisschen hin und schlief. Danach konnte der Rest des Tages kommen.

Aber die Gewohnheit kam aus der Mode, der moderne Mensch in einer schnelllebigen Zeit hatte nicht die Muße, tagsüber zu ruhen, an den meisten Arbeitsplätzen war das erstens aus räumlichen Gründen nicht möglich und zweitens auch aus Imagegründen verpönt.

Doch das ändert sich langsam. Mehr und mehr erkennen die Menschen, wie wichtig eine wirklich entspannende Phase sein kann. Firmen richten Ruheräume ein und Möbelhändler bieten passende Sessel oder Liegen an, die auch im Büro nutzbar sein können. Keiner muss sich unter den Schreibtisch betten oder im Auto in der Tiefgarage für eine halbe Stunde die Augen schließen. Der kurze Schlaf während der Arbeitszeit ist neuerdings akzeptiert, und man hat auch einen passenden Namen: Power nap – erfunden in den USA.

Leistungsforscher preisen mittlerweile die kurze Mittagsruhe. Das Nickerchen verspricht eine erstaunliche Leistungssteigerung für müde Arbeitnehmer. „Studien zeigen, dass ein kurzer Schlafe die Leistungsfähigkeit um bis zu 35 Prozent steigern kann“, sagt der Schlafexperte Jürgen Zulley, Professor für Biologische Psychologie an der Uni Regensburg. Allerdings spricht er nicht vom stundenlangen Tiefschlaf.

Im Gegenteil ist es ratsam, den Wecker nach 20 bis 30 Minuten klingeln zu lassen. Denn bis dahin befindet sich der Schlafende noch in einem Leichtschlaf. Erst danach geht der Körper in tiefere Schlafstadien über – und aus diesen erwacht man wiederum nur schwer. „Wer länger als etwa eine halbe Stunde schläft, ist danach noch bis zu einer Stunde schlaftrunken – und das würde ihn dann wiederum bei seiner Arbeit behindern“, sagt Zulley. Um genau diesen Zustand zu vermeiden, empfehlen manche Schlafforscher sogar, noch weniger zu schlafen. Es reichen sogar zehn Minuten, um sich danach wirklich wieder fit zu fühlen. Nicht wenige, die diese Art der Pause pflegen, brauchen dafür nicht einmal einen Wecker: Sie werden von allein nach zehn oder 15 Minuten war und gehen frisch ans Werk.

Diesen kurzen Schlaf um die Mittagszeit zu genießen, passt zum Bio-Rhythmus der Menschen, sagt ein Experte: „Zur Mittagszeit ist unser Kreislauf am labilsten und die Wahrscheinlichkeit für Flüchtigkeitsfehler am höchsten.“ Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Studienteilnehmer ein Nickerchen zwischen 13 und 14 Uhr bevorzugen – ganz unabhängig davon, ob sie zuvor reichhaltig gegessen haben. Sie folgen instinktiv ihrer inneren Uhr.

Der kurze Schlaf ist aber nicht nur wichtig für die Regeneration, sondern fördert auch die Gesundheit. Mediziner wissen, dass eine solche Ruhepause Herz- und Kreislauferkrankungen vorbeugt. Wer es allerdings nicht schafft, für eine solche kurze Spanne wirklich einzuschlafen, dem raten sie dennoch zu einer Ruhepause: 30 Minuten die Augen schließen, die Füße hochlegen, die Gedanken schweifen lassen – auch das kann schon ausreichen, sich nachher wieder fit zu fühlen.

Die mutmaßlichen Wirkungen reichen von Stressabbau über eine Verbesserung der Stimmung bis hin zu einer Reduktion des Diabetes-Risikos. Also haben alles was von dieser Ruhepause, egal, ob wirklich schlafend oder sehr entspannt – Firma wie Arbeitnehmer. Weil sich diese Erkenntnis durchsetzt, bieten immer mehr Unternehmen ihren Leuten passend möblierte Ruheräume mit bequemen Liegen oder Sesseln für solche Pausen – in deren und daher auch im eigenen Interesse.

Das Handy sollte allerdings außer Reichweite oder ausgeschaltet sein.